MAN OF ARAN

Der Film schildert das Leben auf den Aran-Inseln vor der Westküste Irlands – wie es einmal war: das Fahren mit dem ‘curragh’ (aus einem aus Häuten gefertigten Rundboot), der ewige Kampf gegen den Wind, der spärliche Ackerbau auf unfruchtbarem, steinübersätem Land. MAN OF ARAN ist Flahertys europäische Variante zu Nanook. Er bleibt seiner Absicht treu, die Überlebensqualitäten des Menschen, ihre Würde und Humanität, die sie unter den ungünstigsten Bedingungen bewahren, zu rühmen. Dazu entwickelt er auch dieses Mal einen idealtypischen Kontext, der weniger der einer außerfilmischen Lebensweise als der einer filmischen Repräsentationsform entspricht. (Aus: ‘Die Fremden sehen’, München 1984.)

Robert J. Flahertys Filme u.a.: Nanook of the North (1919/20); Moana of the South Seas (1923/24); Story of a potter (1925); The 24 Dollar Island (1925); Tabu (1929 zus. mit Murnau); Industrial Britain (1931/32); MAN OF ARAN (1934); Louisiana Story (1948).

MOANA: A ROMANCE OF THE GOLDEN AGE

MOANA zählt zu den Stummfilmklassikern und ist in der Kultur Somoas angesiedelt, wie sie im Jahre 1923 auf der Insel Savai’i von Robert J. Flaherty vorgefunden wurde. Obwohl der Regisseur keine ethnologische Untersuchung intendierte, ist der Film aus ethnographischer Sicht doch ein authentisches Werk, wenngleich die Vision des edlen Wilden häufig durchschimmert. Der Film ist das Ergebnis eines zweijährigen Aufenthaltes in der Südsee und bevor mit den eigentlichen Dreharbeiten begonnen wurde, hatte Flaherty ein Jahr mit den Protagonisten des Filmes zusammengelebt.

MOANA ist die Geschichte des jungen Polynesiers Moana, seiner Familie, seinen Freunden und ihres Alltages. Der Film beginnt mit Szenen der Nahrungsbeschaffung: das Einsammeln von Tarowurzeln und Früchten. Der Zuschauer erfährt, wie Moana mit der Schlinge ein Wildschwein fängt und mit dem Speer fischt und wie seine Mutter Ta’ungaita aus der Rinde des Maulbeerbaumes ein Kleidungsstück herstellt, färbt und verziehrt. All dies sind Vorbereitungen auf ein großes Fest. Fa’angase ölt Moana für den ’siva’-Tanz ein. Höhepunkt des Festes ist ein Mannbarkeitsritus, eine schmerzhafte Prozedur - die Tatauierung - die Moana zu bestehen hat. Zum Schluß tanzen die Dorfbewohner vor der Tatauierungshütte und Moana und Fa’angase gemeinsam den ’siva’- Tanz.

MOANA ist ein schlichter Film, der die handelnden Charaktere nie als primitive Einfaltspinsel erscheinen läßt. Der gemächliche Lauf des Lebens der somoanischen Kultur wird in technisch faszinierenden Bildern eingefangen, und der Blick des Films bleibt immer bei den Menschen und verliert sich nie in die idyllisch und paradiesisch anmutende Südseelandschaft. (Festival Katalog 1989)

MOANA: A ROMANCE OF THE GOLDEN AGE

Eine Liebesgeschichte aus dem goldenen Zeitalter

Stummfilm mit Musikbegleitung von Günter A. Buchwald

Beeindruckt vom durchschlagenden Erfolg von NANOOK OF THE NORTH, Flahertys erstem Dokudrama in Spielfilmlänge, bestellte “Paramount Pictures” eine vergleichbare Darstellung vom Leben auf Samoa. Obwohl Flaherty über keine Südseeerfahrungen verfügte, nahm er den Auftrag an und produzierte schließlich trotz vieler Schwierigkeiten MOANA: A ROMANCE OF THE GOLDEN AGE. Beim Publikum kam das Werk nicht an, aber für diesen Film prägte der britische Filmkritiker John Grierson den Terminus “documentary”.

Für die Produktion von MOANA lebte Robert Flaherty zwei Jahre unter den Südseeinsulanern. Diese Erfahrung beschrieb er später als die wichtigste seiner Karriere. Er ließ sich mit seiner Familie auf der samoanischen Insel Savaii nieder, wo er eine kalte Quelle in einer großen Höhle entdeckt hatte, in deren Wasser er seine Negative entwickeln konnte. Flaherty hielt nach Elementen von Konflikt und Kampf Ausschau, von denen er nach seinen Erfahrungen mit NANOOK glaubte, sie seien unerlässlich zur dramaturgischen Darstellung des wirklichen Lebens. Er suchte lange und erfolglos, denn auf Savaii fanden sich keine Anzeichen eines filmisch umsetzbaren Kampfes um Nahrung und Unterkunft. Die Flahertys entschieden, ihr Film müsse “Fa’a Samoa”, das komplexe Geflecht von Sitte, Zeremonien und Tabu, das dem sozialen Leben auf Samoa zu Grunde liegt, wiedergeben. In diesem Sinne folgte Flaherty der lokalen Realität und präsentierte eine dramatische Geschichte von Samoanern, die sich, frei vom anstrengenden Kampf mit der Natur, selbst 17 Schmerzen zufügen, um ihre Männlichkeit zu beweisen. MOANA erreicht seinen Höhepunkt mit der Darstellung der traditionellen Tattooierung vom Knie bis zum Nabel, dem Übergangsritual vom Knaben zum Mann.

In MOANA traf Hollywood auf die Ethnologie und schuf eine cinematographische Referenz für das entstehende Genre der Südsee-Filme.

Robert J. Flaherty, geboren 1884. Als Sohn eines Bergbauprospektors wurde Flaherty schon als Kind auf Expeditionen in den kanadischen Norden mitgenommen. Von 19101916 arbeitete er für Sir William McKenzie, den Erbauer der Canadian Northern Railway, auf verschiedenen Expeditionen als Experte. McKenzie soll ihn zum Filmen angeregt haben. 1922 erschien sein erfolgreiches Erstlingswerk NANOOK OF THE NORTH, durch den das Genre des ethnografischen Films nachhaltig geprägt wurde. Flaherty ist 1951 gestorben. Filme: NANOOK OF THE NORTH (1922); MOANA (1926); WHITE SHADOWS ON THE SOUTH SEAS (1928, Codirector W.S.Van Dyke); TABU (1931, Codirector F.W.Murnau); MAN OF ARAN (1934); ELEPHANT BOY (1937); THE LAND (1942); LOUISIANA STORY (1948).

Nanook of the North

Ein Film der Rekonstruktion, gedreht mit den Itivimiut-Eskimos. Flaherty hielt sich mehrere Monate bei ihnen auf. Er konnte seine Filme an Ort und Stelle entwickeln und sie den Protagonisten vorführen. Dargestellt werden Szenen aus dem Leben der Eskimo, Nanook ist die Hauptfigur.

Thema des Films ist der Kampf ums Überleben in einer feindlichen Umwelt. Nanook ist der Klassiker des Dokumentarfilms, aber noch nach 60 Jahren dient er als Beleg für den Streit um die Bedeutung des Authentischen: Werden die Bilder des auf Beute wartenden Nanook dadurch weniger wahr, weil man mittlerweile weiß, dass der Fisch schon tot im Wasser liegt?
(Festival Katalog 1985)