Sehnsucht nach der Zukunft

Der Film beginnt mit der Luftansicht einer Stadt in der Nacht. Eine Stimme singt in einem sehr schnellen Rhythmus. Am Tag steigen wir dann auf die Erde hinunter. Der Sänger ist auf der Straße und schreit die Zukunft heraus, die ihm blüht: ein Leben als Arbeitsloser, der von der Geschäftswelt zermalmt wird. Diese ‘cantadores’ aus dem Nordeste führen eine jahrhundertealte mündliche Tradition weiter, ihre Lieder handeln aber von der Gegenwart und beschreiben die heutige Stadt. Schon immer haben die Großstädte Südbrasiliens die Bewohner der ärmeren Bundesstaaten des Nordostens angezogen. Einige schaffen es, andere nicht. Aber alle bleiben »Nordestinos«. Im Rhythmus der »repentes« – improvisierter musikalischer Reime und Wortgefechte – erzählen diese Migranten mit Humor und Spott von São Paulo und seiner Zukunft. Vor allem reden sie von ihrer eigenen Zukunft, die viel weniger rosig ist.

Die Kunst der Filmemacher Marie-Clémence und Cesar Paes kommt in den magischen Momenten zum Ausdruck, die uns die strengen Regeln der »Turniere« verstehen und uns so tief in die Stadt und ihr Inneres eindringen lassen, so dass sie uns vertraut werden. Cesar Paes lädt uns in sein Land ein, um uns ins Herz einer lebendigen Kultur zu führen.

Cesar Paes, geb. 1955 in Brasilien, Autor, Regisseur und Kameramann, lebt seit 1980 in Paris. 1988 gründete er mit seiner Frau Marie-Clémence die Produktionsfirma lateritproductions, mit der sie Dokumentarfilme realisieren, u.a.: ANGANOANGANOTALES FROM MADAGASCAR (1989); AOS GUERREIROS DO SILENCIO (1992); LE BOUILLON D’AWARA (1996).

THE CITY OF THE DEAD

Zwischen den Gräbern und Mausoleen des riesigen El Arafa Friedhofs in Kairo ist eine eigene Stadt entstanden. Etwa 1 Million Menschen leben hier, in der „Stadt der Toten“. Täglich werden viele Menschen beerdigt, während das Leben rundum weitergeht: ein junger Hirte treibt seine Schafe durch die schmalen Straßen, eine Marktfrau bietet ihre Wäschekörbe aus Plastik feil, zwischen den Grabsteinen lassen Kinder ihre Drachen steigen. Kein Respekt vor den Toten. Dafür gibt es ein gesundes Verhältnis zur Realität: in dieser Totenstadt haben die Lebenden und die Toten einen Pakt des Friedens geschlossen. Der Regisseur Sérgio Tréfaut beschreibt in seinem Film die verschiedenen Seiten des Lebens einer fremden Enklave. Wir schauen auf handbemalte Gräber und beobachten den Trubel eines Ortes, an dem die überwiegend arme Bevölkerung versucht, zu überleben.

Sérgio Tréfaut, geboren 1965 in São Paulo, Brasilien. Filmemacher, Produzent, Schriftsteller. Filme: FLEURETTE (2002), LISBOETAS (2005), THE CITY OF THE DEAD (2009).