ADDICTED TO SOLITUDE

Der dänische Filmemacher Jon Bang Carlsen fuhr nach Südafrika, um einen Film auf einer einsamen Farm zu drehen. Er wollte zeigen, wie eine weiße Familie mit der neuen Situation der Gleichheit nach der Apartheid zurechtkommt. Aber dann verlor er das Ziel aus den Augen. In der weiten, einsamen Landschaft der Karoo begegnete er zwei ganz unterschiedlichen Frauen. Beide stammen aus der weißen Gesellschaft und beide hatten große persönliche Verluste erlitten. »Es gab keinen Plot, wir haben eigentlich nur gewartet. Ich wartete darauf, dass sich mein Film entwickelte. Die jüngere Frau wartete auf ihren Mann, der ein Jahr zuvor einfach verschwunden war. Und die ältere Frau wartete auf das Ende ihrer Zeit, um zu einem Teil der Vergangenheit zu werden und bei ihrem Sohn zu sein, der ein Jahr zuvor verstorben war.«

Beiden Frauen ging es wie allen Weißen, die mit gespanntem Atem zu verstehen versuchten, was von der Vergangenheit ihres absurden, privilegierten Lebens übrig geblieben ist; jetzt, da die Demokratie eine riesige schwarze Mehrheit an die Macht katapultiert hat. »Ihre Geschichten brachten mich auf den Gedanken, dass so möglicherweise das Schicksal der Weißen aussehen könnte: Weil sie ihre Privilegien verloren, mussten sie akzeptieren, dass nun jeder in ihre Welt hereinspazierte. Am Ende aber war dies der Weg, sich selbst von der Einsamkeit zu befreien, die sie gequält hat, seit der erste Buschmann von einer europäischen Kugel getötet wurde.«

ADDICTED TO SOLITUDE ist eine Sammlung ganz persönlicher Eindrücke aus Südafrika, gesehen aus der Perspektive eines Fremden. Der Film entwickelt sich zu einer Geschichte über die Fähigkeit des Menschen, seine Einstellung anderen gegenüber auch nach vielen Jahren noch ändern zu können.

Jon Bang Carlsen, geb. 1950, studierte an der Danish Film School. Er hat mehr als dreißig Dokumentar- und Spielfilme geschrieben und realisiert, u.a.: NEXT STOP PARADISE (1980); FIRST I WANTED TO FIND THE TRUTH (1987); TIME OUT (1988); CARMEN & BABYFACE (1995); IT’S NOW OR NEVER (1996)