The iron ministry

J.P. Sniadecki hat lange in China gelebt, das Land kreuz und quer mit der Bahn bereist und die Ernte dieser ethnografischen Streifzüge zu einem vielschichtigen und abwechslungsreichen Film verdichtet. Der ganze Kosmos dieses Teils der Welt entfaltet sich hier am Beispiel aller nur vorstellbaren Ausprägungen von Menschen, ihren Mühen und Geschichten, ihren Hoffnungen und Erwartungen, dazwischen die schweren Gepäckstücke, kleine Kinder, strenge Bahnbeamte und herumfliegende Hühner. Und draußen das riesige, weite, fremde Land. (Viennale)

Sniadecki offers a formally controlled look at the range of classes, the implied changes wrought by China’s economic boom, and the interactions particular to train travel. Refreshingly, Sniadecki allows the film — or rather, some passengers — to engage in politics, from the rights of minorities to economic pressures. While cerebral in intent and planning, the pic doesn’t feel overly straitjacketed by theory and offers unexpected moments of amusement.” (Jay Weissberg, Variety)

The train’s roar is a constant, interrupted by some amazing monologues and conversations: a young woman, work weary, musing about how nice it would be to do nothing than eat and sleep all day; a conversation about the particulars of Muslim life in the outer provinces, and a young boy’s dazzlingly nihilistic parody of a train conductor’s setting-off speech.” (filmmakermagazine.com)

J.P. Sniadecki

geboren auf einer Ziegenfarm in Michigan, aufgewachsen im rustbelt im Norden Indianas, lebte und arbeitete viele Jahre in China. PhD in Anthropologie an der Harvard University mit Spezialgebiet China. Seine Filme wurden in Museen und Galerien gezeigt wie dem Guggenheim, MoMA, MAC in Wien, UCCA in Peking, 2014 auf der Whitney Biennale, und erzielten etliche Preise auf internationalen Filmfestivals. Zurzeit unterrichtet er als Assistant Professor an der Cornell University, NY.

Filme: WORKING CLASSICS (2002); SONGHUA (Kurzfilm 2007); DEMOLITION (2008; Joris Ivens Award Cinema du Reel); SICHUAN TRIPTYCH (2010); THE YELLOW BANK (Kurzfilm 2010), PEOPLE’S PARK (gemeinsam mit Libbie D. Cohn, 2012; Best Anthropological Film, Festival dei Popoli, Florenz; Best Cinematography, Ann Arbor Film Festival); YUMEN (2013, Co-Regie); THE IRON MINISTRY (2014)

Podiumsgespräch

Kreative Ethnografien der Lebewesen und Dinge

Die Filme von Judith und David MacDougall können als entscheidender Bezugspunkt für die Arbeit des Sensory Ethnography Labs gelten. Der Gründer und Leiter des Labs, Lucien (Castaing-) Taylor, ist Mitherausgeber von MacDougalls „Transcultural Cinema“ (1998) und hat dazu die Einleitung verfaßt, die eine Art Rekapitulation zum damaligen Stand in der audiovisuellen Anthropologie darstellt. Mit J.P. Sniadecki ist einer der produktivsten Absolventen des Labs zu Gast in Freiburg. Im Gespräch zwischen ihm und unserem Ehrengast David MacDougall werden sich Parallelen und Differenzen der beiden Positionen anschaulich darstellen.

Es moderiert Henning Engelke, der mit „Dokumentarfilm und Fotografie. Bildstrategien in der englischsprachigen Ethnologie“ (2007) eine umfassende, aktuelle Abhandlung zum ethnografischen Film verfasst hat.

Henning Engelke tätig am Kunstgeschichtlichen Institut, Goethe-Universität Frankfurt. Seine Studie „The Art That Never Was. US-amerikanischer Experimentalfilm 1940 – 1960“ steht kurz vor der Veröffentlichung. Außerdem ist er Mitherausgeber von „Film als Raumkunst. Aktuelle Methoden und historische Perspektiven“, Marburg 2012.

Foreign Parts

Das Schrottgelände am Willets Point im Norden von Queens, eine versteckte Enklave im Schatten des neuen Stadions der New York Mets’, steht kurz vor dem Abriss. Noch pulsiert das Leben in den Autowerkstätten einer Straße voller Schlaglöcher und ohne Kanalisation, die nach dem Regen eher einer Seenplatte gleicht. Hier werden Autos repariert, ein nicht endender drive-thru Kundenstrom wird von konkurrierenden Fängern in die Garagen gelockt, immer mit dem kostengünstigsten Serviceangebot. Joe, der letzte eigentliche Anwohner, irrt wie ein verlorener King Lear fluchend durch seine  Straße. Sara und Luis, der gerade aus dem Gefängnis zurückkehrt, leben in einem unbeheizten, fahruntüchtigen Kleintransporter. Julia, die obdachlose Schrottkönigin, erfindet seligmachende Visionen des Alltags unter den Vergessenen. Zwei Jahre lang drehen Verena Paravel und J.P. Sniadecki hier im Menschen-Auto-Gewühl und dokumentieren den Überlebenskampf von New York’s urbanem Wildwuchs kurz vor der Enteignung und Gentrifizierung.

Véréna Paravel

geboren 1971 in der Schweiz, PhD in Anthropologie und Kommunikationswissenschaften an der Université de Toulouse. Sie arbeitete einige Zeit mit Bruno Latour an der École Nationale Supérieure des Mines, Paris. 2004 ging sie in die USA mit einem Stipendium an der Columbia University. Seit 2006 lehrt sie zeitweise am Department of Anthropology at Harvard University und arbeitet mit L. Castaing-Taylor am SEL. Sie lehrt außerdem an der École des Arts Politiques an der Sciences Po, Paris.

Filme: 7 QUEENS (Kurzfilm 2008); INTERFACE SERIES (2009); LEVIATHAN (mit L. Castaing-Taylor, 2012)

J.P. Sniadecki

geboren auf einer Ziegenfarm in Michigan, aufgewachsen im rustbelt im Norden Indianas, lebte und arbeitete viele Jahre in China. PhD in Anthropologie an der Harvard University mit Spezialgebiet China. Seine Filme wurden in Museen und Galerien gezeigt wie dem Guggenheim, MoMA, MAC in Wien, UCCA in Peking, 2014 auf der Whitney Biennale, und erzielten etliche Preise auf internationalen Filmfestivals. Zurzeit unterrichtet er als Assistant Professor an der Cornell University, NY.

Filme: WORKING CLASSICS (2002); SONGHUA (Kurzfilm 2007); DEMOLITION (2008; Joris Ivens Award Cinema du Reel); SICHUAN TRIPTYCH (2010); THE YELLOW BANK (Kurzfilm 2010), PEOPLE’S PARK (gemeinsam mit Libbie D. Cohn, 2012; Best Anthropological Film, Festival dei Popoli, Florenz; Best Cinematography, Ann Arbor Film Festival); YUMEN (2013, Co-Regie); THE IRON MINISTRY (2014)