The revelations of Madame Nerval
(LES ILLUMINATIONS DE MADAME NERVAL)

Charles Najman
Frankreich 1999 | 78 Min. | BetaSP, OmU

Ein Dokumentarfilm über die berühmte Madame Nerval, einer Mambo, so die kreolische Bezeichnung für Voodoo-Priesterinnen in Haiti. In ihrem Tempel empfängt sie die Einwohner von Jacmel, um ihnen therapeutische Behandlungen mit mystischen Ritualen zukommen zu lassen. Der Film ist eine Chronik des Zusammenlebens von Göttern und Menschen im Tempel von Madame Nerval. Er ist das Portrait einer großen Priesterin. Ihr Leben, ihre Träume, ihr Kontakt mit den Geistern und ihr sehr spezielles Verhältnis zu »Criminel«, dem Schutzheiligen ihres Tempels.

»Die Filmemacher, die sich für die Voodoo-Kultur auf Haiti interessieren, haben sich immer auf die spektakulären Aspekte der Trance konzentriert, anhand derer ihre Anhänger die vollkommene Verschmelzung mit einer Gottheit gleichen Geschlechts suchen. Aber es gibt ein anderes Mittel, eine Verbindung ins Jenseits aufzubauen, das viel wirksamer ist und seltener angewandt wird: die mystische Heirat. Nicht die reine geistige Verbindung, wie sie mit Eifer die Heilige Thérèse d’Avila praktiziert, sondern eine imaginäre fleischliche Verbindung mit einem göttlichen Partner des jeweils anderen Geschlechts. Der göttliche Partner zwingt ihn bzw. sie, den irdischen Partner oder die Partnerin für bestimmte Nächte zu vernachlässigen, um sich vollkommen der Ehefrau bzw. dem Ehemann im Jenseits zu widmen. In der mystischen Heirat entwickelt sich eine permanente Intimität, auch wenn die Besessenheit nur von kurzer Dauer ist.« (Luc de Heusch)

Madame Nervals Gatte im Jenseits ist »Criminel«. Er ist der Gott, der seit Generationen in ihrer Familie umgeht. Er fordert, dass sie ihn verehrt, sonst würde sie verrückt werden. Eigentlich war Madame Nerval nicht verpflichtet, ihn zu heiraten. Sie hätte sich damit begnügen können, von Zeit zu Zeit von ihm besessen zu werden, was normal wäre. Ihre mystische Heirat ist also keine erzwungene Heirat. Im Gegenteil, es ist eine glückliche Heirat. »Criminel« hat sich als ein ausgezeichneter Ehemann erwiesen, wenn man der Beteiligten glaubt: »Er ist mein Leben, mein Tod, er gibt mir alles und bedeutet mir alles. Eigentlich ist es besser, einen mystischen starken Gatten zu haben, der einem hilft, in der Misere der haitianischen Gesellschaft zu überleben.«

Charles Najman, Autor, Journalist und Regisseur. Filme u.a.: COUP DE CHALEUR (1988); LE SERMENT DU BOIS CAÏIMAN (1991); LA MEMOIRE ESTELLE SOLUBLE DANS L’EAU (1996); LES ZOMBIES (1998).