GRASS: A NATIONS BATTLE FOR LIFE

Das Hauptthema dieses klassischen Films ist die Frühlingswanderung der Bakthiari Nomaden des südwestlichen Irans von den Khuzistan Ebenen nahe dem Golf zu ihren Sommerquartieren hoch oben im Zagrosgebirge nahe Isfahan. Die Filmemacher (sie drehten später die Orginalfassung von King Kong) waren eigentlich auf dem Weg nach Indien, und stießen zufällig auf den Zug der Bakhtiari, da sie wegen der gespannten politischen Lage im südlichen Iran in Khuzistan festsaßen.

Sie wußten nicht das Geringste über den Stamm der Bakhtiari, weder über deren Nomadenleben - sie ziehen alljährlich in die Berge und dann wieder in die Ebene zurück -, noch über deren Bedeutung als politische Kraft im Iran. In dieser Naivität und in der vermeintlichen Sicherheit, in der sie sich zu Unrecht wägten, produzierten sie einen bemerkenswert authentischen und realistischen Dokumentarfilm - strukturiert nicht durch den Filmschnitt, sondern durch die Ereignisse selbst. Sie wußten sowenig von dem, was sie filmten, daß die Kamera nicht lügen konnte. Andererseits sind alle ihre Zwischentitel romantischer und melodramatischer Unsinn… (David Brooks)

TARAS

63 Jahre nach GRASS hat der persische Filmemacher und Ethnologe Farhad Varahram die damals dokumentierte Wanderung neu gefilmt. Ein vierköpfiges Kamerateam begleitete über einen Zeitraum von sechs Monaten die Wanderung von Dez im Norden von Khuzistan bis ins Zagrosgebirge über eine Strecke von 300 km.

BAREHA DAR BARF BEDONYA MIAYAND

Der Film zeigt den schweren Alltag der Dorfbewohner, die ihr Vieh hüten und alles daran setzen, den Winter zu überleben.

MUSIQUE DU BELOUTCHISTAN

Ein Film über die Musik der Nomaden Beloutschistans. Die Sänger und Musiker gehören der sunnitischen Glaubensrichtung des Islams an und sind Spezialisten für Exorzismus in Trance. Diese rituelle Musik schlägt den Zuhörer in ihren Bann. Yves Billon ist es gelungen, neben den Musikern faszinierende Landschaftsbilder und unaufdringliche Impressionen vom Alltag der Nomaden im Bild festzuhalten.

YAYLA

Die Nomaden der Südtürkei ziehen in die Steinwüsten des mittleren Taurus auf die Sommerweide: YAYLA.
Arbeit und Alltag scheinen nach traditionellen Gesetzen und Gewohnheiten geregelt zu sein. Archaisch schön für den außenstehenden Beobachter.

Doch die Verführungen der westlichen Kultur, im Gefolge von Tourismusindustrie und Militärhilfe, bestimmen inzwischen das Leben selbst im Taurus. Die jungen Leute werden Saisonarbeiter in den neuen Hotelanlagen an der Küste, oder industrielle Nomaden, Wanderarbeiter, die nach Mitteleuropa, nach Deutschland ziehen.

Wenn wir einen ethnographischen Film über Nomaden machen, ist das Verhältnis der Länder, der Kulturen, also der Abhängigkeit BRD/Türkei bereits enthalten. Wir wollen unseren Rohschnitt als “work in progress” vorstellen.

TINPIS RUN

TINPIS RUN ist der erste lange Spielfilm, der von einem Filmemacher aus Papua-Neuguinea realisiert wurde. Gleichzeitig, ist TINPIS RUN das Ergebnis der ersten Koproduktion zwischen Papua-Neuguinea und Frankreich. In seiner ursprünglichen Bedeutung steht Tinpis’ für ein nationales Reisgericht in Papua-Neuguinea. In der Umgangssprache des Pidgin-Englisch bezeichnet es jedoch sowohl Sardinenbüchsen wie auch Sammeltaxis.

Als Folge eines Autounfalls wird Papa, der Taxifahrer, durch die von der Versicherung ausbezahlte Summe endlich Eigentümer eines eigenen Taxis. Als Stammesoberhaupt vom Hochplateau gehörte er zur ersten Generation, die vor Jahren Kontakte mit der Außenwelt aufgenommen hatte. Nach seinem Unfall hilft ihm Naaki, ein junger Papua aus der Stadt. Als Dank dafür verspricht Papa ihm seine Tochter Joanna und schlägt ihm vor, ihn auf seinen Taxi-Fahrten als Assistent zu begleiten. Obwohl sich Joanna und Naaki dem Willen des Vaters widersetzen, verlieben sie sich ineinander.

Der Film thematisiert sowohl das Althergebrachte, orientiert an einer aussterbenden Tradition, wie auch das Neue, das sich an modernen Werten orientiert.

Der Regisseur Pengau Nengo behandelt hier nicht ohne satirisch-burleske Untertöne - sehr unterschiedliche soziale Aspekte des heutigen Papua-Neuguinea.

DIE LETZTE BEUTE

Die indianische Ethnie der Secoya - 250 Menschen - lebt im Amazonasgebiet von Ecuador. Sie haben ihr eigenes Land und ihre zweisprachige Schule. Mit Hilfe ihres neuen Gottes, Jesus Christus, suchen sie die Gleichstellung zu anderen Ecuatorianern.

Die Secoyas blieben vom Christentum weitgehend unberührt, bis in den 50er Jahren die ‘Wycliff Bibelübersetzer’ anfingen, die Indianer-Ethnie zu missionieren. Doch das Begriff-System der Secoyas und des Christentums lassen sich nicht einfach verschmelzen. Die Missionare versuchen, den kulturellen Wandel zu steuern. Sie bilden Kerndörfer, sorgen für die Abschaffung ‘heidnischer’ Praktiken, sie führen neue Werte, neue Produktionstechniken und neue Anführer ein.

Der Film wurde mit den Secoyas zu einem Zeitpunkt gedreht, wo diese christliche Neuordnung anfängt, ihre ‘Früchte’ zu tragen: Der oberste Anführer der Secoyas, der junge Pastor Elias sagt, “Wir müssen so leben, wie die Siedler. Das ist unser Opfer.” Pastor Cesar, Kirchenführer in dorn ‘1983 gegründeten ‘Centro Siecoya’ sagt, “die Secoyas haben sich schlecht benommen, sie stritten und wurden sofort wütend, man konnte ihnen gar nichts sagen. Jetzt sind sie ruhiger geworden und gehorchen den Anführern.”

Praktisch alle Indianergruppen im Amazonasgebiet sind durch die Missionare mit der sogenannten Zivilisation konfrontiert worden. Sei es durch die harte Mission, wie die der ‘Wycliff Bibelübersetzer’ oder durch die sanfteren Varianten der Progressiven.

Die einzig sinnvolle Besiedlungs-Strategie tropischer Regenwälder ist das Nomadisieren. Das aber läßt sich mit einem ‘zivilisierten Leben’ nicht vereinbaren. Für die kurze Zeit, in der der tropische Boden fruchtbar ist, bleibt den Secoyas, in einem Umfeld von Agroindustrie und Bohrlöchern, ein entwürdigendes Leben als Kleinbauern. (Lisa Faessler)

FOLLEYBUSCHGEISTER TANZEN IM RAUCH

FOLLEY-BUSCHGEISTER TANZEN IM RAUCH stellt die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Krankheitsauffassungen dar, indem eine Sprechstunde dem Ritual gegenübergestellt wird. Der Film ist episch und erzählt episodisch. Ich wünsche mir für ihn ein ko-fabulierendes Publikum, welches sich bereit findet, selbst produktiv zu werden, sich selbst Dinge weiterzuerzählen. Er hat keinen Kommentar. Der Sprecher rezitiert in Auszügen die Gesänge der Geschichtserzähler und das Gespräch mit Koumba, der Priester-Heilerin. (Marlene Dittrich-Lux)

SEVEN SCENES OF PLENTY

In einer Sieben-Tage-Synopsis - mit Prolog und Epilog - zeigt der Film SEVEN SCENES OF PLENTY das Leben auf einer kleinen Insel im Fidschi-Archipel. Besondere Berücksichtigung fanden bei den Dreharbeiten die Rangordnung und Hierarchien der Fidschianer. Es wurde keine große Bedeutung auf - für uns kuriose Dinge gelegt, die für die Fidschianer alltäglich und gewöhnlich waren. Vielmehr zeigt der Film ein Bild vom Leben der Leute, wie es von ihnen gemeinsam mit dem Filmteam ausgearbeitet wurde. SEVEN SCENES OF PLENTY ist der erste Teil einer Trilogie, die sich mit den Hintergründen des Militäraufstandes 1987 befaßt. Um die Vorgänge, die dazu geführt haben, verstehen zu können, benötigt man eine Einsicht in das alltägliche Leben im ländlichen Fidschi, einem Leben zwischen Plantage und dem Meer, der Arbeit im Haushalt und den kollektiven Fischzügen. Ein ruhiger Film über gewöhnliche Menschen in alltäglichen Situationen.

Prolog: Tevita fährt fischen. Im Zwischentitel erfahren wir einiges über den wirtschaftlichen und sozialen Hintergrund. Wenn wir ihn das Boot dirigieren sehen und er uns das Land seines Klans zeigt, akzeptieren wir ihn als den Chief der ‘gone dau’ (Klan der Fischer). Montag: Tevita revitalisiert den alten Beche-de-mer-Handel wieder. Daneben wird aber noch immer Kopra an kleine ‘copperative shops’ verkauft. Aus dem Erlös deckt man sich mit dem Nötigsten ein. Dienstag: Ein erfolgloser Versuch eines Gemeinschaftsfischfangs (yaviyavi). Alle sind enttäuscht und frieren im stürmischen Wetter vor dem Hintergrund eines heranziehenden Hurrikans. Tevita spricht über das yaviyavi und das Verteilen der Fische. In der Nacht sammeln Mädchen Notnahrung im Busch. Mittwoch: Ein Boot ist angekommen. Säcke mit Beche-de-mer, Krabben und Kopra werden vorbereitet, um in die Hauptstadt transportiert zu werden. Daneben geht die Arbeit in den Haushalten unbekümmert vom Trubel weiter. Donnerstag: Endlich ein erfolgreiches yaviyavi. Extensive Unterwasseraufnahmen unterstreichen die Verbundenheit der Fischer mit dem Meer. Freitag: Der übliche Tag, Nahrung aus der Plantage zu holen. Es ist dies die Aufgabe der Männer. Samstag: Der Hauptfischtag schlechthin, da am Sonntag nicht gearbeitet werden darf. Wir beobachten einen Fischzug der Frauen. Sonntag: Nach über 10 Jahren kommt es am 13.12.87 wieder zum Auftreten des Balolo. Trotz des Arbeitsverbots für den Sonntag, das durch die Methodistische Kirche eingeführt wurde, erklärt uns Tevita, daß der Balolo auch an diesem Tag eingesammelt werden darf. Die verbleibende Zeit des Sonntags wird dann in der Kirche verbracht. Epilog: Tevita kehrt von einem Fischzug zurück. Diesmal mit einem Jungen an Bord, den er als Symbol des Generationswechsels fragt ‘wo er eigentlich hin will’. Eine symbolische Frage im heutigen Fidschi.

THE WOMEN WHO SMILE

THE WOMEN WHO SMILE zeichnet ein einfühlsames Porträt von Frauen der traditionellen Hamargesellschaft im gemäßigten Süden Äthiopiens, weit entfernt von den Problemen des Krieges und des Hungers im Norden.

Die Hamar sagen, daß ‘Bajro’, das Schicksal, alle Dinge erschafft. Wenn ein Mensch erschaffen wird, wird sie, falls sie lächelt, eine Frau. Wenn nicht, wird er zum Mann. Eine Frau wird zur Frau, weil sie lächelt.

Drei Frauen in verschiedenen Lebensphasen erzählen ihre Geschichte, Duka eine selbstsichere, lebhafte junge Frau, deren Vater sie verheiraten will; Birinda, eine besorgte junge Mutter mit Ambitionen für ihre vier Kinder; und Hilanda die Älteste einer Großfamilie.

Hamar-Frauen sind stolz und geradeheraus. Ihre Rolle in der strikt geteilten Hamargesellschaft ist eher komplementär zur Rolle der Männer, als daß sie diesen untergeordnet wären. Indem sie zur Frau wird, vor allem zur Mutter, kann eine Frau Einfluß, Status und Sicherheit erlangen.

Die drei Frauen erzählen frei und voller Humor über ihre Probleme und Wünsche, über Angelegenheiten, die nicht nur die Hamar betreffen: das Schlagen von Frauen, Altwerden, Beziehungen zu Männern in und außerhalb der Ehe. Probleme, wie sie Menschen überall auf der Welt kennen.