BALKAN PORTRAITS

Die BALKAN PORTRAITS sind fünf unterschiedliche Portraitkurzfilme aus einem community based video project. Sie entstanden aus einem Seminar für Visuelle Anthropologie, das Asen Balikci mit fünf jungen einheimischen Teilnehmern aus dem multikulturellen Gebiet Gotze Delchevs, im Südwesten von Bulgarien, durchführte. Nach der Einweisung in die Methoden der Visuellen Anthropologie und in die Videotechnik wurden die einheimischen Teilnehmer (zwei christliche Bulgaren, ein Roma und zwei bulgarische Muslime) dazu aufgefordert, jeweils einen Film über ein Thema ihrer Wahl zu produzieren.
Das Ziel des Projekts war es, die einheimischen Videomacher zu ermutigen, ihre Wahrnehmung der eigenen Gemeinschaft filmisch auszudrücken.

Asen Balikci ist Ethnologe und Filmemacher. Er lehrte an der University of Montreal in Kanada. Er ist bulgarisch-türkischer Herkunft, schloß seine Schulausbildung in der Schweiz ab und studierte in den USA. Neben seinen Feldaufenthalten in der Arktis, arbeitete Balikci auch in Afghanistan, Äthiopien, Mexiko, Sibirien und Bulgarien. Seit einigen Jahren lebt und lehrt er in Sofia, Bulgarien. Er realisierte u.a. die berühmte NETSILIK ESKIMO Serie (1970-1978) über eine Inuit-Gemeinschaft in Kanada.

ALPHABET OF HOPE

Ein Stück einsames, bergiges Land entlang der bulgarisch-griechisch-türkischen Grenze, ein paar Kilometer lang und wenige hundert Meter breit. Kaum jemand lebt hier noch, seit die bulgarische Regierung in den 1980er Jahren eine radikale Christianisierung durchzusetzen versuchte, die so weit ging, dass Türken slawische Namen annehmen mussten. Die meisten Bewohner flohen in die Türkei. Der Film konzentriert sich auf einige wenige christliche und muslimische Familien, die hier noch leben und alle Strapazen auf sich nehmen, um ihren Kindern eine ausreichende Erziehung zu sichern. Da fast alle Schulen geschlossen wurden, müssen die Kinder täglich bis zu 140 Kilometer zur letzten noch bestehenden Schule fahren – im Morgengrauen, im Lastwagen, bei Regen und bei Schnee. Dort lernen sie alle zusammen: Bulgaren, Türken, Roma. Der gegenseitige Respekt für den anderen Glauben, aber auch Identifikationsfiguren wie ein Lastwagenfahrer und der örtliche Arzt, geben den Eltern und den Kindern die Hoffnung, auch in Zukunft gemeinsam in dieser abgeschiedenen Gegend leben zu können.

Stephan Komandarev, geboren 1966. Medizinstudium, Filmstudium an der Neuen Bulgarischen Universität in Sofia. Filme: DOG’S HOME (2000); THE WAY OF HARMONY (2002); BREAD OVER THE FENCE (2002); ALPHABET OF HOPE (2003).

WHOSE IS THIS SONG?

Wir aßen in einem netten kleinen Restaurant in Istanbul zu Abend. Wir, das war eine Gruppe von Freundinnen aus verschiedenen Balkanländern – eine Griechin, eine Mazedonierin, ein Türkin, eine Serbin und ich, eine Bulgarin. Dort hörte ich das Lied, dessen Geschichte im Film erzählt wird. Als wir das Lied hörten, fingen wir alle an, es mitzusummen, jede in ihrer eigenen Sprache. Jede behauptete, das Lied käme aus ihrem Land. Ein heftiger Streit entbrannte – wessen Lied ist das? Aus meiner Kindheit wusste ich, dass das ein bulgarisches Lied war. Ich wollte herausfinden, warum auch die anderen behaupteten, dass das Lied ursprünglich ihres sei.”

WHOSE IS THIS SONG? ist ein Roadmovie voller Ironie und bissigem Witz, der uns durch die Länder des Balkan führt. Die Geschichte eines Liedes, das alle für sich beanspruchen, spiegelt als ein Mikrokosmos die unseligen ethnischen Rivalitäten der Region wider. Auf ihrer Reise durch die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Albanien, Bosnien, Serbien und Bulgarien geht Adela Peeva den vielen Behauptungen zur nationalen Herkunft des Liedes nach. Nebenbei macht sie auch deutlich, in wie vielen unterschiedlichen Liedgattungen die beschwingte Melodie auftaucht, etwa im Liebeslied, im Kirchenlied oder im patriotischen Lied. Preise: Mumbai International Film Festival

Adela Peeva, studierte in Belgrad und arbeitet in Sofia. Filme (Auswahl): CHRISTMAS IN SERBIA (1994); THE RIGHT TO CHOOSE (1994); PATRIARCHEN, POPEN UND PROTESTE (1997); THE UNWANTED (2000); BORN FROM THE ASHES (2001); WHOSE IS THIS SONG? (2003).

Ritual Journeys

RITUAL JOURNEYS ist das filmische Portrait des 80 Jahre alten Lepcha Schamanen Merayk. Er lebt mit seiner Familie in Dzongu, einem Lepcha Reservat in Nord Sikkim (OstHimalaya). Merayk übt Heilungsrituale für Einzelne aus, aber ebenso Rituale für das Wohlbefinden der Hausgemeinschaft, des Clans oder des Dorfes. Mit der Kamera folgt Dawa Lepcha dem Schamanen in seinen Alltag und beobachtet ihn bei der Ausübung der Rituale. Die Filmaufnahmen entstanden zwischen 2003 und 2010.

Anna Balikci Denjongpa ist Anthropologin und Research Coordinator am Namgyal Institute of Tibetology in Indien (www.tibetology.net). Ihr Buch „Lamas, Shamans and Ancestors: Village Religion in Sikkim“ erschien 2008 im Verlag Brill Academic Pub.
freiburger film forum 2011
2011