Zur Filmtrilogie von Bob Conolly und Robin Anderson

von Jutta Phillips-Krug

Die Filmemacher zeigen uns eine heutige Kultur der Papua, die im krassen Gegensatz zur westlichen Kultur steht. Die Kraft der Filme von Bob Conolly und Robin Anderson entstammen einer Nähe zu den Personen und Situationen. Das unterscheidet sie von vielen Dokumentarfilmen. Die Filmemacher haben es durch ihre langen Aufenthalte bei den Ganiga verstanden (sie sprechen fließend ‘pidgin’), sich ein Vertrauen zu schaffen, das diese Art von Filmen erst möglich machte. Es entwickelt sich eine ‘Intimität’ mit der Realität, die eher von einem Spielfilm als von einem Dokumentarfilm erwartet wird. Auch die Art, wie sie die Geschichte aufgebaut und erzählt haben, verstärkt dies.

Den Zustand, den ethnographische Filme idealtypisch festhalten wollen, zeigt der erste Teil der Leahy-Filmtrilogie von Bob Conolly und Robin Anderson: In FIRST CONTACT sieht man den Zustand vor dem Eindringen der Weißen, Wenn Conolly von ‘before contact’ und ‘after contact’ spricht, klingt das wie ‘vor dem Sündenfall’ und ’nach dem Sündenfall’ - vorher die Reinheit (der Kultur, der Rituale, der Feste), nachher die Verunreinigung.

In ihren drei Filmen aus Papua-Neuguinea, an denen sie zehn Jahr gearbeitet haben, zeigen Conolly und Anderson nicht nur 50 Jahre Geschichte Papua-Neuguineas vom ‘ersten Kontakt’ bis zur Gegenwart, sondern auch eine Geschichte der Wahrnehmung von der Konfrontation verschiedener Kulturen bis zur gemeinsamen, notwendigerweise konfliktreichen Geschichte. Im zweiten Film JOE LEIGH’S NEIGHBOURS ist der Protagonist, Joe Leigh, ein Mann mit zwei Identitäten: er lebt gleichzeitig als wohlhabender Geschäftsmann und als Stammesautorität bei den ‘Ganiga’.

BLACK HARVEST, der dritte Film, zeigt, was aus dem gemeinsamen Projekt von Joe und den Ganigas geworden ist. Als die Kaffee-Ernte beginnen soll, kommt niemand zur Arbeit, weil ein Stammeskrieg ausgebrochen ist, der sich monatelang hinzieht.…

Den Zusammenprall zwischen Stammeskultur und Geldkultur hält Conolly für den entscheidenden Konflikt in der Region. Auf diese Konfrontation hat er seine ganze Aufmerksamkeit gelenkt, jahrelang in der Region gelebt und mit seiner Frau gefilmt.” (die tageszeitung vom 10.12.92)