Be’ Jam Be - the Never Ending Song

Das Leben der Penan, im Malaysischen Bundesstaat Sarawak auf Borneo, ist von der massiven Zerstörung des Regenwaldes bedroht. Wie können die ehemaligen Nomaden ihr Weiterleben gestalten, wenn ihr Lebensraum, und damit ihre Lebensgrundlage, zunehmend vernichtet wird? Getragen von Sprechgesängen des Widerstandes erzählt der Film von dem Konflikt zwischen traditioneller Lebensweise und dem Kampf gegen die Planierraupen.

Makala

Die Idee zum Film, sagt Emmanuel Gras, war recht einfach: Kabwita, sein Protagonist aus Kolwezi im Süden des Kongo lebt, von der Köhlerei. Normalerweise verkauft er die Holzkohle im Dorf, aber weil er für die Familie ein Haus bauen will, soll eine größere Menge in der Stadt verkauft werden. Er fällt also einen Baum, verarbeitet das Holz zu Kohle und verstaut es in Säcke, die er auf ein klappriges Fahrrad bindet, um es meilenweit in den nächstgrößeren Ort zu schieben. Der Transport dauert Tage.

So simpel die Idee – der Film konzentriert sich ausschließlich auf die Arbeit – so beeindruckend ist die Unmittelbarkeit, die Gras’ Bilder herzustellen vermögen. Seine Einstellungen erinnern mehr an eine inszenierte Erzählung, als eine dokumentarische Beobachtung. Nur selten entfernt sich die Kamera vom Geschehen, immer sucht sie die Nähe zu Kabwita und zeigt, wie sein Traum von einem besseren Leben ihm hilft, diese Knochenarbeit durchzustehen.

MAKALA ist der zweite Langfilm von Emmanuel Gras und gewann 2017 als erster Dokumentarfilm den Großen Preis der Semaine de la Critique in Cannes.

 

Filles du Feu

Ein ungewöhnlicher Film aus dem Syrienkonflikt: weit entfernt von typischen Kriegsreportagen beobachtet der Anthropologe Stéphane Breton kurdische Soldatinnen, nicht in Kampfsituationen, sondern bei Patrouillen, Wachen, Pausen, Kampfvorbereitungen. Der eigentliche Krieg bleibt in der Ferne und ist doch in der Mühsal, Disziplin und Konzentriertheit der Frauen präsent. Keine Spur von männlicher Soldateska – diese Kämpferinnen machen es womöglich besser. Ihre Gelassenheit und ihr vollkommen gleichberechtigtes Auftreten neben ihren bewaffneten Brüdern, vor der Kulisse einer Welt in Ruinen, weckt beklommene Bewunderung.
Der Film enthält sich einer politischen Positionierung. Bretons solitäre Arbeit kreist um das Verhältnis zwischen dem, was die Kamera festhält und demjenigen, der sie führt. Seine Filme sind nicht ‚über‘ etwas, sondern das Sehen und Gesehenwerden ist das Thema seiner Filme.

MUSIQUE DU BELOUTCHISTAN

Ein Film über die Musik der Nomaden Beloutschistans. Die Sänger und Musiker gehören der sunnitischen Glaubensrichtung des Islams an und sind Spezialisten für Exorzismus in Trance. Diese rituelle Musik schlägt den Zuhörer in ihren Bann. Yves Billon ist es gelungen, neben den Musikern faszinierende Landschaftsbilder und unaufdringliche Impressionen vom Alltag der Nomaden im Bild festzuhalten.

BOULEVARD D’AFRIQUE

Soukey hat gerade ihre Reifeprüfung am Lyzeum in Dakar abgelegt. Nach einer mit Musik und Tanz verbrachten Nacht kommt sie nach Hause zu ihren Eltern, die ihr ihre zukünftige Hochzeit mit einem Industriellen, dem sehr ehrwürdigen ‘Medaillienonkel’ ankündigen. Aber Soukey sieht ihre Zukunft anders. Sie möchte ihr Studium fortführen und ist in einen anderen Mann verliebt: in Mandou, einen jungen Doktor des Zivilrechts, der gerade aus Paris kommt. Mit Hilfe ihrer Freunde wird sie alles unternehmen, um ihre Verlobung rückgängig zu machen. Aber glücklicherweise entscheidet das Schicksal anders, denn noch bevor der Komplott beginnt, kündigt das Radio die Verhaftung und Gefängnisstrafe von ‘Touton Medailles’, dem ‘Medaillienonkel’ an, wegen ‘zu schneller Bereicherung’. Soukey jubelt, ihre Eltern sind verzweifelt; vorbei ist es mit der Villa, den Autos und der Sicherheit.

Die triumphierenden Kinder vergeben ihren irregeleiteten Eltern und zwingen sie, der Farandole zu folgen, die über den Umweg zum Gefängnis Onkel Gueye befreit, der sich dem Gefolge anschließt, um am Strand die Liebe von Soukey und Madou zu feiern.

Jean Rouch hat die von TamSir Doueb im ‘Café de la Danse’ in Paris aufgeführte musikalische Komödie in die Straßen von Dakar verlegt. Ein Versuch, “italienisches Szenentheater und Straßentheater mit dem Wind, dem Meer und der Sonne” zu versöhnen. Dabei wurden die Regeln eines Dokumentarfilms respektiert, nur eine Aufnahme pro Szene gemacht, ohne Wiederholung. Ein Film, in dem alle Sprachen vom Französischen bis zum Mossi, von Wolof bis Bambara gesprochen werden und der von der Liebe handelt.

A PROPOS DE TRISTES TROPIQUES

Der brasilianische Filmemacher Jorge Bodanzky und der französisiche Anthropologe Patrick Menget machen sich auf die Suche nach den Spuren von Claude Levi-Strauss. Die beiden Autoren wollten dabei keinen Dokumentarfilm über die Nambikwara, die Kaduveo und die Bororos machen, dort wo der junge Levi-Strauss 1935/36 arbeitete.
In der Biographie von Levi-Strauss erscheint die Erfahrung der ‘Feldforschung’wie ein grausamer Moment. Auf seiner Reise - beschrieben in ‘Traurige Tropen’ -, wo sich Ethnographie und Philosophie vermischen, enthüllt sich der Schriftsteller Levi-Strauss in dem er uns am Elend der ‘Feldforschung’ teilhaben läßt. Das Buch wird zum Essai über die Gesellschaft, eine Meditation über die Ethnologie und die Kunst, es zwingt uns, über die verstreichende Zeit nachzudenken.

Der Film teilt sich in drei Teile auf: da sind zuerst die Zitate aus dem Buch ‘Traurige Tropen’, dann gibt es Originalaufnahmen von Levi-Strauss und seiner Frau, die sie gemeinsam 1935-36 drehten (Filme, die erst vor kurzem in der Cinömatheque von Sao Paolo wiedergefunden wurden) und die letzte Ebene besteht aus den Interviews und Kommentaren von Levi-Strauss, die er 50 Jahre danach während einer Reise durch Brasilien zusammen mit dem Präsidenten Mitterand machte.
Autoren: Claude
Levi-Strauss, Patrick Menget, J. Bodanzky


JEAN ROUCH PREMIER FILM 1947 - 1990

Es handelt sich hier gerade nicht um dem ersten Film von Rouch. Es sind von Rouch aufgenommene Bilder - genauer gesagt 13 Minuten Bildmaterial -, das von den ‘Actualites Francaises’ unter dem Titel ‘Au pays des mages noire’ (I) zusammengestellt wurden. Dazu kommt der dazugelegte kolonialistische Kommentar im Stile eines Radioreporters. Das war 1947. Heute im Jahre 1990 hat Rouch daraus wieder seinen eigenen Film gemacht: sein ‘erster Film’ wird neu kommentiert (er improvisiert einen neuen Kommentar zum Film). So wird langsam aus der Version ‘Actualites’ eine Version ‘Rouch’. Es wird auch zu einem kleinen Dokument über Rouch heute.

SUR LE TRACES DU RENARD PALE

Der Film erzählt das intellektuelle Abenteuer des Lebens von Marcel Griaule, dem eigentlichen Begründer ethnographischer Feldforschung in Frankreich, der seine wissenschaftliche Tätigkeit den Dogon zuwandte, seit er sie 1931 zum ersten mal kennenlernte. Griaule machte die Welt mit den außerordentlich komplexen Vorstellungen der Dogon bekannt, die die Ansichten vom ‘primitiven’ Afrika ad absurdum führten. Als er 1956 in Paris starb, erwiesen ihm die Dogon eine außergewöhnliche Ehre: Sie hielten für ihn in Sanga traditionelle Begräbnisfeierlichkeiten ab und bestatteten eine Puppe. Nach dieser Beschwörung der Vergangenheit wendet sich der Film den fortlaufenden wissenschaftlichen Forschungen im Dogongebiet zu. Seit 1937 war Germaine Dieterlen die engste Mitarbeiterin Griaules. Jean Rouch filmte bei den Dogon seit 1951. Wir finden beide im Januar 1983 in Sanga, wo sie einen neuen Film über den Anfang der Welt beginnen.… (M. Friedrichs et aL(Hrsg) 100 ethnographische Filme, München 1985)

SIGUI NO.1: L’ENCLUME DE YOUGO

In den Jahren 1966-1974 filmte Jean Rouch bei den Dogon in Mali das Sigui-Ritual. Es ist die rituelle Dramatisierung und damit Wiederbelebung des komplexen Schöpfungsmythos. Es findet alle 60 Jahre statt, dauert sieben Jahre, beginnt in Yougo Dogorou und wandert von Dorf zu Dorf, von der Höhe der Bandiagara-Felsen in die Ebene, wobei man in jedem Dorf eine von sieben Episoden des Mythos rituell darstellt.

Rouchs Filmzyklus besteht aus acht, überwiegend kommentarlosen Teilen von unterschiedlicher Länge: Sigui AnneeZero und Sigui No.1-7. Sigui No.1 folgt zwar der Dramaturgie des Rituals, das selbst schon Theater, Inszenierung des Mythos ist, erzählt seine Geschichte jedoch mit filmischen Mitteln. Der Film ist beispielsweise symmetrisch konstruiert: Am Beginn und am Ende stehen Landschaftsaufnahmen, die auf die mythische und rituelle Bedeutung der Landschaft für die Dogon verweisen. Er hat eine geschlossene Erzählstruktur, betont Exposition (die Vorbereitungen zum Fest), Höhepunkte (Schlangentanz auf dem Dorfplatz, Durchgangsritual), Schluß (das Wandern des Sigui ins Nachbardorf). Er ‘erzählt’ mit Hilfe von Zoom, des metaphorischen Einsatzes von Bildern und Tönen.

Sigui No. 1 enthält alle für Rouch typischen Stilmittel: den schnellen Schnittrhythmus; lange Sequenz-Einstellungen mit ‘Montage in der Kamera’, bei der Einstellungsgrößen und Kamerapositionen durch Zoom, Schwenks und Gänge variiert werden; die bewegte, ja tanzende Kamera, von der Rouch sagt, daß er mit der Bewegung Bilder ‘malen’ möchte; die fragmentarischen Bildausschnitte; die subjektiven Perspektiven; die improvisierte Suche nach Bildern; die Betonung des Rätselhaften. Rouch will die geheimnisvolle Schönheit von Mythos und Ritual bewahren, will beim Zuschauer Fragen provozieren, keine einfachen Antworten geben.

POSSESSION

Die Islamisierung hat in Mali schon vor Jahrhunderten begonnen und gewinnt in heutigen Tagen zunehmend an Einfluß. In den Mynyanka-Dörfern jedoch, spielen Besessenheitskulte immer noch eine gewichtige Rolle. Die Besessenen verlieren die Kontrolle über sich, fallen in Trance, und die Mächte ‘Nya’ und ‘Nankon’ sprechen durch ihre Münder.