A DECENT FACTORY

In einer zunehmend globalisierten Weltwirtschaft setzen immer mehr Unternehmen auf Outsourcing und verlagern ihre Produktion in Billiglohnländer, in denen die Arbeitnehmerrechte weniger geschützt sind. Manche Manager sind allerdings bemüht, Gewinnorientierung und gesellschaftliche Verantwortung miteinander zu vereinbaren, ob nun aus einem eigenen moralischen Bewusstsein heraus oder weil sie den Wertvorstellungen ihrer Investoren und Aktionäre Rechnung tragen müssen.

A DECENT FACTORY stellt ein Projekt vor, in dem man diesen Anspruch umzusetzen versucht. Der finnische Elektronikkonzern Nokia schickt ein Team los, das von zwei Beratern für Unternehmensethik geleitet wird und die Arbeitsbedingungen in einer chinesischen Zulieferfabrik für Nokia prüfen soll. Der Filmemacher Thomas Balmès, der drei Jahre lang zu dem Themenkomplex recherchiert hat, begleitet das Team auf seiner Inspektionsreise. Der Film zeichnet detailliert und fesselnd die Recherchen nach, die das Team, mit Unterstützung der europäischen und chinesischen Betriebsleitung, in der Fabrik anstellt, indem es Arbeitsbedingungen, Sicherheitsvorkehrungen, die Lohnbuchhaltung und mögliche Umweltrisiken unter die Lupe nimmt. Zur Inspektion gehören auch Interviews mit der Betriebsleitung und mit einigen der jungen chinesischen Arbeitnehmerinnen, die auf dem Fabrikgelände in Gruppenunterkünften wohnen. Der Abschlußbericht an die Leitung von Nokia führt zahlreiche Punkte auf, in denen die Fabrik sogar gegen die vergleichsweise laxen chinesischen Gesetze bezüglich Mindestlöhnen und Arbeitsbedingungen verstößt, und stellt Nokia vor ein Dilemma, dem sich heute eine wachsende Zahl westlicher Unternehmen gegenübersieht: Wie ist es möglich, Profitstreben und gesellschaftliche Verantwortung miteinander in Einklang zu bringen?

Thomas Balmès, 1969 in Paris geboren. Ein Schwerpunkt seines Schaffens liegt in der Beschäftigung mit der Hegemonie von Kultur, Religion und Werten des Westens. Filme: BOSNIA HOTEL (1996); MAHARAJA BURGER (1997); THE GOSPEL ACCORDING TO THE PAPUANS (1999); WAITING FOR JESUS (2000); CHRIST COMES TO THE PAPUANS (2001); A DECENT FACTORY (2004).

PINK SARIS

Das Leben eines Mädchens ist grausam, das einer Frau grausamer“, bemerkt Sampat Pal, die Protagonistin vom Kim Longinottos PINK SARIS über das Leben einer Reihe von außergewöhnlichen Frauen. Sampat Pal ist die Anführerin der „Gulabi Gang“, einer Art Frauen-Bürgerwehr im nordindischen Staat Uttar Pradesh, aufgrund ihrer Kleidung, eines pinkfarbenen Sari, auch als „Pink Gang“ bekannt. Hier wird aufgrund tief verwurzelter Traditionen nach wie vor Kinderheirat, Ehrenmord wegen unzureichender Mitgift und Missbrauch durch Ehemänner und Schwiegereltern geduldet. Wie so viele andere wurde auch Sampat Pal als junges Mädchen verheiratet und geschlagen. Doch sie wehrte sich, verließ das Heim ihrer Schwiegereltern und wurde schließlich als Verfechterin für bedrängte Frauen in ganz Uttar Pradesh berühmt, von denen sich heute viele bei ihr ein53 finden. So zum Beispiel Rekha, eine 14jährige „Unberührbare“, die im dritten Monat schwanger und heimatlos ist. Da sie einer niedrigen Kaste angehört, darf sie den Vater ihres ungeborenen Kindes nicht heiraten. Die 15jährige Renu wiederum wurde von dem Mann, mit dem sie zwangsverheiratet worden war, verlassen und droht, sich umzubringen. Die einzige Hoffnung der beiden verzweifelten jungen Frauen ist Sampat Pal.

PINK SARIS wirft einen unerschrockenen Blick auf diese ungewöhnlichen politischen Aktivistinnen und deren charismatische Anführerin. In außergewöhnlichen Szenen verfolgen wir, wie sich Sampat Pal immer wieder mitten in Familiendramen einmischt, überzeugt davon, dass ihre Vermittlung der beste Weg für diese leicht verletzbaren Mädchen ist. (Carol Nahra)
Kim Longinottos geniale Kunst liegt in der vornehmen Begabung, Themen glaubwürdig aufzubauen sowie in einer tiefen Sensibilität gegenüber kulturellen Zusammenhängen. Dieses Zusammenspiel führt zu einer Intimität, die Feinheiten und Verflechtungen von ganz besonderer Wirkung ermöglicht. (Sundance Film Festival)

Kim Longinotto zählt zu den erfolgreichsten britischen Dokumentarfilmerinnen. Sie studierte Kamera und Regie an der Englands National Film School (NFS). Für ihre Filme erhielt sie zahlreiche internationale Auszeichnungen. Filme (Auswahl): ROUGH AUNTIES (2008), HOLD ME TIGHT, LET ME GO (2007), SISTERS IN LAW (2005), THE DAY I WILL NEVER FORGET (2003), DIVORCE IRANIAN STYLE (1998), SHINJUKU BOYS (1995), DREAM GIRLS (1993).

Moving is a blessing

Nachdem meine Eltern Gulzar und Shwan 20 Jahren in Holland gelebt haben, zieht es sie heute zurück nach Kurdistan. In den 90ern entkamen sie dort dem Irakischen Regime und möchten nun, da das irakische Kurdistan als sicher gilt, zurück in ihre Heimat. Heute prägt die anhaltende Bedrohung durch den sogenannten Islamischen Staat das soziale und politische Klima der Region. In HARAKA BARAKA folge ich meinen Eltern bei der Rückkehr in ihr Heimatland und stelle immer wieder Fragen nach Zugehörigkeit, Vergänglichkeit und der ständigen Orientierung nach neuen Horizonten” (Lana Askari)

Strange Beasts

STRANGE BEASTS ist die sinnliche Erkundung der Abläufe einer Milchfarm in den Außenbezirken von Bowland Fells in North Yorkshire. Mithilfe experimenteller Klanglandschaften und Kontakt-Mikrophone wird die Kamera zu einer stillen Zeugin, während im Melkstand Geschäftigkeit herrscht, die Landschaft vom Schwirren elektrischer Drähte erfüllt ist und mit dem Ruck einer Leine ein Kälbchen das Licht der Welt erblickt.

Behind the wheel

Tadschikistan gehört zu den Ländern, die weltweit am meisten von Auslandsüberweisungen abhängig sind. Jedes Jahr verlassen hunderttausende Arbeiter auf der Suche nach einer Anstellung das Land. Das zurückgeschickte Geld ist wesentlicher Motor der dortigen Wirtschaft, doch der Boom hat auch seine Schattenseiten: Vorwiegend Männer verlassen das Land zum Arbeiten und hinterlassen ein Tadschikistan mit überdurchschnittlicher Frauenquote. Nigora bleibt allein zurück, während ihr Mann im Ausland nicht genug Geld verdient und sie mit einer anderen Frau betrügt. Kurzerhand macht sie sich als Automechanikerin selbstständig und bricht mit Gendernormen und gängigen Frauenbildern.

Photo Wallahs

Photo Wallahs‘ sind die Fotografen von Mussoorie, einem Ort im Vorgebirge des Himalaya, das einst wohlhabende indische Prinzen und britische Gesandten anzog und heute vor allem von Touristen besucht wird. In schillernden Szenen mit Fotografen und Kunden, einheimischen Besitzern alter Fotografien und diesen Fotografien selbst zeigt der Film das Metier als Kunst und als Geschäft, als Medium der Realität, der Phantasie, der Erinnerung und des Verlangens.

Zuerst einmal und vielleicht vor allem, ist dies ein Film über die Vielfalt der Bedeutungen, die Fotos für Menschen haben können, und das betrifft viele Kulturen. Es gibt bezeichnende Unterschiede zwischen Fotografie in Indien und anderswo, aber es ist wichtig, sie nicht über zu bewerten. Es wäre falsch, indische Kultur wie auch indische Fotografie als isoliertes und einförmiges Phänomen zu betrachten. Fotografische Stilvarianten, die charakteristisch für Indien zu sein scheinen, kann man auch im Westen finden, und sicherlich beeinflusst der westliche Stil die indische Fotografie…“ (David MacDougall, Forum Berlin 1992)