DIE TINDIGA

Ludwig Kohl-Larsen
Deutschland 1941 | 42 Min. | 16 mm, Video

EIN JÄGER- UND SAMMLERVOLK IM ABFLUSSLOSEN GEBIET DEUTSCHOSTAFRIKAS

Aufnahmen der »Deutschen Afrikaexpeditionen 1934-1936 und 1937-1939 unter Leitung von Dr. Ludwig Kohl-Larsen« zu den Jägern und Sammlern der Hadzabe nach Tanganyika. Sie wurden 1941 zu fünf Hochschulfilmen der »Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht« (RfdU) verarbeitet: Die Landschaft und ihre Bewohner; Die Tindiga als Sammler; Die Tindiga als Jäger; Feuerbereitung und handwerkliche Fähigkeiten; Spiele und Tänze.

Kohl-Larsen übernahm in seinen Expeditionsberichten und in den Titeln seiner Filme den Spottnahmen der Wildbeuter, bei dem die benachbarten ostafrikanischen Völker sie nannten: »Tindiga – die laufen« – weil sie so scheu waren und davon rannten, sobald sie andere Menschen sahen. Die Jäger und Sammler selbst nennen sich Hadzabe – das heißt: wir Menschen. »Ich wollte alle Völker des abflußlosen Gebietes Ostafrikas besuchen und sie völkerkundlich und womöglich sprachlich erforschen«, notierte Kohl-Larsen damals in sein AfrikaTagebuch. Die Filmaufnahmen sowie archäologische und ethnologische Stücke der Sammlung befinden sich im Kohl-Larsen-Archiv der Universität Tübingen.

Ludwig Kohl (18841969) studiert zunächst Medizin und arbeitet in München und Wiesbaden. Bei einer Antarktis-Expedition lernt er seine spätere norwegische Frau Margit Larsen (1891-1990) kennen. Nach der Heirat nennen sich beide Kohl-Larsen. Es folgen Expeditionen nach Mesopotamien und in die Südsee. 19161918 arbeitet Kohl-Larsen als Militärarzt im Irak, in Persien und in der Türkei. Nach einer Tätigkeit als Regierungsarzt in Norwegen folgen weitere Expeditionen in die Antarktis und zum Nordpol. Die Kohl-Larsens ziehen 1926 nach Deutschland. 1931 wird Kohl-Larsen Mitglied der NSDAP. 1932 zieht die Familie nach Tansania, um dort eine Kaffeefarm zu bewirtschaften. In den nächsten Jahren folgen mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zwei Forschungsreisen in das HadzapiLand am EyasiSee. 1939 Rückkehr nach Deutschland. KohlLarsen wird Professor für Völkerkunde an der Universität Tübingen. 1941 bis 1944 Einberufung als Sanitätsoffizier. Nach der Einstufung als »Mitläufer« im Entnazifizierungsverfahren verliert er seine Professur, arbeitet aber ab 1949 wieder an der Sichtung und Aufarbeitung seiner afrikanischen Sammlungen und der Einrichtung eines »Afrika-Saales« am Institut für Frühgeschichte in Tübingen.