BOSNIA HOTEL

Die Alten stehen im Halbkreis. Vor ihnen sitzen die jungen Männer. Der Älteste gibt das Zeichen: laßt uns die Jungen segnen. Engai möge Frieden bringen. Nun sind sie erwachsen, sind Samburu-Krieger. Eine Zeremonie in einem Dorf im Norden Kenias. Auch ein Steinhaus steht im Dorf, eine Bar, die ‘Bosnia Hotel’ heißt. Fünf Krieger aus diesem Dorf dienten als Soldaten in der UNO-Friedenstruppe in Bosnien. Sie sahen das erste Mal zerstörte Häuser und viele Tote, sie sahen Schnee und Waffen, die sie nicht kannten: »Das einzige, das ich über Bosnien sagen kann ist, daß sie dort alle weiß sind. Sie sprechen eine gemeinsame Sprache, haben die gleichen Traditionen und sind alle weiß, die Serben, die Kroaten, die Bosnier. Sie sollten aufhören, zu kämpfen und Frieden schließen.«

Thomas Balmès, geboren 1969, realisiert Filme seit 1994: Jefferson in Paris (1994); Chilipangi (1995); Faire un film pour moi c’est vivre (1996); BOSNIA HOTEL.

Waiting for Jesus, the Gospel according to the Papuans

Es ist nicht allzu lange her, dass verschiedene Stämme, die im Dschungel von Papua-Neuguinea leben, ersten Kontakt mit dem ‘weißen Mann’ hatten. Seit den 50er Jahren drangen über 100 Vertreter von verschiedenen Glaubensrichtungen ins Land ein, um die einheimische Bevölkerung zum christlichen Glauben zu bekehren. Obwohl zahllose Papua-Neuguineer Christen wurden, gab es bis vor kurzem viele, die sich weigerten, ihren alten Lebensstil und ihre Sitten, wie beispielsweise Polygamie und Stammeskriege, aufzugeben. Ghini ist das anerkannte Oberhaupt der Hulis, einer von siebenhundert Stämmen Papua-Neuguineas. Er ist das älteste Mitglied des Stammes und er erinnert sich noch lebhaft, wie die Weißen mit ihren absonderlichen Flugmaschinen herunterkamen. Erst vor kurzer Zeit wurde sein Leben und das seines Stammes einem starken Wandel unterworfen – um es ihrem Oberhaupt gleichzutun, ließen sich alle Stammesmitglieder taufen. Ein wichtiger Grund für diese Sinnesänderung ergab sich aus der Ankündigung der Missionare, dass Jesus im Jahr 2000 auf die Erde zurückkehren würde, um das Jüngste Gericht abzuhalten. Auch wenn dies nun nicht stattgefunden hat, lösen sich alte Machtstrukturen zunehmend auf. Die ehemaligen männlichen Autoritäten müssen sich der Herausforderung demokratischer Macht in Gestalt eines weiblichen Bürgermeisters stellen.

Thomas Balmès, geb. 1969, studierte Film am ISEC. 1992 Gründung der Produktionsgesellschaft TBC Production. Seine Filme thematisieren die Hegemonie der westlichen Kultur, Religion und Werte. Filme u.a.: FAIRE UN FILM POUR MOI C’EST VIVRE (1995); BOSNIA HOTEL (1996); MAHARAJAH BURGER. MAD COWS, HOY COWS (1997).

A DECENT FACTORY

In einer zunehmend globalisierten Weltwirtschaft setzen immer mehr Unternehmen auf Outsourcing und verlagern ihre Produktion in Billiglohnländer, in denen die Arbeitnehmerrechte weniger geschützt sind. Manche Manager sind allerdings bemüht, Gewinnorientierung und gesellschaftliche Verantwortung miteinander zu vereinbaren, ob nun aus einem eigenen moralischen Bewusstsein heraus oder weil sie den Wertvorstellungen ihrer Investoren und Aktionäre Rechnung tragen müssen.

A DECENT FACTORY stellt ein Projekt vor, in dem man diesen Anspruch umzusetzen versucht. Der finnische Elektronikkonzern Nokia schickt ein Team los, das von zwei Beratern für Unternehmensethik geleitet wird und die Arbeitsbedingungen in einer chinesischen Zulieferfabrik für Nokia prüfen soll. Der Filmemacher Thomas Balmès, der drei Jahre lang zu dem Themenkomplex recherchiert hat, begleitet das Team auf seiner Inspektionsreise. Der Film zeichnet detailliert und fesselnd die Recherchen nach, die das Team, mit Unterstützung der europäischen und chinesischen Betriebsleitung, in der Fabrik anstellt, indem es Arbeitsbedingungen, Sicherheitsvorkehrungen, die Lohnbuchhaltung und mögliche Umweltrisiken unter die Lupe nimmt. Zur Inspektion gehören auch Interviews mit der Betriebsleitung und mit einigen der jungen chinesischen Arbeitnehmerinnen, die auf dem Fabrikgelände in Gruppenunterkünften wohnen. Der Abschlußbericht an die Leitung von Nokia führt zahlreiche Punkte auf, in denen die Fabrik sogar gegen die vergleichsweise laxen chinesischen Gesetze bezüglich Mindestlöhnen und Arbeitsbedingungen verstößt, und stellt Nokia vor ein Dilemma, dem sich heute eine wachsende Zahl westlicher Unternehmen gegenübersieht: Wie ist es möglich, Profitstreben und gesellschaftliche Verantwortung miteinander in Einklang zu bringen?

Thomas Balmès, 1969 in Paris geboren. Ein Schwerpunkt seines Schaffens liegt in der Beschäftigung mit der Hegemonie von Kultur, Religion und Werten des Westens. Filme: BOSNIA HOTEL (1996); MAHARAJA BURGER (1997); THE GOSPEL ACCORDING TO THE PAPUANS (1999); WAITING FOR JESUS (2000); CHRIST COMES TO THE PAPUANS (2001); A DECENT FACTORY (2004).