DIX ANS APRÈS

»Vor zehn Jahren ging ich nach Äthiopien. Die Medien berichteten über das Land wegen der Hungersnot und dem Regime des Diktators Mengisto. Ich bin dort hingefahren, um einen Film über die schwarzen Juden, die man dort ‘Falaschen’ nennt, zu drehen. Sie waren arm und wurden schlecht behandelt, (…) weil sie ihr Judentum praktizierten. Israel erkannte sie dennoch erst spät als Juden an. Zwei Jahre später organisierte Israel eine gigantische Luftbrücke, geradezu großen Spionageromanen würdig: die Operation Moses. (…) Zehn Jahre später ging ich auf der Suche nach denen, die ich in Äthiopien getroffen hatte, in die Containersiedlungen der Vororte Tel Avivs. Dank der Fotos aus meinem ersten Film fand ich sie wieder, einen nach dem anderen. Sie erzählten mir von ihren Schwierigkeiten, sich in das Land, wo »Milch und Honig fließt«, aber wo man vergißt die Thora zu studieren, zu integrieren. Ich sah ihre Kinder, junge schwarze Israelis, die die Geschichte ihres Volkes lernen, die des jüdischen Volkes. Zehn Jahre später ist dies eine Geschichte von Menschen, die mit ihrer Vergangenheit konfrontiert werden – mit sich selbst. Zwei Welten und zwei Gesellschaften, die nicht in der gleichen Zeit existieren (…)«
(François Margolin, 1996)