Ô! CAPITAINE DES MERS

Dem Ruf des Meeres können sie nicht widerstehen. Die in den unterschiedlichsten Berufen arbeitenden Männer der nordtunesischen Halbinsel Cap Bon werden einmal im Jahr zu stolzen Fischern, die ein uraltes Ritual pflegen. Von den Italienern und Spaniern übernahmen sie – durch die Unabhängigkeit Tunesiens auf sich alleine gestellt - eine traditionelle Technik zum Fang von Thunfischen. Voller Ehrfurcht erzählen sie die Geschichte von Rais Labhar, dem ersten arabischen Kapitän, der sich die geheim gehaltene Fangmethode aneignete und sie an seine Landsleute weitergab. “Madrague” nennen die Einheimischen die Kunst des Thunfischfangs.

Jedes Jahr ziehen sie mit ihren kleinen Booten hinaus aufs Meer, wo sie sich zur “Matanza” treffen. Einem Durcheinander aus Männern, die an riesigen Netzen ziehen, und zappelnden Fischleibern, die mit bloßen Händen auf die Bootsplanken geworfen werden, wo sie ihr Leben aushauchen. Das blutige Schauspiel lenkt die Fischer für kurze Zeit von der Armut und Perspektivlosigkeit ab, die ihr Leben bestimmt. Mit einem großen Fest geht die Matanza zu Ende. Ein Fest zu Ehren des Thunfisches, den sie hier mit einer schönen Frau vergleichen.

Die “Madrague” von Sidi Daoud bildete schon den Hintergrund zweier Filme von tunesischen Filmemachern: Samana Chikly, dem Pionier des tunesischen Kinos zu Anfang des 20 Jahrhunderts (einige der Bilder werden von Hichem Ben Ammar in seinem Film eingesetzt) und Hassan Daldoul, der dieses Thema in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufnahm.

CAFICHANTA

Der Film zeigt das Leben und die Atmosphäre des einzigen noch bestehenden “Café Chantant” in der Altstadt von Tunis. In der Vergangenheit waren diese Kaffeehäuser ein fast mythischer Ort der geselligen Unterhaltung, in denen allabendlich gesungen und getanzt wurde. Heute lebt diese Tradition nur noch im Fastenmonat Ramadan weiter. Der Filmemacher erzählt in einfühlsamen Porträts von Sängern und Tänzerinnen die legendäre Geschichte des “Cafichanta”. In Einblendungen von historischen Photographien wird das Alltagsleben in den alten Stadtvierteln von Tunis lebendig. Der Dokumentarfilm wurde im Jahr 2000 auf mehreren internationalen Filmfestivals gezeigt, u.a. in Mailand, Montreal und Karthago, und nahm an Wettbewerben des “Cinéma Arabe” in Paris und “Festival du Film Francophone” in Namur teil.

Hichem Ben Ammar, geboren 1958 in Tunis. Ausbildung in Film und Medien an der École des Beaux Arts in Tunis. Mitbegründer einer Cinémathèque, Mitarbeit bei Ciné-Clubs und beim wichtigsten arabischen Filmfestival Journées Cinématographiques de Carthages, Mitglied im Filmkritikerverband. Unterrichtstätigkeit im Fach Film am Institut de Presse et des Sciences de l’Information (IPSI) der Universität Tunis.

Filme: ENNEJMA EZZAHRA (1994); LA MAISON DE L’ENFANT (1996); FEMMES DANS UN MONDE DE FOOT (1998), CAFICHANTA (2000); RAIS LABHAR Ô ! CAPITAINE DES MERS (2002).