Beziehungen und Freundschaften zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen sind in Zeiten der Migration und der Globalisierung keine Seltenheit mehr. Je nachdem, wie groß die kulturellen Unterschiede zwischen den Partnern sind, können solche Verbindungen eine enorme intellektuelle und emotionale Herausforderung sein. Wir zeigen drei Dokumentarfilme und einen Spielfilm zu diesem Thema.

In WEDDING IN AFRICA und MA FAMILLE AFRICAINE geben ‚bi-kulturelle’ Paare mit erstaunlicher Offenheit einen Einblick in ihren Alltag und zeigen, wie sie die Grenzen ihrer eigenen kulturellen Vorstellungen jeden Tag überschreiten. Was tun, wenn die Verwandtschaft in Kamerun 400 Gäste zur Hochzeit einladen möchte, und die schweizerischen Eltern der Verbindung skeptisch gegenüberstehen? Was tun, wenn der gemeinsame Sohn heimlich beschnitten wird und in Zürich ununterbrochen Bittbriefe aus Abidjan eintreffen, weil das Geschäft mit der Vermietung von Gasflaschen nicht richtig anläuft? Bei alledem führen beide Filme aber nicht nur die Probleme einer solchen Partnerschaft vor Augen, sondern auch die in ihr liegende Chance, die gewohnte Art zu leben und zu handeln in Frage zu stellen und sich der eigenen kulturellen Normierung bewußt zu werden.

Dass die kulturellen Unterschiede innerhalb einer Familie größer sein können als zwischen verschiedenen Ländern, zeigt der Spielfilm LE GRAND VOYAGE. Der in Frankreich aufgewachsene Sohn, der kein Arabisch spricht und mit Religion nicht viel am Hut hat, muß seinen marokkanischen Vater vom französischen Aix en Provence mit dem Auto nach Mekka fahren. Eine Reise vom Okzident in den Orient, in der nicht nur geographische Grenzen überschritten werden.

Die Verschränkung kultureller und sozialer Gegensätze behandelt der Dokumentarfilm COMPADRE. Ein schwedischer Filmemacher besucht eine Mülldeponie in Peru, um eine Fotoreportage über Armut zu realisieren. Er freundet sich mit der armen Familie Barrientos und ihren vier Kindern an. “Was heißt für Dich Freundschaft und Verantwortung?” fragt der Vater den Filmemacher mit der teuren Kamera bei seiner Ankunft.

Alle Filme zeigen, wie tief das ökonomische Nord-Süd-Gefälle und die Asymmetrien zwischen hegemonialer und marginalisierter Kultur in die Beziehungen hineinwirken. Am Beispiel von COMPADRE und MA FAMILLE AFRICAINE wird deutlich, wie dies die Filmemacher selbst betrifft. Die engen Grenzen eines essentialistischen Kulturbegriffs werden überschritten.
Neriman Bayram