MAMI WATA - Der Geist der weissen Frau

Unsere Arbeit ist ein schwieriges Ding. Nur wer sich nicht auskennt, sagt, es sei ein Spiel. Doch für uns, die wir damit geboren sind, wird es zum Schicksal” (Mami Wata, Priesterin Adjoko).

Zu Beginn seiner Initiation stirbt Kanyi den rituellen Tod. Er verbringt drei Wochen in Adjokos Kultgehöft. Danach kehrt er als neuer Mensch gleichsam aus der Wildnis zurück und tanzt in den Kleidern der weissen Frau, er darf sich nun Mamissi nennen: Priester von Mami.

Ein nächtliches Besessenheitsritual: das Geistertanzen. Die ‘unkultivierten Geister’ der Natur, der Wildnis und der Fremde ergreifen von der Tänzerin Besitz. Zu sehen sind das Krokodil, der Pockengeist, der Kriegsfürst eines Nachbarvolkes und die fremde weisse Frau. Mit der Frisur nach Art der Damen aus Europa stelzt sie über den Platz, lüpft dabei immer wieder den Rock und grüßt die Zuschauer mit militärischer Strenge.

Zwischen den Ritualen sprechen Mami Wata-Priester über ihre persönlichen Erfahrungen und über ihre Deutung einzelner Aspekte des Kults. Der Film wurde 1986 im Rahmen eines zwölfmonatigen Forschungsprojektes der Autoren über den Mami Wata-Kult in Togo gedreht. Er nähert sich dem Thema, indem er die Sehweisen und Deutungen der Kultmitglieder aufspürt und darstellt, ohne dabei die Chancen des fremden Blicks zu verspielen.
(Festival Katalog 1989)

FUTURE REMEMBRANCE

In Ghana hat die Photographie eine lange Tradition. Sie stellt einen integralen Bestandteil des alltäglichen Lebens dar. Im kleinen Photostudio – oft nicht mehr, als eine mit Hintergrundkulissen gefüllte Wellblechbaracke – trifft man sich, um den neuesten modischen Chic vorzuführen oder mit einem längst verlorenen Freund zu posieren. Später braucht man das Photo vielleicht, um eine Steinskulptur anfertigen zu lassen oder ein lebensgroßes Portrait auf das Grab zu malen. Philip Kwame Apagya der Besitzer von “P.K.’s Normal Photo Studio” zeigt uns seine gemalten Studiohintergründe; perfekte Raumteiler, von denen manche meinen sie seien “echt” oder das Haus im Hintergrund, das aussieht, als sei es ihres. Apagya nimmt uns mit zum Photolabor, der neuesten technischen Errungenschaft in Ghana und zu den “Wait & Get” – Straßenphotographen, die immer noch im Kontaktverfahren Passbilder herstellen. Stephen Zanoo erklärt uns seine Grabkunst und der Bodybuilder Jasper seine Videowerbeplakate, die er nach den Photographien von Muskelmännern zeichnet. Photographie in Ghana zeigt beides, die Wirklichkeit der Illusion und die Illusion von Wirklichkeit.

Tobias Wendl, Ethnologe und Filmemacher, mehrjährige Forschungsaufenthalte in Ghana und Togo, Leiter des Afrikazentrums Iwalewa-Haus der Universität Bayreuth. Nancy du Plessis Ethnologin und Filmemacherin, lebt in München.

Petatrotro - Die Besessenen tanzen ihre Geister

Anläßlich der Jahreswende feiern die Vodu-Kultgemeinden der Ewe an der Küste Togos das Petatrotro-Fest. Es ist den Mächten einer unkultivierten und bedrohlichen Außenwelt gewidmet, den Mächten der Natur, der Wildnis und der Fremde. Durch Mimik und Kleidung, Schritte und Begrüßungsgesten gleicht sich jeder Tänzer an die Gestalt des Geistes an, der ihn besessen macht. Es treten auf: der Krokodilgeist, der Erd-und Pockengeist, der Kriegergeist eines Nachbarvolkes sowie Mami Wata, der Geist der Europäerin. In langen Einstellungen folgt die Kamera den Bewegungen der Tänzer. Der Film zeigt eine ausführliche Fassung des Petatrotro-Festes, das für einen Dokumentarfilm über den Mami Wata-Kult (Mami Wata - Der Geist der fremden weißen Frau) aufgenommen wurde. (Festival Katalog 1987)