JE VEUX VOIR

Juli 2006: Kriegsausbruch im Libanon. Ein neuer Krieg, weit mehr als ’nur’ ein weiterer Krieg. Ein Krieg, der die Friedenshoffnung und den Elan unserer Generation zerschmettert. Nach diesem unglaublich gewaltsamen Konflikt waren wir ratlos. Was tun nach all dem? Was für Bilder zeigen, die weder die eine noch die andere Seite unterstützen, sondern über den Film erneut die Frage nach dem Engagement in der Welt stellen? Wir entschlossen uns, die Frage „Was vermag das Kino?” direkt, frontal zu stellen. Wir fahren nach Beirut mit einer „Ikone“, einer Schauspielerin, die für uns das Kino verkörpert: Catherine Deneuve. Sie wird unseren Lieblingsschauspieler treffen: Rabih Mroué. Wie kann man die Sicht der Dinge verschieben, indem man zwei Schauspieler in die Realität einschmuggelt? Gemeinsam werden sie die Regionen erkunden, die im Konflikt verwüstet wurden. Wir sind am Ausgangspunkt eines unwägbaren Abenteuers…

Catherine Deneuve repräsentiert die Geschichte des Films. Und Deneuve verkörpert Intelligenz. Sie wahrt, man spürt es, stets eine angemessene Distanz. Ihre Präsenz schafft eine traumartige Atmosphäre, eine unglaubliche Vision und Erscheinung inmitten der Ruinen und Landschaften im Südlibanon. Ja, ihre Ausstrahlung ist das, was man Fiktion nennt, eine Aura, die uns erinnert an Walter Benjamins Aura-Begriff: „Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag“. Rabih Mroué haben wir gewählt, weil er die Geschichte unserer Künstlergeneration verkörpert. Er ist ein bedeutender Schauspieler, Regisseur und Dramatiker. Nicht zuletzt stammt Rabih aus einem Dorf im Südlibanon, Bint El Jbeil, das 2006 im Krieg fast restlos zerstört wurde. Seither war er nicht mehr dort – wie er selbst sagt, war er es leid zurückzugehen. Das weckte bei uns Interesse und Anteilnahme. Wir schlugen ihm also vor, mit Catherine Richtung Süden zu fahren und sein Dorf zu besuchen. In seinen eigenen Worten: „Mit ihr wird es ganz anders sein.“ Und schon befand er sich in der Welt der Bilder, neben Deneuve, obwohl er doch Bilder und Bebilderungen gegenüber großes Misstrauen hegt. (Joana Hadjithomas & Khalil Joreige)

Joana Hadjithomas & Khalil Joreige, 1969 in Beirut geboren, arbeiten zusammen als Künstler und Filmemacher. Sie drehen Spiel-und Dokumentarfilme, u.a. KHIAM (2000) und EL FILM AL MAFKOUD. Ihr Kurzfilm RAMAD, ASHES, (2003) wurde 2005 für die Academy Awards in Frankreich nominiert. Im gleichen Jahr gewann ihr Spielfilm YAWMON AKHAR 33 (A perfect day) mehrere Preise. JE VEUX VOIR wurde 2008 in Cannes vorgestellt. Zu ihren weiteren künstlerischen Projekten zählen fotografische Installationen und Videos, u.a. WONDER BEIRUT, LASTING IMAGES, THE CIRCLE OF CONFUSION. Sie veröffentlichten mehrere Publikationen und sind beide Dozenten an der Universität in Beirut. www.hadjithomasjoreige.com