Violence is to charge 600 Euros - Public Land I

In den politischen Kämpfen von 2011 bis 2015 wird vor allem ein Slogan immer wieder auf die Wände Athens, Istanbuls und Madrids gesprayt: Wacht auf! Als Essay und Collage zeigt der Film Antworten im öffentlichen Raum auf eine Politik, die unter anderem zu Wohnungsmieten von 600 Euro in Betonblocks führt. Graffiti als Protestform wird dargestellt und vorgetragen wie auf einer Lesung und somit zu Reflektion und Vorwurf an die Öffentlichkeit.
Welche Öffentlichkeit und welcher öffentliche Raum -Welche Bilder, Sprache und Erzählung nutzen wir, um die Welt um uns herum zu verändern?

Violence is to charge 600 Euros - Public Land II

Schlagzeilen über die ökonomische und soziale Krise sowie den Mangel an Solidarität verkaufen sich nicht mehr: ihnen wird im öffentlichen Diskurs keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt. Der zweite Teil von Elena Friedrichs Reihe Public Land untersucht die Machtstrukturen, denen die Öffentlichkeit unterliegt, zwischen Information und Manipulation, Repräsentation und Kontrolle.
Der Film zeigt einen Mann, der Orangenkisten zur Küste transportiert und in seinem Autoradio Diskussionen zum Thema aus Athen und Madrid verfolgt. Auf der Fahrt begleitet uns die Frage, wie wir in Guy Debords „Gesellschaft des Spektakels“ alternative Erzählungen schaffen und am Leben erhalten können.

MIMOUNE

Illegale“ Einwanderung ist nicht allein ein Problem unserer Gesellschaft. Nicht nur der Immigrant leidet an der sozialen Entwurzelung, der schwierigste Part dieses Problems ist die Trennung der Familien. Dieser Film entstand aus dem Wunsch die Familie von Mimoune Bensaada für einen kurzen Augenblick zusammenzubringen. Er lebt als Flüchtling in Spanien, seit Jahren getrennt von seiner Frau und seinen Kindern, die in Marokko zurückgeblieben sind. Ein lang gehegter Wunsch der Familie geht in Erfüllung, wenn auch nur mit Hilfe einer Kamera.

Gonzalo Ballester, 1982 in Murcia, Spanien geboren. Er behandelt in seinen Kurz-und Dokumentarfilmen vor allem soziale Fragen. Filme: MUJTAR (2002), LA CÁMARA: TESTIGO DE LA REALIDAD, LA PERSIANA (2003), LOS INVASORES (2004), LA BODA (2006), LA SERENISSIMA (2006), EL ÚLTIMO PAISAJISTA (2007), THE MOLKY WAY ( 2008).

THE CITY OF THE DEAD

Zwischen den Gräbern und Mausoleen des riesigen El Arafa Friedhofs in Kairo ist eine eigene Stadt entstanden. Etwa 1 Million Menschen leben hier, in der „Stadt der Toten“. Täglich werden viele Menschen beerdigt, während das Leben rundum weitergeht: ein junger Hirte treibt seine Schafe durch die schmalen Straßen, eine Marktfrau bietet ihre Wäschekörbe aus Plastik feil, zwischen den Grabsteinen lassen Kinder ihre Drachen steigen. Kein Respekt vor den Toten. Dafür gibt es ein gesundes Verhältnis zur Realität: in dieser Totenstadt haben die Lebenden und die Toten einen Pakt des Friedens geschlossen. Der Regisseur Sérgio Tréfaut beschreibt in seinem Film die verschiedenen Seiten des Lebens einer fremden Enklave. Wir schauen auf handbemalte Gräber und beobachten den Trubel eines Ortes, an dem die überwiegend arme Bevölkerung versucht, zu überleben.

Sérgio Tréfaut, geboren 1965 in São Paulo, Brasilien. Filmemacher, Produzent, Schriftsteller. Filme: FLEURETTE (2002), LISBOETAS (2005), THE CITY OF THE DEAD (2009).

(Self)Exhibitions

Am I pretty?” When asked online, this banal question opens up a loop of found- footage videos uploaded by teenagers all over the world on the internet. Though the identical dramaturgy of dozens of these videos put together seems amusing at first sight, it intensifies the impression of a deeply alienated mode of self-exposition defined by the specific aesthetics of tutorials, online diaries and confessional videos. While repetitive in genre codes, this mash-up is no longer the representation of individual stories, but gives a condensed picture of current practices of self-exposition, juvenile insecurity and the need for permanent recognition in the Web 2.0.

Wilaya

Fatimetu, Kind einer Sahraui-Familie, wird in einem Sahara-Flüchtlingscamp in Algerien geboren und später als kleines Mädchen zu Gasteltern nach Spanien geschickt. Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt sie in das Camp zurück. 16 Jahre sind vergangen. Der Bruder erwartet, dass sie bleibt und sich fortan um ihre gehbehinderte Schwester Hayat kümmert. Fatimetu, die im Gegensatz zu den anderen Frauen Auto fahren kann, transportiert Tiere, Fleisch und Brot von einem Verwaltungsbezirk zum anderen. Nach und nach scheinen sich die Sahraui an die Frau zu gewöhnen, die unverhüllt in ihrem gebrauchten Jeep durch den Wüstensand saust. Doch Fatimetu ist hin- und her gerissen zwischen dem Leben in der Wüste und den Erinnerungen an Familie und Freunde in Spanien.

Die maurische Volksgruppe der Sahraui wartet in Algerien noch immer auf ein Referendum, das ihren völkerrechtlichen Status definiert. In poetischen, konzentrierten Bildern zeigt der spanische Regisseur Pedro Pérez Rosado in seinem Spielfilm viel mehr als nur die Wiedervereinigung zweier Schwestern oder den Zusammenprall unterschiedlicher Kulturen: Er lässt Darsteller aus der Sahara selbst von ihrer politischen und gesellschaftlichen Situation erzählen. Berlinale 2012