POSSESSION

Die Islamisierung hat in Mali schon vor Jahrhunderten begonnen und gewinnt in heutigen Tagen zunehmend an Einfluß. In den Mynyanka-Dörfern jedoch, spielen Besessenheitskulte immer noch eine gewichtige Rolle. Die Besessenen verlieren die Kontrolle über sich, fallen in Trance, und die Mächte ‘Nya’ und ‘Nankon’ sprechen durch ihre Münder.

JOURS DE FÊTES

Um Koutiala, in einem großen Baumwollanbaugebiet Malis, erinnern Festlichkeiten mit ihren Liedern und ihrer Musik an die Zeiten, als das Jagen noch eine heroische Tat war und als die Schmiede noch selbst Eisenerz abbauten. Die Feste bieten auch den Possenreißern Raum, die jeden verärgern und beleidigen dürfen, ohne dafür bestraft zu werden.

QUALITÉ DE LA MORT

Mynyanka Totenfeiern zeichnen sich durch einen stetigen Wechsel im Ausdruck von Trauer und Spott aus.

Die Trauer äußert sich im Singen pathetischer Lieder für die Toten und der Spott im Reißen derber Possen, begleitet von Tänzen in denen sich vitalste Energie entlädt.

Der Tod wird von den Mynyanka nicht negativ betrachtet. Er ist integriert in eine Kultur, die darauf basiert, daß eine Kommunikation zwischen dem Diesseits und der Welt der Ahnen und religiösen Mächte möglich ist. das Thema des Todes ist allzeit anwesend, sei es in den Spielen der Kinder oder in den Gedanken und Gesprächen der Ältesten.

LE TYI - WARA

Im Zentrum des Tyi - Wara Kults stehen die berühmten Masken der Minyanka. Die Zeremonie wird einmal im Jahr zu Beginn eines neuen Anbauzyklus abgehalten. Die religiöse Macht, die über den Ablauf des Festes wacht, wird durch zwei Maskentänzer repräsentiert, deren Körper von einem schwarz eingefärbten Pflanzenfaserkleid bedeckt sind. Auf den Köpfen thronen die pompösen hölzernen Maskenaufsätze, welche Antilopenköpfe darstellen. Ihr Tanz beschwört die Dämonen, die nach einem Mythos den Menschen den Felbau schenkten.

SECRETS D’INITIÉS

SECRETS D’INITIÉS handelt von Geheimgesellschaften in Westafrika. Die Maskengesellschaften gehören mit zu den wichtigsten Geheimbünden verschiedener Ethnien in diesem Gebiet. Dieser Film besteht aus Ausschnitten mehrerer Filme, die Jean-Paul Colleyn z.T. gemeinsam mit Catherine de Clippel zu diesem Thema gemacht hat: LES FILLES DU VAUDOU, LES DIEUX-OBJECTS und SORTIE DES MASQUES in Togo, NAITRE BIJAGO und LES VOYAGES DES ÂMES bei den Bijago in Guinea-Bissau, SOGOW bei den Bambara in Mali, LES CHEMINS DE NYA, LE TYIWARA und JOURS DE FÊTES bei den Minyanka in Mali und neuere Aufnahmen bei den Yoruba aus Nigeria. SECRETS D’INITIÉS stellt diese Filme in einen neuen Zusammenhang.

»Die verschiedenen in dem Film gezeigten Kulturen sind zwar unterschiedlich, aber sie machen gemeinsam deutlich, was ein afrikanischer Weiser folgendermassen beschrieben hat: Heilige Objekte und Masken sind weder Menschen noch Tiere, noch die Götter selbst; sie sind Geheimnisse. Sie zeigen uns zwar Bilder, aber sie zeigen auch die Unmöglichkeit, Gottheiten zu beschreiben, denn das Geheimnis verbirgt sich immer tiefer, je weiter das Wissen darum vordringt.«
(Jean-Paul Colleyn)

LA NUIT DES INDIENS PUMÉ

Seit Ende der 50er Jahre wurden die Pumé-Yaruro in dem Ort Riecito angesiedelt. Einige Beamte sind damit beauftragt, sie in das »nationale Leben zu integrieren«. Aber die kreolischen Viehzüchter sind im Besitz des Bodens. Die Pumé leben mehr schlecht als recht von ein wenig Kleinhandel und der Arbeit in den Plantagen.

Während in Europa der exotische Mythos des »reinen« amazonischen Indianers - weit weg von industrieller Umweltverschmutzung und in Symbiose mit der Natur lebend - ein ideales Bild von ihm vermittelt, integrieren die Pumé-Indianer in Venezuela durchaus Flugzeuge, Lastwagen und andere Symbole der Moderne in ihre Träume über den Jaguar und die Geister in der Natur.

Fast jede Nacht, angeleitet von den Schamanen, nehmen die Pumé Kontakt mit den Mächten »aus der anderen Welt« auf. Während ihrer nächtlichen Zeremonien, singen sie gemeinsam und machen so ihre Reisen in eine Welt, in der Tradition und Moderne eng miteinander verflochten sind.

LA BARAKA DES MARCHANDS MOURIDES

Mit ihren langen Boubous und den gestreiften Plastiktaschen gehören die fliegenden Händler aus dem Senegal zum alltäglichen Straßenbild vieler großer Metropolen. Von Dakar bis Marseille, von Antwerpen bis New York und Mailand, sind sie nomadisierende Akteure einer Händlerdiaspora. Die meisten sind Muriden, Mitglieder einer senegalesischen Sufi-Bruderschaft, die sich durch ihren strengen Glauben und eine strenge Arbeitsmoral auszeichnet. Dank der unverbrüchlichen Solidarität unter den Muriden passen sie sich problemlos weltweit an neue Situationen an.

Die Muriden sind die Anhänger einer Sufi-Bruderschaft, die sich auf den Heiligen Cheikh Amadou Bamba (1857-1927) beruft. Ende des letzten Jahrhunderts, in einer Periode der Verunsicherung im Anschluß an die französische Kolonialisierung, hatte dieser durch seinen Mut und seine Offenherzigkeit eine große Schar von Anhängern um sich geschart. Die Franzosen sahen ihn als Bedrohung an und deportierten ihn erst nach Gabun und Mauretanien und später in eine abgelegene Region Senegals. Dennoch wuchs sein Ansehen ständig. Im Glauben an die Arbeit als direkten Weg zum Heil, gründete Cheikh Amadou Bamba die Brüderschaft der Muriden und Touba, die Stadt der Heiligen. Um 1912 engagierte sich Cheikh Amadou Bamba mit seinen Anhängern im Erdnußanbau. Die Cheiks, oder Marabouts, organisierten ihre Anhänger in leistungsstarken Arbeitsgruppen. Seither hat sich die Bruderschaft der Muriden kontinuierlich weiterentwickelt, immer unter Berufung auf die Baraka, das Glück ihres Meisters Cheikh Amadou Bamba. Sie zeichnen sich durch eine strenge Arbeitsethik, eine unverbrüchliche Solidarität, sowie eine klare Hierarchie aus. Sehr schnell wurden sie zu einer tragenden Säule der nationalen Wirtschaft geworden.

In den 70er Jahren, mit dem Zusammenbruch der Erdnußpreise, der Dürre und der fortschreitenden Auslaugung der Böden, sah sich ein Teil der Muriden gezwungen in Richtung Dakar auszuwandern, wo sie schnell die Kontrolle des Marktes von Sandaga übernahmen. Von dort breitete sich die Händlerdiaspora weltweit in Richtung Nordamerika, Europa und Asien via den Persischen Golf und Hongkong aus. Die Muriden sind durch ihren Willen, zum Auf- und Ausbau der Stadt Touba – wie Cheikh Amadou Bamba dies gefordert hatte – verbunden.

Im Senegal wie im Ausland schließen sich die Muriden zu sog. Da’ira zusammen, Gruppierungen welche den religiösen Zusammenhalt, aber auch die spirituelle und finanzielle Verbindung zu den Cheikhs und zur heiligen Stadt Touba sicherstellen sollen. Die Zusammenkünfte können überall stattfinden: auf einem Dach über dem Markt von Sandaga so gut wie in einem Hotelzimmer in Marseille. Wichtige Cheikhs stehen mehreren Da’iras weltweit vor, denen sie einmal im Jahr einen Besuch abstatten.

Jean Paul Colleyn ist Anthropologe, Filmemacher und Dozent. Er studierte Ethnologie in Brüssel und Paris, hielt sich vor allem in Schwarzafrika und Südamerika auf und unterrichtet jetzt in Paris und New York. Er hat bisher über 20 Filme gedreht.

Filmauswahl: SOGOW, MASQUES BAMBARA (1982); N’KPITI, LA RANCUNE ET LE PROPHÈTE (1984); CHRONIQUE D’UNE SAISON SÈCHE (1987/88); LE VOYAGE DES AMES (1992); LA NUIT DES INDIENS PUMÈ (1994); LE CONGO REVISITÈ (1995); L’ECOLE D L’ASIE (1996)