Seit nahezu 60 Jahren ist der Nahost-Konflikt ein “ungelöstes Dauerproblem”. Israelische FilmemacherInnen haben diesen Konflikt immer wieder in ihren Arbeiten reflektiert. Die meisten dieser Filme zeichnen sich durch eine differenzierte Sichtweise, eine selbstkritische Haltung und den Wunsch nach mehr Verständigung und einem dauerhaften Frieden aus.

Der israelische Regisseur Amos Gitai, der mit seiner unkonventionellen Erzählweise heute als eine der zentralen Figuren des israelischen Kinos gilt, hat sich seit den 70er Jahren der filmischen Verarbeitung des israelisch-palästinensischen Konflikts verschrieben. Bevor er Filme drehte, studierte Gitai Architektur. Dieses Fach wurde zum strukturierenden Element seines filmischen Schaffens. Ein Schlüsselwerk dieser Verbindung ist seine HOUSE-Trilogie, die über einen Zeitraum von 26 Jahren hinweg, die Geschichte eines Hauses in Westjerusalem und die seiner wechselnden Bewohner erzählt. Anhand dieser Geschichte durchläuft Gitai ein Labyrinth von Einzelschicksalen von Juden, Arabern, Palästinensern und Israelis. Ihre Biografien veranschaulichen zugleich den politischen Wandel in der Region. Das Haus wird zum Spiegel einer ganzen Gesellschaft. In MIKDAMOT lässt die israelischen Dokumentaristin Anat Even den wortgewaltigen Autor Yizhar Smilansky aus seiner gleichnamigen Autobiografie vorlesen eine literarische Abrechnung mit der Gründergeneration und dem zionistischen Traum.

Mit KVISH und LAYLA AFEL präsentieren wir zwei Kurzfilme israelischer Absolventen der Filmschule Sam Spiegel in Jerusalem und der Filmabteilung der Universität Tel Aviv. In jüngster Zeit erregten einige Werke dieser Schulen internationale Aufmerksamkeit und erhielten Preise auf renommierten Festivals wie Cannes, Locarno und Venedig. Das bezeugt die hochprofessionelle Ausbildung an diesen Schulen und die Fruchtbarkeit der aktuellen Filmproduktion in Israel gleichermaßen. Auffallend ist, dass viele junge FilmemacherInnen sich mit unterschiedlichen Formen von Gewalt und Willkür innerhalb der israelischen Gesellschaft beschäftigen. Auch die zwei ausgewählten Werke von Nadav Lapid und Leon Prudovsky behandeln die Spirale von Gewalt und Gegengewalt im Nahen Osten.

Demgegenüber ist der fünfte israelische Beitrag BRIDGE OVER THE WADI ein hoffnungsvoller Dokumentarfilm über Israelis und Palästinenser, die sich trotz politischer Rückschläge für Begegnung und Verständigung einsetzen. Anfang 2004 gründen arabische und israelische Eltern in einem arabischen Dorf eine Grundschule, in der ihre Kinder gemeinsam unterrichtet werden.
Neriman Bayram