Fotoausstellung

15. April - 28. Mai­ 2005  Centre Culturel Français Freiburg

Pierre Bourdieu – Images d’Algérie

Zeugnisse der Entwurzelung

Was geschieht mit einer Gesellschaft, wenn sie mit radikal neuen ökonomischen und sozialen Gegebenheiten konfrontiert wird, die allen ihren seit Generationen etablierten Spielregeln widersprechen? Mit diesem Blick schaut der junge Pierre Bourdieu auf das Land, in das er von 1955 bis 1958 als Soldat der Kolonialmacht Frankreich geschickt worden ist. ” Ich war völlig verzweifelt und unzufrieden. Es war eine Art Strafe dafür, weil ich mich kritisch gegen den Algerienkrieg und die Armee geäußert habe.” Nach seiner Dienstzeit bekommt Bourdieu eine Stelle als Assistent an der Universität Algier.

Aus seiner Ablehnung des Kriegs beginnt Bourdieu ethnologische und soziologische Feldforschung zu betreiben. Was er sieht, dokumentiert er mit der Kamera. Er will festhalten, was dem flüchtigen Blick des Betrachters vielleicht verloren ginge. So entstehen Bilder, die sich nicht mit wissenschaftlich distanzierter Beobachtung begnügen, sondern von Bourdieus Willen zur Erkenntnis und seinem Engagement für das unterdrückte Land und seine Menschen zeugen.

Die Ausstellung IMAGES d’ALGÉRIE zeigt eine gesellschaftliche Welt voller Ungleichzeitigkeiten, deren Menschen diese Entwicklung auch heute noch nicht überwunden haben. Vielleicht liegt die hier zum Ausdruck kommende Tragik Algeriens ja gerade darin, dass sie auch nach vier Jahrzehnten nichts an Aktualität und Realismus eingebüßt haben. Mitten in den Vorbereitungen zur Ausstellung ist Pierre Bourdieu am 23. Januar 2002 in Paris verstorben.

Dank der Initiative des freiburger film forum und unter der Zusammenarbeit mit dem Centre Culturel Français und dem Frankreich-Zentrum der Universität sind Bourdieus Bilder nun erstmals in Deutschland zu sehen.