OHREN AM BAUCH

Cheri Samba - ein Maler als Journalist

Bernd Isecke, Erika Kimmel, Wolfgang Bender
Deutschland 1992 | 44 Min. | BetaSP

Der zairische Maler Cheri Samba, der seine künstlerische Karriere als Schildermaler begann, genießt eine große Popularität in seiner Heimat. 1975 eröffnete er in Kinshasa sein erstes Atelier. Die dort ausgestellten Bilder verursachten, nach eigenem Bekunden, immer wieder Volksaufläufe. Trotzdem können heute seine satirischen und gesellschaftskritischen Bilder in Kinshasa nur in den Arbeitsräumen des Nationalmuseums angesehen werden. Das Hauptthema seiner Gemälde sind die Beziehungen zwischen Mann und Frau. Es wird nichts ausgelassen: Eifersuchtsszenen, Seitensprünge, Prostitution, der Traum von der ewigen Jugend und immerwährender Potenz und natürlich - Aids. Die kurzen Bildergeschichten spielen oft im städtischen Milieu in der Umgebung des Künstlers und häufig spiegeln sie ironisiert den aktuellen moralisierenden Diskurs der zairischen Gesellschaft wieder. So offenbart sich Chéri Samba in dem Querschnitt seiner künstlerischen Produktion als Karikaturist, politischer Kommentator und Archivar populärer Ereignisse in einem.

In dem Film werden Klischees über afrikanische Künstler in Frage gestellt: Cheri Samba ist ein “Weltkünstler” unserer Tage, der als international anerkannter Meister zwischen den Galerien Amerikas und Europas hin- und herpendelt. Das Filmteam begleitet ihn bei seiner Arbeit in seinem Pariser Atelier und bei einem Besuch in seinem Heimatdorf. Der “Mann auf der Straße” in Kinshasa, sowie Kunstfachleute beziehen Stellung zu der einzigartigen Karriere des Künstlers - er besitzt das Image eines “Stars”.