DEUTSCHLAND IST EIN TRAMPOLIN

 

Zwei Leben - vor und nach der Rückkehr nach Kamerun. Romeo ist von Deutschland enttäuscht und will nach Hause zurückfliegen. Demian wurde abgeschoben und versucht seitdem, nach Deutschland zurückzukehren.
DEUTSCHLAND IST EIN TRAMPOLIN erzählt von zwei Protagonisten, die zwischen Deutschland und Kamerun, Hoffnung und Resignation nicht zur Ruhe kommen. Durch die achtsame Verwebung beider Geschichten stellen sich Fragen nach deutscher Abschiebe- und Integrationspolitik. Wie lebt es sich zwischen instabiler Gegenwart und ungewisser Zukunft?
(Fortsetzung von DEMIAN, Freiburger Filmforum 2019)

Buch, Regie: Marc Sebastian Eils
Kamera: Hannes Schulze
Ton: Nils Plambeck
Kontakt: marc@redgreenfilms.com; www.redgreenfilms.com

Im Programm mit

DON’T COME HOME THIS YEAR
LOST BOY

 

 

EIN OZEAN

Markus wurde in seiner Kindheit mehrfach sexuell missbraucht. Heute ist der 55-Jährige mit seinem Wohnmobil und seinem Hund „Picasso“ ständig unterwegs und wünscht sich einen Ozean: „ein Meer zwischen mir und meiner Vergangenheit“. Er arbeitet gegen den Missbrauch an, in der Gesellschaft und in sich selbst. Doch „das Zittern beginnt im Nacken“, sagt er, wenn er sich seiner Geschichte mit Blick auf sein Elternhaus nähert. „Im Erdgeschoss bin ich zur Welt gekommen und im zweiten Stock dann vernichtet worden.“
Die Filmemacher und Markus machten sich gemeinsam auf den Weg, er schöpfte Vertrauen und konnte so nach und nach seine Geschichte erzählen. Ein einfühlsames Portrait und ein persönlicher Beitrag zu einem Thema, dessen Ausmaß erst langsam begriffen wird.

Buch, Regie: Paul Scheufler
Kamera: Jakob Grasböck
Montage: Daria Wörmann
Ton: Eva Perháčová
Produktion: Victoria Frances Anders, Hannes Raphael
Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF

 

 

FALTENROCK

Mechthild, Volker, Christian und Christiane wollen vor allem Spaß. Ihnen fehlt in ihren Familien der Humor, sie verbringen Stunden auf Facebook und können 50 Shades of Grey noch ergänzen. Sie engagieren sich für Geflüchtete, wollen reisen und suchen die Liebe ihres Lebens. Und sie sind Stammgäste der Hamburger Ü60 Partyszene „Faltenrock“.

Was bedeutet Altern in einer urbanisierten Gesellschaft, in der Rentner*innen aktiv mitwirken? Gibt es altersgemäße Verhaltensmuster? Und warum sollen Tablettenboxen und Krücken die eigene Person verändern? „Ich möchte als ich wahrgenommen werden und nicht als Oma“, stellt Mechthild daher klar.

Oder in den Worten der Co-Regisseurin Leonie Kock: „Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Alter ist immer auch eine Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Bildern davon.“

Buch, Regie, Produktion: Leonie Kock, Janina Rasch
Kamera: Leonie Kock, Kevin Lausen, Janina Rasch
Ton: Bela Brandes
Montage: Robert Falckenberg, Leonie Kock, Janina Rasch
Kontakt: faltenrock.film@gmail.com

 

IF OBJECTS COULD SPEAK

mit anschließender Paneldiskussion

Im Linden-Museum in Stuttgart lagert ein mysteriöses Holzobjekt aus Kenia. Über seine Herkunft ist lediglich bekannt, dass es 1903 ins Inventarbuch aufgenommen wurde. Warum weiß das Museum nicht mehr darüber? In Europa scheint dies nicht unüblich zu sein: Unzählige außereuropäische Objekte lagern versteckt in Depots und wurden noch nie ausgestellt. Ihre Existenz ist daher weder der lokalen Öffentlichkeit noch den Herkunftsgesellschaften bekannt.

Zwei junge Filmschaffende, er aus Kenia, sie aus Deutschland, wollen mehr über dieses Objekt herausfinden. Da es nicht möglich ist, das physische Objekt mitzunehmen, erstellen sie ein 3D-Digitalisat und gehen mit uns auf eine abenteuerliche Reise mit offenem Ausgang. Sie erhalten Zugang zum Archiv in Stuttgart, aber keinen Zugang zum Museum in Nairobi. Sie begegnen aufgebrachten Jugendlichen in den Straßen Nairobis und skeptischen, aber kundigen Alten in den Dörfern der Kikuyus. Viel finden sie heraus – sowohl über das Objekt als auch über unsere gemeinsame Geschichte und andauernde Beziehung als Kenianer*innen und Deutsche.

Nominiert für den African Movie Academy Award 2020

Elena Schilling, geb. 1991 in Tomsk, Russland. Seit 1997 lebt sie in Süddeutschland und studierte zunächst Allgemeine Rhetorik und Philosophie in Tübingen. 2016 begann sie ein Regie-Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg. Sie beteiligte sich an der Gestaltung des Webportals „Daheim in der Fremde“, Haus des Dokumentarfilms, Stuttgart. 2019-20 war sie Leiterin des Kinderfilmhaus Ludwigsburg. Zurzeit arbeitet sie an ihrem Diplomfilm und an unabhängigen Mixed Media Projekten. Kurzfilme: HEUTE NICHT (2016), NETTE KERLE (2017), SCHREIBTISCHTÄTER (2017), 82 QUADRATMETER (2018).

Saitabao Kaiyare ist Drehbuchautor und Filmemacher. 2019 studierte er in der International Class an der Filmakademie Baden-Württemberg. Er realisierte die Kurzfilme PSYCHO (2015) und CLASH (2016) und schrieb das Drehbuch zu dem mittellangen Spielfilm SEPTEMBER (2015, R: Mark Wambui).

Regie: Elena Schilling, Saitabao Kaiyare
Kamera: Artur Ortlieb, Garry Sonneborn
Montage: Matthias Wölbing
Ton: Bela Brandes
Production: Ann-Katrin Boberg, Mumo Liku, Daniela Fritz
Kontakt: office@elenaschilling.com, kaiyare@baruucollective.com,
Website: www.ifobjectscouldspeak.com

 

im Anschluss an den Film

If Objects Could speak - what would you answer?

Paneldiskussion zum Umgang mit kenianischen Objekten in deutschen Museen mit

Ihre Majestät Makorani Mungase VII, König der Pokomo und Hüter der heiligen Trommel Ngaji;

George Juma Ondeng´, vom National Museums of Kenya, Projektleiter des deutsch-kenianischen International Inventories Program;

Dr. Sandra Ferracuti, Anthropologin der Universität Rom und ehemalige Kuratorin der Afrikasammlung im Linden-Museum Stuttgart

Moderation: Carsten Stark

MY VIETNAM

Das vietnamesische Ehepaar Bay und Tam lebt seit 30 Jahren in Deutschland. Ohne viel Kontakt mit anderen in der deutschen Gesellschaft arbeiten die beiden in leeren Büroräumen als Putzkräfte. Durch Skype und Online-Chatrooms erhalten sie sich ihr eigenes Vietnam in ihrer Münchner Wohnung. Doch die Begrenzungen dieser Welt zeigen sich, als Bays und Tams Haus in Vietnam durch einen Sturm zerstört wird und ein Familienmitglied in der ehemaligen Heimat auf dem Sterbebett liegt. Die beiden sind zusehends mit der Frage konfrontiert, ob sie in Deutschland jemals wirklich angekommen sind. Während Bays Zukunft klar in Deutschland bei ihren Enkeln liegt, wird es für Tam immer wichtiger, in das physische Vietnam zurückzukehren. Ist Heimat ein Ort oder ein Gemütszustand?

Ein Film über die Schwierigkeit, an zwei Orten gleichzeitig zu leben, und die Frage, welche Auswirkungen diese Dualität auf Ehe, Familie und das Gefühl von Zugehörigkeit hat.

Regie: Tim Ellrich, Thi-Hien Mai
Kamera: Tim Ellrich
Produzent: Leopold Pape
Ton: Leopold Pape, Tim Ellrich, Marco Schnebel, Volker Armbruster
Montage: Tobias Wilhelmer
Produktion: Filmakademie Baden-Württemberg, Coronado Film
Kontakt: pape@coronado-film.com

RIFT FINFINNEE

Wie viele afrikanische Metropolen wächst die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba rasant. Die Oromo-Bauern der Umgebung nennen sie Finfinnee und nur ein Teil des Great Rift Valley trennt ihr verbliebenes Land noch von der Stadt. Immer mehr Bauern geben auf und wechseln als Tagelöhner in die Stadt. Und damit in das Stammesgebiet der urbanen Amhara, was zusätzliche Konflikte bewirkt.

Der Film beginnt mit einer langen Einstellung der Riftlandschaft, ein schmaler Steg führt durch das Tal, beständig genutzt von Passanten in beide Richtungen. Es ist der Ort der Passage zwischen den Welten. Noch verborgen liegt hinter der Anhöhe die Stadt, die im Weiteren gezeigt wird. Baustellen, endlose Neubaublöcke, schon wieder verfallende Stadtteile, ein Eselkarren trabt eine breite Einfallstraße lang, am Rand Straßenhändler. Ein Acker, umringt von Neubauten, wird tatsächlich noch bestellt und prägt sich als Sinnbild ein. Dazu montiert Daniel Kötter im OFF Tonaufnahmen von Gesprächen mit Menschen, die er gesprochen oder denen er gelauscht hat, eine Lokalisierung bleibt unklar. Sie kreisen um alles, was mit dem Wandel dieser Region zu tun hat, bezeugen die tiefen Einschnitte in Lebensweisen, die die Urbanisierung zur Folge hat.

DEFA Award @ DOK Leipzig 2020

Daniel Kötter, geb. 1975, lebt in Berlin. Er ist ein Filmemacher, Videokünstler und Musiktheater-Regisseur, der in verschiedenen Medien und interdisziplinär arbeitet. Seine Filme verbinden dokumentarische Beobachtung mit strukturellen Konzepten und Montage. Oft sind die Werke in Kontexten der Bildenden Kunst oder des Theaters angesiedelt. 2008-11 arbeitet eer mehrfach mit dem Komponisten Hannes Seidl zusammen an Videoperformances und der Mehrkanal-Trilogie „Arbeit und Freizeit“ . Mit der Bühnenbildnerin Constanze Fischbeck entstanden Projekte über soziale Bedingungen des Performativen („state theatre“, 2009-14), danach die Musiktheater-Trilogie „Ökonomien des Handelns: KREDIT, RECHT, LIEBE“ (2013-16). 2014-18 erarbeitete er gemeinsam mit dem Kurator Jochen Becker (metroZones) das umfangreiche Web-, Ausstellungs- und Filmprojekt „Chinafrika. Under Construction“ über die wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen China und Afrika. Seine langen Dokumentarfilme sind HASHTI TEHERAN (2016), DESERT VIEW (2018), YU GONG (2019)

Regie, Kamera, Montage: Daniel Kötter
Ton: Marcin Lenarczyk
Musik: Getatchew Merkuria
Produktion: Meike Martens
Verleih: Arsenal Filmverleih, Berlin

A DAY’S WORK

Eröffnungsprogramm

Mit totalen Ansichten wie vom Mars beginnt diese Split-Screen-Arbeit, die gleichzeitig oder alternierend sich aus verschiedenen Perspektiven dem Boden nähert. Viele Menschen bauen in mühsamster Handarbeit eine Landstraße - wir sind in Myanmar. Frauen klopfen Steine klein, tragen sie zum aktuellen Bauabschnitt, eine Vorarbeiterin verstreut sie gleichmäßig. Männer kochen Teer in rostigen Fässern und verteilen ihn per Gießkanne auf dem Steinbelag. Spätabends werfen die ArbeiterInnen wieder lange Schatten und aus der Vogelperspektive entsteht ein abstraktes Gemälde in rostigen Erdtönen. Ein Tag, ein kurzes Stück Weg für eine Straße, die einmal verschiedene Territorien im bürgerkriegsgebeutelten Land verbinden soll.

Max Kerkhoff, geboren in Österreich von deutsch-amerikanischen Eltern. Zunächst studierte er Ethnologie, Politik und Medienwissenschaft (MA), dann Filmschnitt an der Filmakademie Babelsberg Konrad Wolf mit Diplomabschluss. Seit 2010 realisierte er Filme, arbeitete als Editor und leitete Workshops. Seine Projekte wurden für Programme und Festivals ausgewählt. Er lebt in Berlin, wo er Mitglied im Atelierhaus Mengerzeile ist, einer selbständig verwalteten Künstlergemeinschaft. 2008 lief sein halblanger Dokumentarfilm WO LANG? BERLIN, MÄRKISCHES VIERTEL über desillusionierte Teenager weltweit auf vielen Festivals.

Regie, Montage: Max Kerkhoff
Kamera: Till Girke
Drohnenkamera: Paul Glodek
Musik: Franziska May, Isacco Chiaf
Kontakt: post@maxkerkhoff.at

 

MERRY CHRISTMAS, YIWU

Obwohl in China kein Weihnachten gefeiert wird, gibt es im ostchinesichen Yiwu über 600 Fabriken für Weihnachtsdekoration. Fast zwei Drittel aller weltweit verkauften Weihnachtsartikel werden hier hergestellt. Wie am Fließband dekorieren junge Leute aus dem ganzen Land jahrein, jahraus Weihnachtskugeln, sprühen Glitter auf die seltsamsten Dekoartikel oder staffieren Weihnachtsmänner mit Polsterwatte aus. Wer hier arbeitet, verdient vergleichsweise gut, wird vom Betrieb rundum versorgt und die KollegInnen ersetzen die Familie fern von daheim. Hier scheint ein chinesischer Traum wahr zu werden, der die Hoffnung schürt, sich vielleicht sogar irgendwann selbständig machen zu können.

Ohne Wertung folgt die Kamera den jungen ArbeiterInnen in dieser künstlich, surrealen Welt; nur der Betrachter fragt sich, wie lange - oder ob - wir uns diesen Wunsch nach massenhaftem kurzweiligem Vergnügen zu Weihnachten noch leisten können.

Mladen Kovačević, geb. 1979 in Serbien. Er studierte Spielfilmregie in Belgrad, London und Kapstadt, widmete sich später jedoch dem Dokumentarfilm. Seine Filme erzielten mehrfach Auszeichnungen auf internationalen Festivals. UNPLUGGED (2013) behandelt die serbische Tradition des Musizierens mit Blättern. WALL OF DEATH, AND ALL THAT (2016) porträtiert das Nomadenleben einer Motorrad-Artistin. Das essayistische Bergsteigerporträt 4 YEARS IN 10 MINUTES (2018) gewann u.a. eine Special Mention der Visions du Réel und war IDFA Best of Fests. MERRY CHRISTMAS YIWU war 2017 ein Eurodoc Projekt und wurde in Koproduktion mit Arte und dem Doha Film Institut hergestellt.

Regie: Mladen Kovačević
Kamera: Marko Milovanović
Montage: Jelena Maksimović
Musik: Olof Dreijer
Sounddesign: Patrik Strömdahl
Produktion: Horopter Film Production
Verleih: Hanne Biermann info@deckert-distribution.com

SHEDDING SKIN IN LATE JUNE

Alia Reslan verlässt in wenigen Tagen ihre Wahlheimat Münster, und reist zur Hochzeit ihres Vaters im Libanon. Über zu packenden Koffern entfaltet sich zwischen ihr und der befreundeten libanesischen Filmschaffenden Sabah Jalloul ein ungezwungenes Gespräch über das Coming Out, neu gewonnene Freiheit und die Angst davor, nicht akzeptiert zu werden.
SHEDDING SKIN IN LATE JUNE entstand in nur drei Tagen und schafft es dennoch, lebendig zu vermitteln, was die Rückkehr in die kleine Welt des Heimatdorfes für Alia bedeutet: Unsicherheiten, Aufregung, Selbstpositionierung. Eindrücklich ist Alias Leichtigkeit, mit der sie sich durch kleine, provokative Schritte von einengenden Erwartungen befreit und zu ihrer eigenen Identität steht.

Regie, Buch, Kamera, Monatge: Sabah Jalloul
Kontakt: sabhjalloul@gmail.com

Strangers

Vier Fremde - gleicher Raum, gleiches Gewand, gleiche Stadt.
In dieser filmischen Versuchsanordnung begegnen sich vier Menschen, die in der indischen Stadt Kolkata völlig unterschiedliche Leben führen: Ein älterer Muslim, ein in Geldnot lebender Hindu aus der höchsten Kaste, ein Drogendealer und eine liberale Studentin. Der schwarze Raum ihrer Zusammenkunft wirkt wie ein Versuchslabor und ist das ordnende Element des Films. Ihm gegenüber stehen die Szenen, in denen wir die Protagonist*innen in ihrem individuellen Alltag begleiten.
Wer sind wir? Was teilen wir? Was wissen wir voneinander? Ein Experiment über Identität und Gesellschaft.