EL PUEBLO MEXICANO QUE CAMINA

»Die kultische Verehrung von Tonantzin-Guadalupe ist für Mexiko ein essentielles Thema, das seit dem 16. Jahrhundert die kulturellen und politischen Wertvorstellungen beeinflußt. Der Filme begibt sich mit Hilfe von Aussagen von Vertretern indigener Bevölkerungsgruppen, Mestizen und Chicanos (US-Bewohner mexikanischer Abstammung) auf die Spur dieses komplexen Phänomens (…)

Der Film ist Zeugnis des mexikanischen Kultes um die Jungfrau von Guadalupe, wobei die Pilger die Bewohner Mexikos allgemein und durch alle Epochen hindurch, und die Pilgerreise unsere Geschichte symbolisieren. Für mich bedeutete dieser Film buchstäblich eine neunjährige, beschwerliche Reise zum Herzen Mexikos. Ich habe versucht, den Film gleichsam wie den Spiegel des aztekischen Gottes Tezcatlipoca zu benutzen, der mehr aufdeckt als widerspiegelt. Es gibt keine aristotelische Struktur, sie ist vielmehr prähispanisch inspiriert. Der Film besteht aus zwei Teilen, die sich in Form und Inhalt unter-scheiden, ganz im Sinne der Mesoamerika eigenen dualen Weltvorstellung. Ich sehe den Film als Versuch, einige Dinge zu erklären, die trotz ihrer Vertrautheit und Nähe paradoxerweise schwierig zu erkennen sind: Die Beziehung zwischen unserer Geschichte und dem kollektiven Unbewußten, möglicherweise unserer Identität und der Quelle unserer Hoffnung auf ein unabhängigeres und gerechteres Mexiko.« (Juan F. Urrusti)

Juan Francisco Urrusti, geboren 1954 in Mexiko-Stadt. Filmstudium an der London International Film School. Seit 1991 leitender Dokumentarfilmdozent an der Filmschule Centro de Capacitación Cinematográfica (CCC) in Mexiko-Stadt. Im Mittelpunkt seines Filmschaffens stehen die indigenen Kulturen Mexikos, insbesondere die Heilkunde und magisch-religiöse Denkvorstellungen. In seinen neueren Filmen interessiert er sich allerdings mehr für den Synkretismus, das Zusammenwirken der verschiedenen Kulturen. Die meisten Filme wurden mit dem Instituto Nacional Indigenista (INI) produziert. Eigene Filme seit 1977 u.a.: Brujos y Curandereros (1981); MARAACAME: CANTADOR Y CURANDERO (1982); Piowachuwe, la vieja que arde (1987; zus. mit Ana Pinó Sandoval); Encuentros de Medicina Maya (1988); Señor de Otitlán (1990); A Cruz y Espada (1992); TEPÚ (1994/95); EL PUEBLO MEXICANO QUE CAMINA (1996).

TEPÚ

Wie sieht ein Huichol-Shamane die gigantische Metropole Mexiko Stadt, in der Millionen von Mestizen leben? Der Filmemacher konfrontiert auf einer gemeinsamen Reise durch die Stadt seine eigenen Ansichten mit denen Tepús. Während Tepú seine Weisheit in seinen Träumen findet, die er als göttliche Verlautbarungen empfindet, ist für Urrusti das Filmemachen eine Art zu träumen.

»Die indigene Bevölkerung ist nach wie vor kaum präsent im mexikanischen Kino. Und das, obwohl der sechste Teil der mexikanischen Bevölkerung indianisch ist, obwohl sich das Bewußtsein des Landes durch den Aufstand von Chiapas Anfang 1994 veränderte. Die meisten Leute glauben, daß uns die Indios mit ihrer uralten Weisheit nichts lehren könnten. Mit diesem Film wollten wir ihnen zeigen, wie sehr sie sich irren. Wir wählten als Protagonisten deshalb wieder den alten Huichol-Schamanen Don Agustin Montoya de la Cruz, genannt Tepú, mit dem wir schon dreizehn Jahre früher gedreht hatten (MARAACAME).« J.F. Urrusti

MARAACAME - CANTADOR Y CURANDERO

Im Mittelpunkt steht Agustín Montoya de la Cruz, genannt Tepú, in der Sprache der Huichol Mara ‘Acame. Er ist als Heiler, Sänger und Traumdeuter bekannt. Er spielt als Weiser eine führende Rolle in seiner Gemeinschaft, die er leitet, schützt und gesund erhält.