Ethnologin, Anthropologin, Filmemacherin und Buchautorin

Im Januar letzten Jahres haben wir unsere langjährige Mitarbeiterin Barbara Lüem für immer verloren. Ihr tödlicher Unfall hat eine Lücke in unserem Team hinterlassen, die niemand zu füllen vermag.

Barbara hat das Filmforum seit seiner zweiten Auflage 1987 begleitet: als sachkundige Ethnologin, als Filmbegeisterte, als Freundin. Barbara war unsere visuelle Anthropologin. Sie hat die Aufmerksamkeit immer wieder auf das Thema Ethnographie gelenkt, ohne dabei Filmgeschichte und Ästhetik zu vernachlässigen.

Barbaras Alltag war stark geprägt durch ihre gelebte Wissenschaft. Sie forschte im Feld, sei es als Marktfrau in Basel, sei es auf der Suche nach der Heiligen Barbara (sic!) unter den Bergwerkern des Gotthard-Tunnels oder als Mitglied des Schweizer Seemanns-Chors Störtebekers in Basel. Mit ihrem weit über die Schweiz hinaus bekannt gewordenen Buch „Heimathafen Basel“ (2003) hat sie eindrucksvoll die Geschichte und die Kultur der Schweizer Rhein- und Hochseeschifffahrt dokumentiert.

Ihre Reisen führten sie regelmäßig nach Tuvalu, einer Insel im Pazifik. Die Sensibilität, mit der Barbara dort ihre ethnologischen Forschungen betrieb, ist auch daraus zu erschließen, dass sie von einer einheimischen Familie adoptiert wurde. Das Meer und deren Küsten übten wohl immer eine Faszination auf sie aus. In einer Filmreihe, die wir vor 10 Jahren gemeinsam konzipierten, machten wir die Küsten und Meere zum Thema. In der Einleitung schrieb Barbara: „Das Meer, die See, der Ozean, was wären sie ohne die Küsten, die Klippen und Gestade. Da stoßen sie an Grenzen, von hier erschließt sich ihre Unendlichkeit.“

Was liegt näher, als Barbara im diesjährigen Festival mit einem Film zu ehren, den sie auch nach 10 Jahren sicher gern noch einmal gesehen hätte. Es handelt sich um Johan van der Keukens Film DER FLACHE DSCHUNGEL, ein Film, der - so unser damaliger Titel des Programmschwerpunkts - „weder nur Wasser noch ganz Land“ zeigt.

Mit dem Filmprogramm der letzten 20 Jahre vor Augen und ihren Geschichten dazu im Ohr, nehmen wir Abschied von Barbara. Wir danken ihr von ganzem Herzen für ihr Engagement und wünschen uns - wohl im Namen vieler Gäste aus aller Welt - dass das freiburger film forum und Barbara Lüem auf immer eng miteinander verknüpft bleiben.

Neriman Bayram, Werner Kobe, Mike Schlömer und das Team des Kommunalen Kinos