Islam in Indonesien

Der Islam hat im indonesischen Archipel eine lange Tradition. Das erste Sultanat wurde 930 n.Ch. in Aceh gegründet und bis ins 17. Jahrhundert hatten indische und arabische Händler den Islam auf alle Inseln gebracht. Heute ist Indonesien der Staat mit der weltweit größten muslimischen Bevölkerung. 220 Millionen, d.h. 89% aller Indonesier bekennen sich zum Islam. Bis zur Jahrhundertwende galt der indonesische Islam als moderat und tolerant, aber seither haben, wie überall auf der Welt, fundamentalistische Bewegungen zugenommen und durch Attentate von sich reden gemacht.    Seit 1999, dem Jahr der Entmachtung des diktatorischen Generals Suharto, hat der Filmemacher Leonard Retel Helmrich mit dem von ihm entwickelten Filmstil des “single shot cinema” mit einer kleinen Handkamera die Auswirkungen der politischen und religiösen Veränderungen auf die verarmte Stadtund Landbevölkerung dokumentiert. Entstanden sind bisher vier eindrückliche Filme, von denen wir zwei zeigen.  Barbara Lüem  

FLIGHT FROM HEAVEN

Leonard Retel Helmrich
Niederlande 2003 | 52 Min. | BetaSP, OmeU
Zu Gast:
Leonard Retel Helmrich
Halb Kind noch und doch schon bald erwachsen, soll Johan, ein javanischer Bauernjunge, im Internat mit andern Jugendlichen zusammen in die arabische Sprache und ins Feuer des Glaubens eingeführt werden. … mehr

PROMISED PARADISE

Leonard Retel Helmrich
Indonesien, Niederlande 2005 | 50 Min. | BetaSP, OmeU
Zu Gast:
Leonard Retel Helmrich

Aus dem Innern eines Fernsehers aus Karton, spielt der Troubadour Agus vor Kindern das Attentat vom 11. September 2001 in New York nach. Eine Spielzeugverpackung stellt die Twin Towers dar, ein kurioses Fisch-Flugzeug die Terrorwaffe. Er streckt seinen Kopf durch den Bildschirm und gibt Vorwarnung: “Was ihr am Fernsehen seht, ist alles falsch, hier aber sind die Leute aus Fleisch und Blut”. Diesen Illusionen und Vorspiegelungen will Leonard Retel Helmrich in Begleitung des Künstlers nachspüren. Er begleitet Agus auf der Suche nach Versöhnung mit seinem Glauben und behält dabei das von Terror und islamistischem Fundamentalismus erschütterte Indonesien im Auge. Die Schlüsselfrage dieser politisch-spirituellen Reise lautet: wie kann jemand glauben, dass Töten die Pforten zum Paradies öffnet? 

Der Film PROMISED PARADISE hinterfragt das Konzept der Repräsentation. Realität und Theater prallen aufeinander und machen Widersprüchlichkeiten und Ungereimtes innerhalb der indonesischen Gesellschaft sichtbar. Agus provoziert und verunsichert. Mal ruft er seine Empörung über die Attentate laut aus, mal spricht er unterschiedliche Leute, z.B. einen Muezzin in den Straßen von Bali und Jakarta direkt an. Um zum inhaftierten Bali-Attentäter Imam Samudra vorgelassen zu werden, gibt er sich gar als Sympathisant aus, aber das Interview entpuppt sich zum Schluss als geschickter Zusammenschnitt aus echten Fragen und Antworten aus einem Videoband vom Schwarzmarkt.