Im Schatten des Krieges

Von Außen betrachtet bleibt jeder Krieg abstrakt, nur für die Beteiligten ist die Frage des Überlebens eine ganz konkrete. Die Zivilbevölkerung aber findet nur selten die Aufmerksamkeit der Kameras. In den letzten Jahren sind eine Reihe von Spiel- und Dokumentarfilmen erschienen, die nicht nur die Militärstrategen und die Kriegsmaschinerie zum Inhalt haben, sondern ihre Aufmerksamkeit auf die vom Krieg und seine Folgen betroffenen Menschen richten. Reflektiert, selbstkritisch und auf hohem ästhetischem Niveau thematisieren sie die Auswirkungen des Konflikts auf die Zivilbevölkerung. Im Überschreiten der politischen Grenzen und Polarisierungen zeichnet sich dabei die Utopie eines friedlichen Zusammenlebens ab.

DIAS DE SANTIAGO

Josué Méndez
Peru 2004 | 83 Min. | 35 mm, OmeU

Santiago Roman, ein 23-jähriger Soldat der peruanischen Marine, kehrt nach Jahren des Dschungelkampfes in seine Heimatstadt Lima zurück. Santiago, kriegsmüde, aber voller Hoffnungen, gehört zu einer verlorenen Generation Perus. Der sinnlose Krieg gegen Ecuador und der pausenlose Kampf gegen Terroristen und Drogenhändler haben in seinem Inneren Narben hinterlassen. Er muss rasch feststellen, dass er in seiner Heimatstadt Lima nicht willkommen ist – seine Kameraden aus der Armeezeit haben sich auf Bankraub verlegt, die eitle Clubszene ist nur ein Gewirr aus Lärm und grellen Lichtern, mögliche Arbeitgeber wollen ihn nicht einstellen, und seine Anträge auf einen Kredit werden abgewiesen. Am schlimmsten für Santiago ist aber, dass weder seine Freunde noch seine Familie ihn verstehen können. Im packenden Höhepunkt des Films verdichten sich alle seine Nöte und Schwierigkeiten, und DIAS DE SANTIAGO mündet in die Frage: Welchen Ausweg gibt es noch für einen ehemaligen Soldaten, der voller Hoffnungen nach Hause zurückkehrt, aber nur Enttäuschungen und innere Zerrissenheit erlebt?

Der junge peruanische Filmemacher Josué Méndez, der bereits mit seinen Kurzfilmen aufgefallen war, legt hier ein inhaltlich überzeugendes wie formal bestechendes Erstlingswerk vor. Er zeigt, dass das Drama eines Militärdienstes oft erst dann richtig beginnt, wenn der Dienst vorüber ist. Zwischen schwarzweißen und farbigen Szenen wechselnd betont Méndez die Paranoia und Instabilität seines Protagonisten. Es ist nicht nur ein Film über den heimkehrenden Soldaten, Méndez zeigt uns auch ein ungeschminktes Bild vom Leben in Perus Hauptstadt Lima.

Preise: International Film Festival, Switzerland; Festival Internacional de Cine Independiente, Argentina; Infinity Film Festival, Italy; Transylvania, International Film Festival, Rumania; International Film Festival, Austria; Festival International du Nouveau Cinema, Canada; International Film Festival Kerala, India; Miami International Film Festival, USA

Josué Méndez, DIAS DE SANTIAGO ist das Spielfilmdebüt des Regisseurs. Seine Kurzfilme liefen auf großen Filmfestivals wie Oberhausen, São Paulo, Tampere und MoMA New Directors/New Films. Méndez ist außerdem Cutter und Filmdozent in seiner Geburtsstadt Lima. Filme: SOLO BUENOS AMIGOS (1997); DREAMS & OTHER ADAGIOS (1998); PARELISA (1999); DIAS DE SANTIAGO (2004).

MURMAUERWALL

Simone Bitton
Frankreich, Israel 2004 | 99 Min. | 35 mm, OmeU
MUR führt den Zuschauer an die größte Baustelle Israels und zeigt Menschen, Israelis und Palästinenser, die inmitten des ohrenbetäubenden Lärms der Bulldozer der Logik des Krieges trotzen. “Ich wollte den … mehr

RUNAWAYS

Orzu Saripov
Tadschikistan 2004 | 15 Min. | BetaSP, OmeU
Mit ganz einfachen Mitteln begleitet Orzu Saripov afghanische Flüchtlinge, die dem Bombenhagel im Norden des Landes in Richtung Tadschikistan entkommen sind und auf unbewohnte Inseln im Pianj-Fluss fliehen. Die Videokamera … mehr

WE LOVED EACH OTHER SO MUCH

Jack Janssen
Niederlande 2003 | 80 Min. | BetaSP, OmeU
Zu Gast: Jack Janssen
In der arabischen Welt vom Irak bis nach Marokko ist die libanesische Sängerin Fairuz seit einem halben Jahrhundert eine lebende Legende. Ihre Heimat Beirut war früher eine florierende Hafenstadt – … mehr