BAREHA DAR BARF BEDONYA MIAYAND

Der Film zeigt den schweren Alltag der Dorfbewohner, die ihr Vieh hüten und alles daran setzen, den Winter zu überleben.

KAR O KAR - Work and Work

Das Portrait eines alten Ehepaars, das von seinem Leben und seiner Arbeit erzählt: dem Teppichweben.
In zwei Teilen schildert der Film die Tradition der Teppichherstellung in der iranischen Provinz Zandjan. Es werden die Arbeitsformen und der Lebenssrythmus eines Dorfes eingefangen. Eine alte, blinde Frau webt einen Djadjim. In der Stadt wird das Ghavam Zadan-Ritual dokumentiert, ein ‘Spiel’, das den Teppichverkäufern vorbehalten ist, bei dem Glück, aber auch Geld ins Spiel kommt.

Fuad Afravi, geboren 1959, studierte in Teheran Kunst. Filme: Gol o Giyah; Pishani bar Khoun, KAR O KAR (1996)

Das Haus meiner Mutter, die Lagune

In einer Lagune am Ufer eines Flusses lebt eine Fischerin zusammen mit ihrer pflegebedürftigen alten Mutter. Ihr Ehemann und ihr Vater sind schon verstorben. Im Gegensatz zu dem, was die Traditionen den Frauen vorschreiben, ist die Fischerin dazu gezwungen, den Lebensunterhalt für sich und ihre Mutter selbst zu verdienen. Jeden Tag steht sie vor Sonnenaufgang auf, um in einem kleinen Ruderboot auf Fischfang zu gehen. Sie versucht ihren mickrigen Fang auf dem lokalen Markt zu verkaufen, was nicht ganz einfach ist. Aber die Frau ist nicht leicht zu erschüttern, obwohl sie mit den anderen Fischern und Marktverkäufern oft Streit hat. Zu Hause wartet die Mutter geduldig auf die Rückkehr ihrer Tochter. Sie holt sie aus dem Bett und kümmert sich um sie.

Neben dem für eine iranische Frau ungewöhnlichen Berufsleben steht für Oskoui auch die Beziehung zwischen der gebrechlichen Mutter und ihrer liebevollen Tochter im Mittelpunkt des Films.

Mehrdad Hosseini Oskouei wurde 1969 in Teheran geboren. Nach seinem Studium im Fach Regie an der Kunsthochschule, begann er 1984 mit dem Filmemachen und gehört zu den Gründungsmitgliedern der Bandar Anzali Filmgesellschaft. Vor dem Film ‘Das Haus meiner Mutter, die Lagune’ hat er bereits mehrere Kurzfilme realisiert: OTHER NATIVITY (1998); IN HIS HISTORY (1990); THE BOUNDARY (1995); SAOUCHI (1994); THE HEAVEN FORM WHICH WE COME(1995); THE BAYRAMI NOMADS (1995); THE HAJIBASHI PRIMARY SCHOOL (1995).

The Song of Nimevar

Jedes Jahr im Frühjahr wird der Nimevar-Kanal gereinigt und neu ausgehoben. Zuvor wird der Barema-Damm durchbrochen, um das Wasser aus dem Kanal wieder in den Fluss zurückzuleiten. Die Männer aus den Dörfern Nimevar und Bagherabad nehmen ihre Schaufeln und beginnen mit der Arbeit. Die Arbeit wird seit Jahrhunderten den sieben Anteilen der Grundbesitzer am umliegenden Land entsprechend aufgeteilt und durch einen alten Mann, der auch für die Zuteilung des Wassers aus dem Bewässerungskanal verantwortlich ist, kontrolliert. Kurz vor Ende der wochenlangen Arbeiten wird ein Fest gefeiert, das mit einer Parade eröffnet wird. Ein alter Mann in Uniform, mit Orden behängt, steigt auf ein Pferd und salutiert der »Schaufelarmee«. Das Fest wird mit einem Wettbewerb zwischen den Männern, die schwere Schaufelbündel über ihrem Kopf kreisen lassen, beendet. Zuletzt leiten einige Männer aus den Dörfern das Wasser wieder in den Kanal.

Mohammad Reza Moghadassian wurde 1947 in Teheran geboren. Der iranische Dichter und Filmautor Fereydun Rahman inspirierte ihn dazu, Dokumentarfilmregisseur zu werden. In seinen Filmen widmet er sich sozialen Missständen, iranischen Musikern und ethnographischen Themen. Filme u.a.: TATTOOING THE SKIN (1973); THE PAINTER (1974); WAVE (1987); BEYOND THE FENCE (1989); THE SONG OF THE SEA (1993);THE POET OF DANDELIONS (1996); THE LAST SOLUTION (1996).

Die Fähre

Dubee ist eine große Fähre, die die Bevölkerung der Region zwischen den Ufern des Flusses Karun im Süden Irans hin und her transportiert. Die Strömung des Flusses ist die einzige Energiequelle und die Fähre wird durch ein einfaches Ruder gesteuert. Heute ist der erste Tag, an dem ein kleiner Junge die Fähre navigiert. Der Film beobachtet den Arbeitstag des Jungen und die unterschiedlichen Fahrgäste mit ihrem Transportgut.

Bahram Azimpur, geb. 1959 in Teheran. Absolvent der Fakultät für Schöne Künste der Universität Teheran. Theaterarbeit und Kurzfilme.

An der Schule von Seyed Ghelish Ishan

Unberührt von den Verlockungen der modernen Welt steht das religiöse Seminar Seyed Ghelish Ishan – vor 200 Jahren gegründet – wie eine zeitlose Festung in der ruhigen turkmenischen Landschaft. Die Jungen kommen in die Schule, um in die schiitisch-islamische Lehre eingeführt zu werden und religiöse Schriften zu studieren. Der Film begleitet den Tagesablauf der Schüler, die zuletzt ihre zurückgehaltene physische Energie auf ihrem Heimweg auslassen.

Der Mitbürger

Ein Verkehrspolizist versucht im Auftrag der Stadtregierung, inmitten der unglaublichen Verkehrsstaus Teherans, ein Fahrverbot für bestimmte Straßen der Innenstadt durchzusetzen. Die Verkehrssünder feilschen und der Gesetzeshüter kreiert Ausnahmeregelungen. Damit wird sowohl die Anpassungsfähigkeit der Verkehrsregel und des Beamten als auch die Flexibilität der Teheraner Bevölkerung sichtbar.

Kiarostami, der selbst in seiner Jugend Verkehrspolizist war, gelang mit diesem Film eine Dokumentarfilmkomödie über den Einfallsreichtum der Teheraner in scheinbar unumgänglichen Situationen.

Abbas Kiarostami, geboren 1940 in Teheran, gilt heute als der international bekannteste iranische Filmautor. Als 18Jähriger wurde er auf der Teheraner Kunsthochschule aufgenommen und finanzierte sein Studium als Werbegraphiker. 196069 realisierte er mehr als 150 Werbefilme und gelegentlich gestaltete er Vorspanne von iranischen Filmen. Seit 1969 drehte er für Kanoon, das ‘Institut für die geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen’, Kurz-, Lehr- und Animationsfilme sowie Spiel- und Dokumentarfilme. Seine Filme sind wie die meisten iranischen Produktionen seit den 80er Jahren nicht eindeutig in die Genres ‘Spiel- und Dokumentarfilm’ einzuordnen. Wie bei heute vielen iranische Filmautoren vermischen sich Realität und Fiktion in mit Laien dargestellten Alltagsgeschichten. Eine Auswahl seiner Spiel- und Dokumentarfilme: NAN VA KUCHEH / DAS BROT UND DIE STRASSE (1970); ZANGE TAFRIH / DIE SCHULPAUSE (1972); TAJROBEH / ERFAHRUNG (1973); MOSAFER / DER REISENDE (1974); RAHE HAL / LÖSUNG (1978); QAZIHE SHEKLE AVAL, QAZIHE SHEKLE DOVOM / FALL EINS, FALL ZWEI (1979); HAMSORAYAN / DER CHOR (1982); HAMSHAHRI / DER MITBÜRGER (1983); KHANEHYE DUST KOJAST? / WO IST DAS HAUS MEINES FREUNDES? (1987) NAMAYE NAZDIK / NAHAUFNAHME (1990); MASHQE SHAB / HAUSAUFGABEN (1990); VA ZENDEGI EDAMEH DARAD / UND DAS LEBEN GEHT WEITER (1992); ZIRE DERAKHTANE ZEYTUN / UNTER DEN OLIVENBÄUMEN (1994); TAAMÉ GILAS / DER GESCHMACK DER KIRSCHE (1996); BAAD MARA KHAHAD BORD / DER WIND WIRD UNS TRAGEN (1999).

Oh, Beschützer der Gazellen

Imam Reza, der achte schiitische Imam, wird im Volksmund auch »Beschützer der Gazellen« genannt. Wie die Legende berichtet, suchte einst eine Gazelle, die von einem Jäger verfolgt wurde, Schutz bei Imam Reza. Dieser trat dem Jäger entgegen und rettete ihr das Leben. Täglich pilgern tausende Gläubige zu Imam Rezas Grabstätte in Mashhad, im Nordosten Irans. Im Zentrum des Heiligtums steht der prächtige goldene Schrein, den die Pilger zu berühren versuchen, während sie dem Heiligen ihr Herz ausschütten und ihn um Segen und Heilung für Krankheiten bitten. Kimiavi hält einen Tag im Heiligtum vom Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fest.

»Über die Montage wird aus dem kommentarlos beobachtenden Dokumentarfilm über die Moschee Imam Reza (…) ein Essay über den Kontrast zwischen Elend und Glanz des Irdischen.« (Robert Richter)

»Der Symbolismus in meinem Filmen wurzelt in der Wirklichkeit. Alles in meinen Filmen, die Menschen und die Gegenstände, ist real, nichts ist gestellt. Ich nehme nur Einfluss auf die Position, die sie im Film einnehmen. Hier ist der Glaube, der die Menschen zum Schrein bringt. Alles, was ich mache, ist, den Raum zwischen den Händen und dem Schrein zu zeigen. Der ganze Film ist das und nichts anderes. Diese Bilder sind real und können doch eine symbolische Bedeutung haben. Ich hätte auch die Stadt zeigen können oder die Flut der Wallfahrer, aber ich habe mich auf diese Bilder beschränkt.« Parviz Kimiavi

Parviz Kimiavi, geb. 1939, arbeitete nach seinem Fotografie und Filmstudium in Paris zwei Jahre als Regieassistent beim französischen Fernsehen ORTF. 1969 kehrte er in den Iran zurück und realisierte mehrere Dokumentar- und Spielfilme, die wie bei den meisten Autoren der iranischen Nouvelle Vague Mòje No eine dokumentarische und zugleich narrative Filmsprache haben. Anfang der 80er Jahre ging er wieder nach Paris und arbeitete als Regisseur von Dokumentarfilmen für das französische Fernsehen. 1999 kehrte er in den Iran zurück. Filme u.a.: TAPPEHAYE QEYTARIYE / DIE BERGE VON QEYTARIYE (1969); YA ZAMENE AHU / OH, BESCHÜTZER DER GAZELLEN (1970); MOGHOLHA / DIE MONGOLEN (1973); BAGHE SANGI / DER STEINGARTEN (1976); TVDOKUMENTARFILME FÜR ANTENNE 2, FR3 UND ART (19811995); IRAN SARAYE MAN AST / IRAN IST MEIN LAND.

Der Wind des Djinn

Taghvaie gliedert diesen Film über religiöse Kulte in den persisch und arabischsprachigen Regionen Bandar Abbas und Bandar Lengee im Süden Irans in zwei Abschnitte. Im ersten Teil führt einer der wichtigsten Lyriker der persischen Moderne, Ahmad Shamlu, mit seiner Stimme und seinem Gedicht in die Mystik des Winds der Djinnen, der bösen Geister, ein. Dieser Wind kann die Menschen beherrschen und aus dem Land vertreiben. Shamlus Gedicht begleitet Bilder einer Ruinenstadt und regionalen Landschaft, durch die zuletzt eine Frau schreitet. Die Frau geht zu einem Kult, der einem von dem Djinn Besessenen helfen soll. Im zweiten Teil wird dieser volksislamische Kult geschildert: Frauen und Männer musizieren und helfen dem Besessenen gemeinsam, ihn von dem Djinn zu befreien. Der Rhythmus der Musik ist von den Trommeln der Nachfahren ehemaliger afrikanischer Sklaven, die an dem Kult teilnehmen, geprägt.

Zwischen den Bildern der Ruinenstadt sind auf Wände und Türen geschriebene Daten zu sehen, die für die iranische Geschichte der 50er und 60er Jahre einschneidend waren. Es geht um subtile, die Zensurbehörden umgehende Anspielungen Taghvais auf die Gründung des Geheimdienstes Sawak 1956, die Machtübernahme des vom Schah eingesetzten Ministerpräsidenten Amini 1960 und die Studentenunruhen und Verhaftungen von Oppositionellen 1968.

Der Schriftsteller und Filmautor Nasser Taghvaie wurde 1940 in Abadan geboren. Bevor er als Dokumentarfilmer 1966 zum iranischen Fernsehen kam, arbeitete er als Assistent von Ebrahim Golestan. 1971 wechselte er zu Kanoon (Institut für die geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen), für das er Spielfilme und Fernsehserien realisierte. Filme u.a.: BADE JENN / DER WIND DES DJINN (1969); NACHL / DIE DATTELPALME (1969); RAHA’I / BEFREIUNG (1971); SADEQ KORDEE / SADEQ, DER KURDE (1973); NEFRIN / DIE VERWÜNSCHUNG (1973); NACHODA CHORSHID / KAPITÄN CHORSHID (1987); EJ IRAN / OH IRAN (1990).

Die Nacht, in der es regnete

Iranische Schulkinder begegnen in ihren Lesebüchern der heldenhaften Geschichte eines Jungen, der aufopferungsvoll ein Zugunglück zu verhindern weiß. In der dunklen Nacht gelingt es dem Jungen, einen nahenden Zug rechtzeitig mit seinem brennenden Hemd vor einem die Bahngleise blockierenden Geröllhaufen anzuhalten. Ende der 60er Jahre berichten die Zeitungen in Teheran von einem Jungen im Norden des Iran, dem Ähnliches gelungen sein soll: Er habe den Zug mit seiner angezündeten Jacke vor einem durch ein Unwetter unterspülten Schienenabschnitt rechtzeitig gerettet. Die Presse ist in Aufruhr: Handelt es sich bei der Heldentat um Wahrheit oder »die größte Lüge des Jahres«?
Schirdels Filmteam erhält von dem Ministerium für Kultur und Kunst den Auftrag, einen Film über den Jungen zu drehen. Der Filmemacher interessiert sich weniger für den Wahrheitsgehalt der Geschichte, sondern wer und mit welchem Interesse verschiedene Versionen des Vorfalls kolportiert: Zeitungsreporter, ein Gouverneur, der Polizeichef, Bahnangestellte, Lehrer, Schüler, Bauern und andere »Zeugen«. Die einen meinen, der Junge würde gar nicht existieren, die anderen erklären sich selbst zum wahren Helden; der Gouverneur erkennt ihn als den Einzigen an. »Mit doppelbödigem Schalk zeichnet Shirdel ein zartbitteres Bild der iranischen Gesellschaft: Wahrheit, Gerücht und Lüge lassen sich nicht mehr dividieren.«

Robert Richter

Kamran Shirdel, geboren 1939, studierte in Rom Architektur und Film. 1964 kehrte er in den Iran zurück und realisierte sechs Dokumentarfilme im Auftrag des Kultusministeriums. Shirdel analysiert mit der spezifischen Filmästhetik der Kontrapunktmontage Schattenseiten und soziale Missstände der iranischen Gesellschaft. Filme u.a.: NEDAMATGAH / FRAUENGEFÄNGNIS (1965); QALEH / FRAUENVIERTEL (1966); TEHRAN, PAYETAKHTE IRAN AST / TEHERAN IST DIE HAUPTSTADT IRANS (1966); AN SHABKE BARUN AMAD / DIE NACHT, IN DER ES REGNETE (1967/79).