Syrian Metal is War

Metal ist in Syrien als satanistisch gebrandmarkt und entsprechend verboten. Musiker landeten deshalb schon im Gefängnis. Doch eine eingeschworene Fangemeinde hält selbst im Krieg an ihrer Leidenschaft fest, macht Aufnahmen in Tonstudios und organisiert unter lebensgefährlichen Umständen Konzerte. Die Musik, die wie keine andere für Gewalt und Tod steht, wird hier im Syirienkrieg für die Protagonisten zum Lebenselixir.
Ein privater Blick auf den Krieg in Syrien und in eine Subkultur, die für Außenstehende oft unverstanden bleibt.

THE ONE MAN VILLAGE

Semaan El Habre, Onkel des Filmemachers, ist der einzige Bewohner des Dorfes Ain El-Halazoun. Der libanesische Bürgerkrieg zwang die Dorfbevölkerung 1982 zur Flucht und hatte die Zerstörung ihrer Häuser zur Folge. Dauerhaft zurückgekehrt ist nur Semaan, der seit fünf Jahren in einem von Ruinen umgebenen Haus lebt, allein mit seinen Tieren und seinen Erinnerungen. Die Narben sind nicht gleich zu sehen. Auf den ersten Blick wirkt das Leben in dem verlassenen Geisterdorf sogar recht idyllisch: ein verschneites Bergpanorama, eine kleine Landwirtschaft, ein zufriedener Mann, der seine Kühe liebt und immer zu einem Spaß aufgelegt ist. Erst nach und nach treten die Narben, die Spuren des Krieges, zu Tage: in der Landschaft, in der Geschichte der Großfamilie El Habre und im persönlichen Lebensweg von Semaan. In den individuellen Erzählungen scheint die Geschichte des Libanon und die Situation eines Landes zwischen Vergessen und Erinnern auf. Ein Film, in dem Schrecken und Schönheit, Schmerz und Poesie nah beieinander liegen. Eine unaufdringliche Reflexion über Heimat, die Verbundenheit mit Orten und Menschen, die Auswirkungen von Krieg sowie den Versuch, schmerzhafte Erinnerungen ins Leben zu integrieren.

Simon El Habre geboren 1975 im Libanon, 1998 Diplom in Audiovisual Directing an der Libanesischen Akademie der Schönen Künste in Beirut, 2000 Abschluss in Film-und Videoschnitt Filmhochschule FEMIS, Paris. Seit 2001 unterrichtet er Video and Visual Expression sowie Film and Video Editing an der Libanesischen Akademie der Schönen Künste. THE ONE MAN VILLAGE ist sein erster langer Dokumentarfilm.

EVERY DAY IS A HOLIDAY

Drei Frauen unterschiedlichen Alters steigen in Beirut in einen Linienbus, der sie in ein Männergefängnis im libanesischen Hinterland bringen soll. Drei Tage und sieben Stunden werde man von Beirut aus unterwegs sein, verkündet der alte Busfahrer, der einzige Mann an Bord. Die erste Frau besucht ihren Ehemann, den sie seit ihrem Hochzeitstag nicht mehr gesehen hat. Die zweite hat nur eines im Sinn: ihren Mann, der eine lange Strafe absitzt, dazu zu bringen, die Scheidungspapiere zu unterzeichnen. Danach wird sie endlich frei sein. Die dritte Frau hat Angst. Heimlich hat sie die Waffe ihres Mannes, einem Gefängniswärter, dabei, die er zu Hause vergessen hat. Eine schnurgerade Straße scheint schnell zum Ziel zu führen: vom Zentrum Beiruts zum MermelGefängnis in der Wüste. Doch bald wird die Reise kompliziert. Der Knall einer verirrten Kugel schreckt die Busreisenden aus ihrer Lethargie auf und deutet zugleich an, dass gefährliche und ungeheuerliche Dinge in diesem Land, das sich in einem nichterklärten Bürgerkrieg befindet, vorsichgehen. Gerüchte von Massakern werden laut. Flüchtlingsgruppen werden gesichtet. Die Reise der drei Frauen geht weiter… In einer linearen Erzählung, die von einzelnen Traumsequenzen unterbrochen wird, zeichnet die libanesische Regisseurin Dima ElHorr in CHAQUE JOUR EST UNE FÊTE das symbolische Bild des heutigen Libanon, einem Land, das in einem Zustand zwischen Krieg und Frieden erstarrt ist. Die drei Frauen stehen stellvertretend für eine männlich dominierte und weitgehend geschlechtergetrennte Gesellschaft. Ihr Weg durch eine in grossartigen Landschaftsaufnahmen eingefangene Wüste wird zur metaphorischen Reise zu sich selber.

Dima ElHorr ist 1972 in Beirut im Libanon geboren. Nachdem sie die Kindheit und Jugend im Bürgerkrieg verbracht hat, reist sie 1995 in die USA und studiert Film am Art Institute of Chicago. Sie unterrichtet Film an der Lebanese American University und ist Regisseurin von drei Kurzfilmen. Davon war PRÊTÀPORTER IMM ALI auf zahlreichen internationalen Filmfestivals vertreten. CHAQUE JOUR EST UNE FÊTE ist ihr erster Spielfilm.

Roundabout In My Head

Ein Schlachthaus in Algier. Youssef und sein Kumpel arbeiten hauptsächlich in der Nacht und schwärmen am liebsten von den Versprechungen der Liebe, während sie blutige Rinderhäute auf Karren laden. In präzise kadrierten und atmosphärisch dichten Einstellungen montiert Hassen Ferhani seine (wohltuend unblutigen) Bilder aus diesem Mikrokosmos der Tötungsanstalt. Rinderhälften schweben vorbei, geschäftiges Treiben. In den Pausen Gespräche über Fußball und Politik, warum ein algerisch-französischer Fußballspieler sich geweigert hat, die „Marseilleise“ zu singen, und was sie so erwarten vom Leben. „In meinem Kopf tobt ein Kreisverkehr mit tausend Ausfahrten, aber ich habe meine noch nicht gefunden“, kontempliert der junge Youssef in der titelgebenden Szene des Films.
In Youssefs Gesprächen mit Onkel Ali sickert ein Stück algerischer Geschichte in den Film. Ali wurde unter der französischen Kolonialherrschaft geboren und wuchs in der Zeit des Unabhängigkeitskrieges auf. Youssef gehört zur Generation des Arabischen Frühlings. Seine Hoffnungen auf eine bessere Zukunft liegen auf der anderen Seite des Meeres.
ROUNDABOUT IN MY HEAD ist der wahrscheinlich schönste Film, der je in einem Schlachthaus gedreht wurde.

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Hassen Ferhani geb. 1986 in Algier. Er arbeitete als Drehbuch- und Regieassistent und nahm an Workshops der FEMIS teil. ROUNDABOUT IN MY HEAD ist sein erster Langfilm, der auf zahlreichen Festivals lief und mit Preisen ausgezeichnet wurde (FID Marseille 2015 Grand Price French Competition; IDFA Special Jury Award for First Appearance; Turin Best Film for Documentary). Filme: LES BAIES D’ALGER (2006), AFRIC HOTEL (2011), TARZAN, DON QUICHOTTE ET NOUS (2013).