Installation: Erinnerungen der Dinge

2 Kanal Video-Installation
Eine Produktion des Museums der Kulturen, Basel

Museen stehen an einer Schnittstelle von öffentlicher und privater Erinnerungskultur. An Museumssammlungen werden nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse und kulturpolitische Interessen ausgehandelt, sie bergen auch zahlreiche persönliche Erinnerungen. Die Video-Installation ERINNERUNGEN DER DINGE zeigt eine Delegation von Vertretern brasilianischer Tuparí bei ihrem Besuch ethnologischer Sammlungen 2009 in Europa. Diesen Bildern der Begegnungen der Tuparí mit den Objekten und Dokumenten ihrer Vorfahren in europäischen Archivräumen werden Aufnahmen aus ihrem Dorf gegenübergestellt. Wie wird Kultur bewahrt? Was bedeuten uns Objekte? Wer sind ihre Repräsentanten?

Gilda Brasileiro - Against Oblivion

Eigentlich ist Gilda Brasileiro eine Zugereiste in ihrem Dorf im atlantischen Regenwald. Umso empörender findet die Afrobrasilianerin, dass sich niemand für die Geschichte des Ortes interessiert, durch den im 19. Jahrhundert eine geheime Sklavenroute verlief. Es existiert sogar noch ein intaktes Sklavenhaus, welches als kleines Museum genutzt wird. In der Erzählung des Besitzers kommen die Sklaven allerdings nicht vor. Da sich kaum jemand erinnern mag, sucht Gilda nach Beweisen. Im Archiv von São Paulo stößt sie auf Belege, dass, 50 Jahre nach dem Ausstieg Brasiliens aus dem transatlantischen Sklavenhandel 1831, ein katholischer Pater einen Weg durch das Dickicht schlagen ließ und mit dem Verkauf illegaler Arbeitskräfte an die Kaffeeplantagenbesitzer gute Geschäfte machte. Da auch das niemand weiter aufregt, beginnt Gilda filmisch festzuhalten, was nicht in Vergessenheit geraten soll. Im Unterholz suchen sie und ihr Kameramann nach den Spuren der kriminellen Vergangenheit.

Angesteckt von der Hartnäckigkeit ihrer Protagonistin beginnen die zwei Regisseure ihre eigene Erinnerungsarbeit und stoßen auf historische Fotografien von Marc Ferrez, der einzigartige Dokumente von den brasilianischen Kaffeeplantagen im 19. Jahrhundert schuf.

Waiting for the Carnival

Die Kleinstadt Toritama im kargen Nordosten Brasiliens deklariert sich selbst als „Capital do Jeans“. Millionen Jeanshosen werden dort pro Jahr produziert, meist in kleinen Manufakturen, betrieben von Familien, stolz auf ihre Selbständigkeit, die eigentlich Selbstausbeutung ist. Auf der Suche nach seinen Kindheitserinnerungen an diesen Ort findet der Regisseur das unablässige Rattern der Nähmaschinen, die nur einmal im Jahr verstummen, wenn alle zum Karneval ans Meer fahren. Früher lebten die Einwohner von Landwirtschaft und Kleinhandel. Heute verheißt der industrielle Aufschwung im Schwellenland Brasilien Wohlstand und Wohlergehen, was angesichts der Rackerei in der Jeansproduktion sichtlich in Frage steht. An den Tagen vor Karneval landet mancher Kühlschrank oder Fernseher beim Pfandleiher, um das Vergnügen am Meer möglich zu machen.

Der Film aber wertet nicht. Marcelo Gomes gibt den Menschen Raum, vor und mit der Kamera zu agieren, zeigt Arbeits- und Lebensumstände heute und gleicht sie mit seinen Erinnerungen ab. Sein essayistischer Ansatz lässt so magisch-reale Momente entstehen, die den Preis vergegenwärtigen, den diese Produktion im Namen des Fortschritts mit sich bringt.

 

Kayapo: WOMEN’S CEREMONY

Eine außergewöhnliche Zeremonie, die Frauen anläßlich der Verleihung von Ehrennamen an kleine Mädchen in dem Kayapo-Dorf Kubenkakre durchführen.

Kamera und Schnitt dieses Videos offenbaren eindringlich den Zusammenhang zwischen dem Ritual und seiner filmischen Umsetzung.

Kayapo: PEACE BETWEEN CHIEFS

Die Kontroverse zweier führender Kayapo Häuptlinge wird bei einem Treffen der Führer in dem Dorf A’ukre beigelegt: durch einen formalisierten und doch ironischen Disput zwischen den Kayapoführern und den zu Besuch weilenden brasilianischen Beamten, sowie verschiedener Tanzzeremonien.

PIERRE FATUMBI VERGER - MENSAGEIRO ENTRE DOIS MUNDOS

Dokumentarfilm über Leben und Arbeit des französischen Ethnographen und Fotografen Pierre Verger (geboren 1902 in Paris/Frankreich, gestorben 1996 in Salvador de Bahia/Brasilien), dessen Untersuchungen wechselseitige kulturelle Einflüsse zwischen Brasilien und Benin sowie Nigeria in Afrika aufdeckten: Dies sind die Traditionen, die durch die schwarzen Sklaven von Afrika nach Brasilien gebracht wurden, aber auch – und hier liegt die Originalität seiner Arbeit – die brasilianischen Einflüsse, die von ehemaligen, heimkehrenden Sklaven nach Afrika zurückgebracht wurden.

Gilberto Gil, Brasiliens berühmtester afrikanisch-brasilianische Musiker präsentiert und kommentiert den Film, der in Benin, Paris, Salvador de Bahia und Rio de Janeiro gedreht wurde. Er enthält auch das letzte Interview mit Pierre Verger, das er Gilberto Gil einen Tag vor seinem Tod gab.

Luiz Buarque de Hollanda wurde 1963 in Rio de Janeiro geboren. Dort studierte er Anthropologie und in New York Film. Neben Werbefilmen drehte er bisher Dokumentarfilme über brasilianische Stars wie Milton Nascimento, Gilberto Gil und Marisa Monte.

A ARCA DOS ZO’E

Die Waiãpi wie auch die Zo’é sind brasilianische Indigene. Sie gehören beide zur Sprachgruppe der Tupi und ihre Traditionen sind sich in vielem sehr ähnlich. Aber während die Waiãpi schon seit mehr als 20 Jahren in engem Kontakt mit den Weißen stehen, haben die Zo’é gerade ihre ersten Erfahrungen mit ihnen gemacht.

Durch das »Video in the Villages«-Projekt des »Centro de Trabalho Indigenista« haben die Waiãpi die Zo’é via Videoaufnahmen »kennengelernt«. Sie haben dabei Lebensweisen entdeckt, wie sie sie aus oralen Erzählungen über ihre Vorfahren kennen. Waiwai, ein Chef der Waiãpi, hat den Zo’é mit einer kleinen Filmcrew einen Besuch abgestattet.

In BESUCH BEI DEN VORFAHREN erzählt Waiwai seinen Leuten von den bei seinem Besuch gemachten Erfahrungen und erläutert ihnen die dabei gemachten Videoaufnahmen.

O ESPIRITO DA TV

Dokumentation über die Einführung des Videos bei den Waiãpi im Rahmen des Projektes »Video in the village«.

CONFIDÊNCIAS DO RIO DAS MORTES

GESPRÄCHE AM FLUß DES TODES ist ein sensibles Zeugnis über die Beziehungen zwischen Menschen, ihrer natürlichen Umgebung, ihrer Arbeit und der Geschichte. Es stützt sich auf orale Geschichten, so wie sie von Generation zu Generation weitergegeben werden. Es entsteht ein Bild von dem was übriggeblieben ist, sei es real oder in der Vorstellung der überlebenden Bevölkerung in den Städten, den Dörfern, den Quilombos (Verstecke für geflohene oder rebellische schwarze Sklaven) und den indianischen Dörfern am »Rio das Mortes«, einer Goldgräber-Region in der brasilianischen Provinz Minas Gerais. In der Gegenüberstellung der sehr persönlichen Aussagen von Nachfahren der schwarzen Sklaven, der indianischen Bevölkerung und der weißen Kolonisatoren eröffnet sich die reiche und widerspruchsvolle Geschichte dieser kulturellen Landschaft.

Paschoal Samora wurde am 24. Mai 1968 in São Paulo geboren. Er studierte Film an der »Fundação Armando Alvares Penteado«. Er arbeitet als Regisseur, Produzent, Autor und Kameramann. Filme: LET THE SUN SHINE S-8 (1997); 3 PLATEAUS AND 1 BALLOON (1998); FRONTEIRAS (1998)

Sehnsucht nach der Zukunft

Der Film beginnt mit der Luftansicht einer Stadt in der Nacht. Eine Stimme singt in einem sehr schnellen Rhythmus. Am Tag steigen wir dann auf die Erde hinunter. Der Sänger ist auf der Straße und schreit die Zukunft heraus, die ihm blüht: ein Leben als Arbeitsloser, der von der Geschäftswelt zermalmt wird. Diese ‘cantadores’ aus dem Nordeste führen eine jahrhundertealte mündliche Tradition weiter, ihre Lieder handeln aber von der Gegenwart und beschreiben die heutige Stadt. Schon immer haben die Großstädte Südbrasiliens die Bewohner der ärmeren Bundesstaaten des Nordostens angezogen. Einige schaffen es, andere nicht. Aber alle bleiben »Nordestinos«. Im Rhythmus der »repentes« – improvisierter musikalischer Reime und Wortgefechte – erzählen diese Migranten mit Humor und Spott von São Paulo und seiner Zukunft. Vor allem reden sie von ihrer eigenen Zukunft, die viel weniger rosig ist.

Die Kunst der Filmemacher Marie-Clémence und Cesar Paes kommt in den magischen Momenten zum Ausdruck, die uns die strengen Regeln der »Turniere« verstehen und uns so tief in die Stadt und ihr Inneres eindringen lassen, so dass sie uns vertraut werden. Cesar Paes lädt uns in sein Land ein, um uns ins Herz einer lebendigen Kultur zu führen.

Cesar Paes, geb. 1955 in Brasilien, Autor, Regisseur und Kameramann, lebt seit 1980 in Paris. 1988 gründete er mit seiner Frau Marie-Clémence die Produktionsfirma lateritproductions, mit der sie Dokumentarfilme realisieren, u.a.: ANGANOANGANOTALES FROM MADAGASCAR (1989); AOS GUERREIROS DO SILENCIO (1992); LE BOUILLON D’AWARA (1996).