THE ONE MAN VILLAGE

Semaan El Habre, Onkel des Filmemachers, ist der einzige Bewohner des Dorfes Ain El-Halazoun. Der libanesische Bürgerkrieg zwang die Dorfbevölkerung 1982 zur Flucht und hatte die Zerstörung ihrer Häuser zur Folge. Dauerhaft zurückgekehrt ist nur Semaan, der seit fünf Jahren in einem von Ruinen umgebenen Haus lebt, allein mit seinen Tieren und seinen Erinnerungen. Die Narben sind nicht gleich zu sehen. Auf den ersten Blick wirkt das Leben in dem verlassenen Geisterdorf sogar recht idyllisch: ein verschneites Bergpanorama, eine kleine Landwirtschaft, ein zufriedener Mann, der seine Kühe liebt und immer zu einem Spaß aufgelegt ist. Erst nach und nach treten die Narben, die Spuren des Krieges, zu Tage: in der Landschaft, in der Geschichte der Großfamilie El Habre und im persönlichen Lebensweg von Semaan. In den individuellen Erzählungen scheint die Geschichte des Libanon und die Situation eines Landes zwischen Vergessen und Erinnern auf. Ein Film, in dem Schrecken und Schönheit, Schmerz und Poesie nah beieinander liegen. Eine unaufdringliche Reflexion über Heimat, die Verbundenheit mit Orten und Menschen, die Auswirkungen von Krieg sowie den Versuch, schmerzhafte Erinnerungen ins Leben zu integrieren.

Simon El Habre geboren 1975 im Libanon, 1998 Diplom in Audiovisual Directing an der Libanesischen Akademie der Schönen Künste in Beirut, 2000 Abschluss in Film-und Videoschnitt Filmhochschule FEMIS, Paris. Seit 2001 unterrichtet er Video and Visual Expression sowie Film and Video Editing an der Libanesischen Akademie der Schönen Künste. THE ONE MAN VILLAGE ist sein erster langer Dokumentarfilm.

SALT OF THE SEA

Die 28-jährige Soraya reist von Brooklyn, wo sie aufgewachsen ist, zum ersten Mal in die Heimat ihrer Vorfahren, nach Palästina. Bei ihrer Ankunft ist Soraya noch voller Zuversicht, doch nach und nach wird sie von der Realität in Palästina eingeholt. Allein der Versuch in Ramallah das Geld ihrer Großeltern, die 1948 flüchten mussten, vom eingefrorenen Konto abzuheben, scheitert. Sie trifft Emad, einen jungen Palästinenser. Während Soraya davon träumt, sich in Palästina niederzulassen, möchte Emad, der nur das Leben unter der Besetzung kennt, nichts wie weg. Beide sind es leid, unter dem Zwang der Verhältnisse zu leben. Unverhofft treten Soraya und Emad eine Reise durch unbekannte Landstriche Palästinas und Israels an.

Annemarie Jacir hat bereits mit ihren Kurzfilmen Aufsehen erregt. In ihrem ersten Spielfilm SALT OF THIS SEA lädt sie uns zu einer verrückten Reise durch eine Region ein, die ihren Figuren eigentlich verschlossen wäre, weil Freiheit dort ein Fremdwort ist. Ihr Roadmovie führt uns durch Palästina und lässt uns andererseits eintauchen in die Geschichte von Jacirs Heimat.

Der Film ist atmosphärisch dicht und berührend. Wo der Welt die Worte fehlen, hat Annemarie Jacir starke Bilder zur menschlichen Sehnsucht nach Freiheit gefunden. (trigon film)

Annemarie Jacir, 1974 in Bethlehem geboren, wächst bis zu ihrem 16. Lebensjahr in Saudi Arabien auf. Ihre Ausbildung erhielt Jacir in den USA. Ihre Gedichte und Erzählungen sind in zahlreichen literarischen Zeitschriften und Anthologien erschienen. Seit 1994 ist sie im Filmbereich tätig und lebt inzwischen in Jordanien. Vom Film Comment Magazine wurde sie als eine der 25 New Faces des unabhängigen Kinos gelistet; ihre Filme wurden in Cannes, Venedig, Locarno und Berlin gezeigt.