VICTOIRE TERMINUS, KINSHASA

Der Film porträtiert eine Gruppe außergewöhnlicher Frauen, die sich entschlossen haben, im Ring zu boxen. Sie wollen vorankommen in einer afrikanischen Hauptstadt, die sich gerade im Chaos der ersten demokratischen Wahlen befindet. Sommer 2006 in Kinshasa: Martini, Jeannette, Hélène und Rosette trainieren jeden Tag mit ihrem Coach Judex im alten Stadion Tata Rafael. Hier besiegte im Jahr 1974 im wohl legendärsten Kampf der Geschichte des Boxens Muhammed Ali seinen Gegner George Foreman. Im Morgengrauen kommen Tausende hierher, um zu trainieren, und politische Parteien veranstalten hier Versammlungen. Parallel zum Parlaments-und Präsidentschaftswahlkampf im Kongo versucht Judex, mit geringen finanziellen Mitteln ein Turnier für die 61 Boxerinnen zu organisieren.

VICTOIRE TERMINUS, KINSHASA ist nicht nur ein Film über den Boxsport, sondern er zeigt auch den ganzen visuellen Reichtum dieser speziellen Welt, in der alle Beteiligten permanent unter Druck stehen. Wir wollten ihren täglichen Lebenskampf genauso intensiv beschreiben, wie die Kämpfe im Boxring. Unsere jungen Protagonistinnen haben kein feministisches Bewusstsein, aber sie wehren sich instinktiv gegen die Rolle, die die Gesellschaft für sie vorgesehen hat. Zu ihren besten Charaktereigenschaften gehören ihre Willenskraft und ihre Fähigkeit, niemals aufzugeben.“ (Renaud Barret & Florent de la Tullaye)

Renaud Barret, geboren am 2. April 1970 in Neuilly-sur-Seine (Frankreich), ist neben der Filmarbeit auch als Designer und Fotograf tätig.
Florent de la Tullaye, geboren am 31. Juli 1971 in Latronche (Frankreich), begann seine Karriere als professioneller Fotograf. Gemeinsam produzieren die beiden Filmemacher seit 2003 Musik-CDs mit jungen Talenten in Kinshasa. 2006 haben sie die erste Platte der Band ‘Okwess International‘ veröffentlicht und den Schnitt eines Musikdokumentarfilms über Staff Benda Bilili, eine Band behinderter Musiker, besorgt. Außerdem haben sie diverse Auftragsarbeiten über den afrikanischen Kontinent für die Arte-Sendung Tracks produziert.
Filme (gemeinsame Regie) 2006: JUPITER‘S DANCE (Dokumentarfilm, 80 Min.). 2008: VICTOIRE TERMINUS, KINSHASA.

UNDER CONSTRUCTION

Jede Generation muss ihre eigene Stadt bauen”, jubelten italienische Futuristen um 1910. In Europa verschwanden ihre Ideen während des ersten Weltkrieges, aber in Shanghai werden sie noch heute umgesetzt -jeden Tag. Alte Wohnviertel werden zwischen immer höheren Wolkenkratzern eingeklemmt und sobald man sie nicht mehr sieht, abgerissen. Jedes Jahr werden hunderttausende Bewohner gezwungen, den Abrissbirnen und Hochhauskränen der Grundstücksmakler Platz zu machen. UNDER CONSTRUCTION montiert digital bearbeitete Fotos mit dokumentarischem Videomaterial. In einer Fließbewegung schweben wir durch Fenster und über Mauern und wir schauen in das trostlose Leben der letzten Bewohner des abgerissenen alten Shanghai. Die Hochhäuser werden zu stummen Zeugen für eine Zeit, die für immer verschwand.

Zhenchen Liu, geboren 1976 in Shanghai, Studium am Fine Art College of Shanghai University, Chelsea College of Art and Design, London, und LeFresnoy. Er arbeitet über Stadtentwicklung, Modernisierung und die ökonomische Entwicklung in China. Zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Filme: SHANGHAI EXPRESS (2005), FOUR DAYS AFTER THE CHINESE NEW YEAR’S EVE (2005), SHANGHAI, SHANGHAI (2006), EIFFEL TOUR FOR YOU (2006), UNDER CONSTRUCTION (2007).

TRACES, WOMEN’S IMPRINTS

Im Mittelpunkt des Dokumentarfilms von Katy Léna Ndiaye stehen die Frauen: Drei Großmütter aus dem afrikanischen Stamm der Kassena, die eine Enkelin in die traditionelle Kunst der Wandmalerei einführen. Sie soll die überlieferte Technik der Farbherstellung und die Strukturen der Ornamente weiter tragen. Die Wandmalereien der Kassenas-Frauen sind für die Schönheit ihrer Muster und die Harmonie der Farben weit über Burkina Faso hinaus berühmt. Ndiaye lässt in ihrem Film Tradition und Moderne aufeinander treffen. Die Enkelin zum Beispiel hat wenig Zeit, die alte Tradition zu erlernen, denn sie spielt lieber Fußball und hat – im Gegensatz zu ihren Großmüttern – die Schule besucht. Die Großmütter hingegen sind an der Seite ihrer Mütter aufgewachsen und wurden eines Tages verheiratet. Sie erzählen von ihren Familien und von den Geschichten, die den bunten Motiven an ihren Häuserwänden zugrunde liegen. Nach und nach entstehen im Film die Wandmalereien, durch die die alten Frauen ihre Spuren hinterlassen. Doch sie wissen, dass in Afrika eine andere Zeit angebrochen ist: “Diese Arbeiten machen wir nur für dich [die Filmemacherin] und für unsere Enkelin Aretina. Wir sind froh, dass wir in renovierten Häusern leben!” So wird der Film selbst zum Medium, der für einen Moment die Tradition erhält. Feinfühlig und mit brillant fotografierten Bildern zeigt Katy Léna Ndiaye die Kunstfertigkeit dieser Frauen und ihr Bemühen, diese an die nächste Generation weiterzugeben.

THE DAMNED OF THE SEA

Essaouira - ehemals Mogador – war einst der größte Fischereihafen für Sardinen weltweit. Heute ist dort der Fisch aus dem Meer verschwunden. Tausende marokkanische Fischer aus Essaouira, Safi und Agadir sind gezwungen in den Süden der West-Sahara nach Dakhla zu ziehen, in der Hoffnung dort noch Fisch zu finden. Aber auch vor der Küste Dakhlas warten schon die Trawler, die unter fremder Flagge mit ihren Schleppnetzen und Hightechausrüstung das Meer leer fischen und das Ökosystem völlig zerstören. Während die Regierung die Fanglizenzen ans Ausland verkauft, ist es den einheimischen Fischern nur noch zu bestimmten Zeiten erlaubt, aufs Meer zu fahren. Dazwischen müssen sie zusehen, wie ihre Lebensgrundlage verschwindet.

Jawad Rhalib zeigt beide Seiten dieser Geschichte. In eindrücklichen Bildern schildert er 63 die Folgen, die der magere Fang auf die Bevölkerung Dakhlas mit sich bringt: der sinkende Umsatz der Geschäftsleute und die Not der Armen. Auf der anderen Seite zeigt THE DAMNED OF THE SEA die Situation an Bord eines schwedischen Fangschiffes. Kapitän und Mannschaft müssen unter enormem Produktionsdruck Hochleistungserträge einfahren, um im Preiskampf der europäischen Fischindustrie konkurrieren zu können.

Filmografie siehe: EL EJIDO -THE LAW OF PROFIT

SONBOL

Warum findest du eigentlich keinen Mann?“ wird Sonbol von ihrer Mutter gefragt. Die Antwort ist schweigen. Sonbol Fatemi ist 35 Jahre alt. Sie ist Single. Sie hat ihre eigene Zahnarztpraxis und nebenbei fährt sie Autorallyes, am liebsten gegen Männer. Sonbol lebt in der heiligen Stadt Mashad in der Islamischen Republik Iran. Für das Leben, das sie führt, muss sie kämpfen; jeden Tag. Gegen ihre Mutter, die sie verheiraten will, gegen die Sportfunktionäre, die den Frauen die Teilnahme an den Rallyes verbieten wollen und nicht zuletzt gegen ihre eigenen Zweifel, ob Gott auf ihrer Seite steht. SONBOL ist das Portrait einer Frau, die sie selbst bleiben will und dafür einen hohen Preis zahlt. Der Einblick in eine höchst widersprüchliche Gesellschaft. Die Rallye durch ein Leben.

Niko Apel, Dokumentarfilmstudium an der Filmakademie Baden-Württemberg, Filme: GENOVA CITTÀ APERTA (2001), IF DOGS RUN FREE…(2002), PRIME TIME (2003), GÜLAY (2004) PAKE (2005), SONBOL (2007) ist sein Abschlussfilm, für den er 2008 den „First Steps Award“ erhielt.

SALT OF THE SEA

Die 28-jährige Soraya reist von Brooklyn, wo sie aufgewachsen ist, zum ersten Mal in die Heimat ihrer Vorfahren, nach Palästina. Bei ihrer Ankunft ist Soraya noch voller Zuversicht, doch nach und nach wird sie von der Realität in Palästina eingeholt. Allein der Versuch in Ramallah das Geld ihrer Großeltern, die 1948 flüchten mussten, vom eingefrorenen Konto abzuheben, scheitert. Sie trifft Emad, einen jungen Palästinenser. Während Soraya davon träumt, sich in Palästina niederzulassen, möchte Emad, der nur das Leben unter der Besetzung kennt, nichts wie weg. Beide sind es leid, unter dem Zwang der Verhältnisse zu leben. Unverhofft treten Soraya und Emad eine Reise durch unbekannte Landstriche Palästinas und Israels an.

Annemarie Jacir hat bereits mit ihren Kurzfilmen Aufsehen erregt. In ihrem ersten Spielfilm SALT OF THIS SEA lädt sie uns zu einer verrückten Reise durch eine Region ein, die ihren Figuren eigentlich verschlossen wäre, weil Freiheit dort ein Fremdwort ist. Ihr Roadmovie führt uns durch Palästina und lässt uns andererseits eintauchen in die Geschichte von Jacirs Heimat.

Der Film ist atmosphärisch dicht und berührend. Wo der Welt die Worte fehlen, hat Annemarie Jacir starke Bilder zur menschlichen Sehnsucht nach Freiheit gefunden. (trigon film)

Annemarie Jacir, 1974 in Bethlehem geboren, wächst bis zu ihrem 16. Lebensjahr in Saudi Arabien auf. Ihre Ausbildung erhielt Jacir in den USA. Ihre Gedichte und Erzählungen sind in zahlreichen literarischen Zeitschriften und Anthologien erschienen. Seit 1994 ist sie im Filmbereich tätig und lebt inzwischen in Jordanien. Vom Film Comment Magazine wurde sie als eine der 25 New Faces des unabhängigen Kinos gelistet; ihre Filme wurden in Cannes, Venedig, Locarno und Berlin gezeigt.

NGAT IS DEAD

Was bedeutet es, wenn Anthropologen mit Hilfe teilnehmender Beobachtung die kulturelle Tradition anderer erforschen? Der Film folgt dem holländischen Anthropologen Ton Otto nach Papua-Neuguinea, wo er von einer Familie auf der Insel Baluan adoptiert 23 wurde. Als sein Adoptivvater stirbt, muss er an den Trauer-und Begräbniszeremonien teilnehmen, die aber, was die Form und den Inhalt betrifft, heftig unter den verschiedenen Verwandtschaftsgruppen umstritten sind. Im Laufe der Verhandlungen lernt Ton Otto, wie die Bewohner der Insel Baluan ihre Traditionen gestalten und verändern und nicht zuletzt welche Rolle er selbst dabei spielt. Der Film ist ein Bestandteil einer längeren Feldforschung, wobei die Filmarbeit in den laufenden Dialog-und Austauschprozess zwischen den Insulanern und dem Anthropologen einbezogen wurde.

Christian Suhr-Nielsen, in Dänemark geboren. Als PhD in Anthropologie am Moesgård Museum und der Universität von Århus tätig. Filme: WANT A CAMEL, YES? (2004), NGAT IS DEAD: STUDYING MORTUARY TRADITIONS (2009).

Ton Otto, 1953 in den Niederlanden geboren, arbeitet als Professor für Ethnologie an der Universität von Århus in Dänemark. Seit 1986 arbeitet er als Wissenschaftler in Papua-Neuguinea und benutzt das Medium Film schon während seiner ersten Feldaufenthalte.

KNOWLEDGE IS THE BEGINNING

Daniel Barenboim und das West-Eastern Divan Orchestra

Der Musiker Daniel Barenboim und der palästinensische Literaturwissenschaftler Edward Said verfolgen zusammen die Utopie eines friedlichen Miteinanders im Nahen Osten. Sie gründeten 1999 das West-Eastern Divan Orchestra, welches junge Musiker aus Israel, Palästina, Syrien, Ägypten, Libanon, Jordanien und Europa zusammenführt. Sieben Jahre hat Paul Smaczny dieses außergewöhnliche Orchester begleitet, von den Anfängen in Weimar bis zum triumphalen Konzert in Ramallah im Sommer 2005.

KNOWLEDGE IS THE BEGINNING ist aber nicht nur ein Musikportrait junger Idealisten, der Film zeigt auch, welchen Schwierigkeiten die Musiker ausgesetzt waren und wie die politische Realität das alltägliche Leben und Arbeiten beeinflusst hat. Nach den Probenphasen und Konzertreisen kehren die Jugendlichen in eine Welt zurück, die geprägt ist von Bombenanschlägen und militärischen Übergriffen und in der die Menschen aus den jeweils anderen Ländern meist als Feinde gelten. Die Anspannungen, die sie bei ihrer Arbeit aushalten müssen sind enorm, denn die politisch verfahrene Situation ist stets präsent und prägt die Diskussionen abseits der Proben. Aber das gemeinsame Ziel schafft eine ganz eigene Form des Dialogs jenseits aller ideologischen Grenzen.
Trotz einer Unmenge organisatorischer und politischer Hürden vollbrachte das Orchester das Unmögliche und spielte im Jahr 2005 in Palästina. Das Live-Konzert aus Ramallah zog weltweite Aufmerksamkeit auf sich, weit über die musikalische Gemeinde hinaus. Smaczny’s Film wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet.

Paul Smaczny studierte Jura, Französisch und Germanistik, Film und Theaterwissenschaft in Regensburg, Hamburg und Paris. 1986 gründet er die Theater-und Filmcompany Le Grand Nuage de Magellan. Seit 1989 arbeitet er als Filmproduzent und -regisseur. Filmauswahl: THE GRAND CONCERT (1993), WAGNER, MYTH & SAMURAI (1994), THE SILENCE THAT FOLLOWS THE MUSIC (1996), MAESTROS IN DEMOCRACY (2000), MULTIPLE IDENTITIES -ENCOUNTERS WITH DANIEL BARENBOIM (2002), EL SISTEMA (2008).

GLORIOUS EXIT

Unerwartet erreicht Jarreth Merz die Nachricht vom Tod seines nigerianischen Vaters. Die Eltern des in Los Angeles lebenden Theaterschauspielers lernten sich in Nigeria kennen. Doch schon bald kehrte die deutsche Mutter in ihre Heimat zurück und Jarreth wuchs mit seinem acht Jahre jüngeren Halbbruder Kevin in der Schweiz auf. Nur dreimal sah Jarreth seinen Vater vor dessen Tod. Dennoch verlangt die nigerianische Tradition, dass er als ältester Sohn die Beerdigung des Häuptlings organisiert. So reist Jarreth in Begleitung seines mit der Handkamera filmenden Halbbruders in das Land seiner Väter, um sich dieser verantwortungsvollen Aufgabe zu stellen. Unter der Anleitung der nigerianischen Familie lernt Jarreth nicht nur wie man einen Häuptlingsstab hält, sondern vor allem welche irdischen und überirdischen Gemüter besänftigt werden müssen, um dem Verstorbenen und den Hinterbliebenen einen würdevollen Abschied zu bereiten. Was aber, wenn der Clan der Mutter mit dem Boykott der Feierlichkeiten droht, da die Kuh, die Jarreth bezahlt hat, kein angemessenes Geschenk darstellt? Was, wenn das Begräbnis mit all seinen Riten und Regeln die Familie in den finanziellen Ruin treibt? Ein Drahtseilakt beginnt zwischen Respekt gegenüber traditionellen Riten und dem Unwillen, sich für scheinbar willkürliche Entscheidungen instrumentalisieren zu lassen.

Kevin Merz, 31, ist in Thalwil, Schweiz, aufgewachsen. Sein Vater stammt aus Ghana. Besuch der Fotoschule in Mailand. Er arbeitete in Zürich, Berlin, Ghana und Los Angeles. GLORIOUS EXIT ist sein erster langer Dokumentarfilm. Festivals: Locarno 2008, Accra (Ghana) 2008, Cinéma du réel, Paris 2008.

GANDHI’S CHILDREN

Das ‚Praya’s Children House’, architektonisch ein monolithischer Block, der äußerlich eher einem Gefängnis gleicht, inmitten eines Armenviertels von New Delhi: hier leben 350 Jungen, die einen sind von zu Hause ausgerissen, andere sind von ihren Eltern in die Metropole geschickt worden, um zum Lebensunterhalt beizutragen, wieder andere sind Waisen, die auf und von der Strasse Delhis leben. Die Hälfte der Jungen steht unter polizeilicher Aufsicht, da sie schon mit der Justiz in Konflikt gekommen sind.

Während vieler Monate folgt David MacDougall mit seiner Kamera diesen jungen Menschen, lässt sie ihren Alltag schildern und uns daran teilhaben. Dabei entstehen beeindruckende Porträts von Jungen, die trotz ihres teilweise erst kurzen Lebens, schon auf weitreichende Erfahrungen zurückgreifen können. Eines Tages werden 181 weitere Jungen eingeliefert, die allesamt aus einer wegen illegaler Kinderarbeit aufgelösten 53 Fabrik kommen.

MacDougall klagt nicht an. Er nähert sich seinen Protagonisten über die Beschreibung ihres Alltags und es wird verständlich, wie sie in diese Situation gekommen sind und welche Rolle die staatliche Institution dabei hatte. Der Film zeigt auch welche Grenzen dem Kinderheim gesetzt sind. Die Kamera bewegt sich konsequent nur im Haus, durch weite Flure, Schlafräume, Wasch-und Arbeitsräume.

David MacDougall: „Heutzutage besteht das, was wir im Fernsehen als Dokumentarfilme zu sehen bekommen, überwiegend aus Interviews und einigen anderen Einstellungen. Es ist sehr einfach, Filme zu machen, ohne zu untersuchen wie Menschen leben. Sie nur zu fragen, wie sie leben, reicht nicht aus. Diese enge Perspektive wurde meines Erachtens zu einer Art Formel des Dokumentarfilms. Zur Überwindung dieser Formel begann ich damit, nach anderen Aspekten sozialer Erfahrung zu suchen. Dabei versuche ich davon wegzukommen, alles nur mit Worten auszudrücken. Mich interessiert, wie Menschen mit ihrer Umgebung interagieren, sowohl verbal als auch nonverbal. “Soziale Ästhetik” resultiert daraus, eine Gemeinschaft als Umgebung zu betrachten, in der wir leben. Dies beinhaltet die verschiedensten Aspekte: Wie sich Menschen bewegen, wie sie ihre Gebäude bauen, welche Kleidung sie tragen, welche Rituale sie durchführen. Ich betrachte Gemeinschaften dabei als konstruierte Gesamtwerke, denen eine Autorenschaft zugrunde liegt und die historisch einem bestimmten Design folgen.“ – Auszug aus einem Interview mit David MacDougall geführt von Volker Kull (Der Kameramann 08/01).