SHOWER POWER

Fünf Jahre lang kämpft die Bürgerinitiative DoucheFLUX dafür, ein Gebäude zu finden, zu finanzieren und zu sanieren, wo die am meisten Benachteiligten der Stadt sich duschen und wo sie ärztliche Hilfe bekommen können; kurz: wo ihnen ihre Würde zurückgegeben wird. Konfrontiert mit der politischen Realität der Stadt, entwickelt sich ihr Unterfangen zu einem wahren Thriller. Das Selbstbildnis der Stadtoberen will nicht, dass die Armut in der Bevölkerung im Alltag sichtbar wird. Zum Ende aber obsiegt die Zivilcourage über Brüsseler Bürokratie und Phantasie über politische Blockaden.

Effi Weiss, geb. 1971, Amir Borenstein, geb. 1969, beide in Israel. Nach einem Kunststudium in Jerusalem machen sie 2004 ihr MFA am Sandberg Institut, Amsterdam. Seit 1998 arbeitet das Künstlerduo interdisziplinär mit Video, Foto, Installation, Performance und oftmals partizipativen Projekten. Nach DEUX FOIS LE MEME FLEUVE (2013), ist SOUS LA DOUCHE, LE CIEL ihr zweiter langer Dokumentarfilm. Es folgte inzwischen die Doku-Fiction CHANCE (2020). www.effiandamir.net

Buch, Regie, Kamera: Effi Weiss, Amir Borenstein
Montage: Simon Arazi, Effi & Amir
Ton: Fabrice Osinski
Produktion: Centre Vidéo de Bruxelles (CVB), La chose à trois jambes
Verleih: Philippe Cotte, CVB philippe.cotte@cvb.be

MERRY CHRISTMAS, YIWU

Obwohl in China kein Weihnachten gefeiert wird, gibt es im ostchinesichen Yiwu über 600 Fabriken für Weihnachtsdekoration. Fast zwei Drittel aller weltweit verkauften Weihnachtsartikel werden hier hergestellt. Wie am Fließband dekorieren junge Leute aus dem ganzen Land jahrein, jahraus Weihnachtskugeln, sprühen Glitter auf die seltsamsten Dekoartikel oder staffieren Weihnachtsmänner mit Polsterwatte aus. Wer hier arbeitet, verdient vergleichsweise gut, wird vom Betrieb rundum versorgt und die KollegInnen ersetzen die Familie fern von daheim. Hier scheint ein chinesischer Traum wahr zu werden, der die Hoffnung schürt, sich vielleicht sogar irgendwann selbständig machen zu können.

Ohne Wertung folgt die Kamera den jungen ArbeiterInnen in dieser künstlich, surrealen Welt; nur der Betrachter fragt sich, wie lange - oder ob - wir uns diesen Wunsch nach massenhaftem kurzweiligem Vergnügen zu Weihnachten noch leisten können.

Mladen Kovačević, geb. 1979 in Serbien. Er studierte Spielfilmregie in Belgrad, London und Kapstadt, widmete sich später jedoch dem Dokumentarfilm. Seine Filme erzielten mehrfach Auszeichnungen auf internationalen Festivals. UNPLUGGED (2013) behandelt die serbische Tradition des Musizierens mit Blättern. WALL OF DEATH, AND ALL THAT (2016) porträtiert das Nomadenleben einer Motorrad-Artistin. Das essayistische Bergsteigerporträt 4 YEARS IN 10 MINUTES (2018) gewann u.a. eine Special Mention der Visions du Réel und war IDFA Best of Fests. MERRY CHRISTMAS YIWU war 2017 ein Eurodoc Projekt und wurde in Koproduktion mit Arte und dem Doha Film Institut hergestellt.

Regie: Mladen Kovačević
Kamera: Marko Milovanović
Montage: Jelena Maksimović
Musik: Olof Dreijer
Sounddesign: Patrik Strömdahl
Produktion: Horopter Film Production
Verleih: Hanne Biermann info@deckert-distribution.com

Faire-Part

Am Vorabend der verschobenen Wahlen arbeiten zwei kongolesische und zwei belgische Filmemacher an einem Film über die kongolesische Hauptstadt Kinshasa und deren Widerstand gegen das koloniale Erbe. Die vier Filmemacher wollen zusammen eine Geschichte erzählen, aber, aufgewachsen auf verschiedenen Seiten der Geschichte, haben sie unterschiedliche Ansichten darüber, wie sie sie erzählen wollen. Wie soll die Geschichte aussehen? Wer sollte Teil der Geschichte sein? Für wen soll die Geschichte erzählt werden?

I am Golden Karen

Manche sagen der Kampf der Minderheit Karen gegen die Regierung in Myanmar sei der älteste andauernde Krieg unserer Zeit. Seit der Unabhängigkeit des Landes 1948 brachte der Bürgerkrieg in Myanmar mehr als 400.000 Karen dazu, zu fliehen – viele davon ins benachbarte Thailand, wo sie als Bürger zweiter Klasse leben und alltäglich um die nötigen Dokumente und ihre Gleichbehandlung kämpfen müssen. I AM GOLDEN KAREN erzählt die Geschichte von Thawaa, einem jungen Karen-Hip-Hop-Musiker. Thawaa ist Teil einer Generation von Karen, die in Thailand aufwachsen und doch den Wunsch in sich tragen, in „ihr“ Karenland zurückzukehren. Wir folgen ihm, während er immer wieder neu seine Identität(en) aushandelt – als junger Migrant in Bangkok sowie als werdender Vater, konfrontiert mit der Frage von Verantwortung gegenüber seiner Familie und „seinem“ Karenland.

Fatwa

Brahim Nadhour, ein Tunesier, der seit der Trennung von seiner Frau in Frankreich lebt, kehrt nach Tunis zurück, um seinen bei einem Motorradunfall tödlich verunglückten Sohn zu begraben. Er entdeckt, dass der junge Marouane in einer radikal-islamistischen Gruppe aktiv war. Brahim beschließt, die Gründe für seine Radikalisierung herauszufinden und die Menschen zu identifizieren, die ihn indoktriniert haben. Im Verlauf der Recherchen beginnt er, an den Umständen seines Todes zu zweifeln.
Brahims Nachforschungen verdichten sich zu einer Bestandsaufnahme der heutigen tunesischen Gesellschaft. In seinem früheren Viertel trifft er auf viele liberal gesinnte Menschen, die dennoch nur vorsichtig Auskünfte geben, offensichtlich aus Angst vor Verfolgung. Seine Ex-Frau, eine säkular eingestellte Intellektuelle und angesehene Autorin, muss bei öffentlichen Auftritten mit Anschlägen rechnen. Der Film nutzt geschickt die Form des Detektivfilms, wurde sorgfältig mit großer Authentizität inszeniert und z.T. mit Laien besetzt. Man spürt eine Verwandtschaft zu den Filmen der Gebrüder Dardenne, die den Film mitproduzierten.

SUR LE TRACES DU RENARD PALE

Der Film erzählt das intellektuelle Abenteuer des Lebens von Marcel Griaule, dem eigentlichen Begründer ethnographischer Feldforschung in Frankreich, der seine wissenschaftliche Tätigkeit den Dogon zuwandte, seit er sie 1931 zum ersten mal kennenlernte. Griaule machte die Welt mit den außerordentlich komplexen Vorstellungen der Dogon bekannt, die die Ansichten vom ‘primitiven’ Afrika ad absurdum führten. Als er 1956 in Paris starb, erwiesen ihm die Dogon eine außergewöhnliche Ehre: Sie hielten für ihn in Sanga traditionelle Begräbnisfeierlichkeiten ab und bestatteten eine Puppe. Nach dieser Beschwörung der Vergangenheit wendet sich der Film den fortlaufenden wissenschaftlichen Forschungen im Dogongebiet zu. Seit 1937 war Germaine Dieterlen die engste Mitarbeiterin Griaules. Jean Rouch filmte bei den Dogon seit 1951. Wir finden beide im Januar 1983 in Sanga, wo sie einen neuen Film über den Anfang der Welt beginnen.… (M. Friedrichs et aL(Hrsg) 100 ethnographische Filme, München 1985)

MIZIKE MAMA

MIZIKE MAMA ist das Porträt von Marie Daulne, einer jungen Sängerin, deren musikalische Arbeit entscheidend von ihrer halb afrikanischen und halb westlichen Herkunft beeinflußt ist. Marie Daulnes Mutter kommt aus Zaire, während ihr Vater - den sie nie kennenlernte - Europäer ist. In ihrer Musik fügt sie Elemente pygmäischer Musik und der Mangbeta-Musik aus Zaire zusammen mit Einflüssen aus Jazz, Gospel und kubanischer Musik. Sie fügt diesen unterschiedlichen Stilarten verschiedene Stimmen in einer Kombination von Klängen und Rhythmen bei (AI Capeila).

Sie umgibt sich mit Frauen, die ‘ihr ähneln’ und, wie sie selbst, in Europa zur Schule gingen und herrlich singen können: die ‘Zap Mamas’. Ihre Musik lädt die ZuseherInnen und Hörerinnen ein, den Reichtum einer Musik kennenzulernen, die als gelungenes Beispiel einer Vermischung von (Musik)-Kulturen zu sehen ist.

ZAIRE. LE CYCLE DU SERPENT

Im Herzen Afrikas, nach 30 Jahren Unabhängigkeit und 25 Jahren Mobutu-Herrschaft - welcher Zukunft geht Zaire entgegen? Fünf Wochen lang filmte Thierry Michel die Hauptstadt Kinshasa aus jedem Blickwinkel. Das Kinshasa der Bettler, Obdachlosen und Ausgestossenen, das Kinshasa der mittelständischen Kaufleute, religiösen Würdenträger und der Militärs. Schließlich die Stadtbezirke des Volkes, wo die Opfer der Diktatur zu Grabe getragen werden. “Die Entwicklung Zaires kann in vier Perioden beschrieben werden, von denen jede für sich eine Person repräsentiert: Die erste Periode war die von Patrice Lumumba zu Beginn der Unabhängigkeit, dem Mann, der von Freiheit, Demokratie und Glück sprach. Das Blatt hat sich vollständig gewendet, das Chaos regiert heute. Dann hat sich der ‘Löwe’ eingerichtet, Tschom-be, der nur von Ordnung und von der Wiederherstellung der Ordnung sprach. Der zweiten Periode folgte eine dritte: die des ‘Leoparden’. Das ist Mobutu.

Die vierte Epoche, in der wir momentan leben, sieht das Ende des ‘Leoparden’ kommen. Es beginnt nun die ‘Periode der Schlange’. Die Schlange, das ist der Geheimdienst, das sind auch die Leute, die die Diktatur aufbauten und unterstützen. Die Schlange versucht, die Menschen auszupressen bis sie revoltieren und wieder anfangen, von Freiheit und Demokratie zu sprechen - genau das, was wir zur Zeit in Zaire tun…” (Aubert Mukendi im Film)

Mweze Ngangura: LA VIE EST BELLE

Der junge Kourou (Papa Wemba) kommt eines Tages, ohne einen Pfennig in der Tasche und ohne Freunde in Kinshasa an mit der Idee, Musiker zu werden. Er findet sich wieder als Hausangestellter bei einer neureichen zairischen Familie und er verliebt sich in Kabibi, die die zweite Frau seines Chefs wird.

Eine herrlich-naive Komödie, die mit viel Humor das Leben der zairischen Hauptstadt zeigt. Die neuen Herren kopieren das Leben der alten und verhalten sich wie die Paschas. Der Film lebt durch die Person Papa Wembas, dieses zairischen ‘Musik-Superstars’, des Erfinders des Rumba-Rocks. Die Geschichte des Films trägt durchaus biographische Züge von Papa Wemba.

La vie est belle’ ist die ironische Quintessenz der zairischen Lebensauffassung, einer Art des ‘Sich-durch-das-Leben-Schlagens’. Was auch passiert: ‘Das Leben ist schön’.

Mweze Ngangura: CHANGA CHANGA

Das Zusammentreffen und die Vermischung europäischer mitafrikanischen Kulturen - das ist das Thema von CHANGA CHANGA (was in Suaheli soviel wie ‘Mischung / Patchwork’ bedeutet). Diese Begegnung der Kulturen ist nirgends deutlicher als in der Musik, sie “bringt die Menschen zusammen”, wie es Manu Dibango zu Anfang des Films ausdrückt; einer der porträtierten schwarzen Musiker, die heute in Brüssel leben. Dibango, ein Pionnier der schwarzen Musik in Brüssel, erzählt zusammen mit seinem weißen Kollegen Vicky Down von den ersten Stunden einer schwarzen Musik in Brüssel. Der Besuch in ‘Matonge’, einem Stadtviertel Brüssels, in dem viele Schwarze aus Zaire wohnen, führt zu vielen Musikerinnen und Musikern: Viktor Lazio, Dani Klein, KhadjaNin, Zap Mama, Les Ryth’Miss, TootsThielmans, Dieudonné Kabongo, Chris Joris, Mamady Keita, Ken Ndiaye…,

Gezeigt wird die Präsenz schwarzer Musik in Brüssel, aber auch die wechselseitige Beeinflussung afrikanischer und westlicher Musik.