von Yang Guan-hai

Die ethnologische Filmarbeit ist ein wichtiger Teilbereich der völkerkundlichen Forschungsarbeit in China. Nach der Gründung der Volksrepublik und der Einrichtung des Instituts für Völkerkunde der chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, wurden mit Unterstützung der Regierung in den unterschiedlichen Abteilungen des Instituts mehr als 20 ethnologische Filme und eine große Menge Archivmaterial über spezielle Themen gedreht. Aus diesem Material wurde der Grundstock für ein völkerkundliches Filmarchiv erstellt. Darüberhinaus haben zahlreiche lokale und überregionale Film- und Fernsehgesellschaften Filme über unsere Brudernationalitäten, deren Sitten, Kultur und Kunst produziert. Erlauben Sie mir, einen kurzen Überblick über die Filme, die vom Institut für Völkerkunde der chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften erstellt wurden zu, geben. Die chinesische völkerkundliche Filmarbeit begann 1957. Die im Laufe der letzten 30 Jahre entstandenen Filme lassen sich in drei Gruppen gliedern.

1. 15 Filme, die einen umfassenden Einblick in verschiedene Nationalitäten vermitteln, wovon 11 sich mit mit primitiven Kulturen, oder mit dem was davon noch erhalten ist beschäftigen: Die ackerbautreibenden Nationalitäten des Südens und die wildbeuterischen Gesellschaften des Nordens. Zu diesen Filmen gehören die über die “Wa-Nationalität”, “die Kuzung-Nationalität”, “die Dulun-Nationalität”, “die Jingpo-Nationalität”, “die Miao-Nationalität”, “die Li-Nationalität”, “die Deng”, “die Yiao-Nationalität in den Bergen von Da Yiao-shan”, “die Ewenken am Fluß Erguana”, “die Elunchun-Nationalität” und “die Fischerei und Jagd der Hezhe-Nationalität”. Der Film “Yi-Nationalität der Lian-shan” schildert deren Sklavesystem. Die Filme “Leibeigenschaft in Tibet”, “Leibeigenschft der Dai-Nationalität in Xishuan-bana” und “Leibeigenschaft der Xiahelek-Gemeinschaft in Xinjiang” schildern Gesellschaftstypen mit feudaler Leibeigenschaft.

2. Filme mit ausgewählten Kulturelementen, wie zum Beispiel Ehe, Familie usw.: “Die Azhu-Ehe der Naxi-Nationalität in Yun-nin”, “Die Ehe der Miao-Nationalität im Einzugsgebiet des Flusses Qin Shui-jiang”.

3. Filme mit speziellen Themen die die Kultur und Kunst nationaler Minderheiten beschreiben: “Kultur und Kunst der Naxi-Nationalität in Li-jiang”, “Kunsthandwerke der Miao-Nationalität”, “Feste der Miao-Nationalität” usw. Darüberhinaus gibt es noch eine große Menge Filme, die als Archivfilme spezielle Themen behandeln und nach ihrem wissenschaftlichen Inhalt kategorisiert werden: natürliche Umwelt, Ausbeutungsökonomie, Landwirtschaftliche Produktion, Viehzucht, Handwerk, Produktionsverhältnisse, Gewohnheitsrecht, Kleidung und Körperschmuck, Speisen und Getränke, Wohnstätten, Verkehrsmittel, Geburt, Ehe, Verwandtschaftssystem, Familien, Schrift und Bücher, Kunstwerke, Musik und Tanz, Feste, Religion, Trauer usw.

Die meisten der hier erwähnten Filme sind Mitte der fünfziger und zu Beginn der sechziger Jahre entstanden, kurz vor der Zeit der Kulturrevolution (1966). Damals bezeichnete man diese Filme als “gesellschaftshistorische wissenschaftliche Dokumentarfilme”, um den dokumentarischen und wissenschaftlichen Charakter dieser Filme zu verdeutlichen.

Die völkerkundlichen Filme Chinas haben einen hohen wissenschaftlichen Wert. So zeigt zum Beispiel der im Jahre 1957 gedrehte Film “Wa-Nationalität” den Übergang von der primitiven Gesellschaft zur Sklavengesellschaft. Neben Stammesbündnissen und Brandrodung zeigt der Film das rituelle Töten von Rindern, die spezielle Trommeltechnik, das Ritual des Abhacken des Schwanzes von Rindern und das Erbeuten von Menschenköpfen als Opfergabe. Der im selben Jahr gedrehte Film “die Li-Nationalität” berichtet über die kollektive Zusammenarbeit in der Landwirtschaft, einem Überbleibsel der primitive Kommune der Li-Nationalität, die in den Bergen Wu Zhi-shan, auf der Insel Hai Nan leben. 1959 ist der Film “die Awenke, die am Ufer des Flusses Erguna leben” gedreht worden. Dieser Film schildert das Leben der Auwenke, bei denen noch manches von ihrer frühen Lebensform erhalten war, wie Jagdzüge mit Rentieren, Distribution und Warenaustausch, Ehesitten, primitive Religion und vieles mehr. Der Film “Aulunzhun-Nationalität” (1963) zeigt das Leben dieser Volksgruppe, ihre ökonomische Organisation und ihre Führer, wie sie in den Urwäldern der Berge von Da-xingalin eine Jagd veranstalten, wie sie zusammen arbeiten und die Beute verteilen, gezeigt wird eine Gesellschaft am Übergang von der Sippenkommune zur Familien- und Dorfkommune. Der im Jahre 1960 gedrehte Film “die Kuzung” (jetzt gehören sie zur Lagu-Nationalität) schildert die Kuzung die in den Bergen Ailao-shan, der Provinz Yun-nan leben. Sie lebten lange Zeit tief im Urwald versteckt auf der Entwicklungsstufe einer patriarchalischen Stammeskommune. Die Kuzung lebten in den Weiten des Urwaldes, waren mit Bananenblättern bekleidet, aßen rohe Yamswurzeln und machten Feuer, indem sie ein Stück Bambus rieben. Gezeigt wird in diesem Film auch mit welcher Mühe die Arbeiter der Regierung unter Mithilfe anderer Nationalitäten die Kuzung in den Urwäldern gefunden haben und sie dazu brachten sich als Bauern niederzulassen. 1965 wurde der Film “Azhu-Ehe der Naxi-Nationalität in Yun-nin” gedreht. Dieser Film zeigt ein Ehesystem im Matriarchat einer primitiven Sippengesellschaft. Der Mann darf die Frau nicht mitnehmen und die Frau darf nicht zum Mann nach Hause kommen. Der Mann besucht seine Frau am Abend in ihrem Haus und am Morgen muß er das Haus wieder verlassen, das ist die Azhu-Ehe, in der die Eheleute nur halb zusammenleben. 1966 kam der Film “Kultur und Kunst der Naxi-Nationalität in ü-jiang” heraus. Er stellt uns die sehr spezielle Architektur, Schnitzerei, Wandgemälde, Handwerk, Musik, Tanz und den mit Piktographie aufgeschriebenen Dungba-Kanon. Der Film “Miao-Nationalität”, der im Jahre 1978 gedreht wurde, schildert den Verlauf eines großen Opferfestes, das nur alle 13 Jahre stattfindet, er zeigt auch Sexualkulte und alte Menschen, die lebendig begraben werden. In dem Film “Ehe der Miao-Nationalität im Einzugsgebiet des Flusses Qin Shui-jiang” (1978) sehen wir die “wandernde Liebe” dieser Nationalität: die jungen Leute wählen ihre Lieblinge durch “gegenseitiges Singen” und wenn das Mädchen ein Kind bekommt wird sie in das Haus ihres Mannes einziehen.

Die mehr als 20 ethnologischen Filme, die wir gedreht haben bieten einen guten Einblick in verschiedene Nationalitäten und ihr ökonomisches System. Darüberhinaus erfahren wir einiges über die Landwirtschaft, Jagd, Fischerei, Güteraus-tauch, Sklavenmarkt, ihren Alltag, die Ehesitten, Kultur, Kunst und Religion. Dieses lebendige Material, das die Gesellschaften nach den objektiven Gesetzen historischer Entwicklung schildert, geben ein Bild der frühen Menschheit wieder. Es soll allgemein so gewesen sein und die Reste dieser Gesellschaft sind langsam im Verschwinden begriffen. Spuren davon sind überall in der Welt nur noch schwer zu finden, bei uns jedoch sind einige noch recht vollständig erhalten geblieben. China ist ein vereinigtes Land mit einer langen Geschichte. Zur Zeit werden noch 56 nationale Minderheiten gezählt. Man kann sagen, daß wir eine Schatzkammer für ethnologische Studien besitzen und es können noch sehr viele Filme gedreht werden. Es ist sehr schade, daß bisher nur so wenig Filme realisiert wurden. Wir müssen uns aber noch mehr bemühen in Zusammenarbeit mit Experten, Gelehrten und anderen Personen innerhalb und außerhalb unseres Landes mehr und bessere ethnologische Filme zu drehen, um zu dem Schatz ethnologischer Filme unseren Beitrag zu leisten.

In China ist im Moment eine Reform der Öffnung im Gange. Wir wollen die Welt kennenlernen und die Welt soll China kennenlernen. Wir möchten unsere ethnologischen Filme der Welt zeigen und wünschen uns kritische Bemerkungen von Experten, Gelehrten und anderen Personen. Unser Ziel ist es die Zusammenarbeit mit unseren Kollegen im Ausland zu intensivieren, um bei der Herstellung ethnologischer Filme einen noch höheren Standart zu erreichen.
Beijing, Februar 1989 (Übersetzung: Yuli Feng)

Yang Guan-hai
Ich bin am 12. Dezember 1932 in einer Bauernfamilie der Bai-Nationalität, in dem Dorf Bei Yan-xi in der näher der Stadt Dali (Provinz Yun-nan) geboren. Von der Kindheit an habe ich die Erziehung der Han-Nationalität bekommen. Im April 1950 bin ich in die Militärakademie des Südwestlichen Militärbezirks eingetreten. Danach arbeitete ich als Fotokorrespondent dieses Bezirkes. 1952 wurde ich in die Kinostudios von Ba-yi versetzt und arbeitete dort als Kameramann für Dokumentar- und populärwissenschaftliche Filme. 1960 wiederum wurde ich nach Beijing (Peking) in die Studios für den Populärwissenschaftlichen Film versetzt und arbeitete als Regisseur. 1977 ging ich an das Institut für Völkerkunde der chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften und war dort Leiter und Regisseur einer Filmgruppe. Von 1957 bis heute habe ich mich hauptsächlich mit ethnologischen Filmen beschäftigt.

Ich war Dramaturg, Regisseur und Kameramann folgender Filme:
DIE WA-NATIONALITÄT
DIE KUZUNG
DIE DULUN-NATIONALITÄT
DIE AZU-EHE DER NAXI-NATIONALITÄT IN YUN-NIN
DIE ELUNCHUN-NATIONALITÄT
DIE MIAO-NATIONALITÄT
FORSCHUNG UND SITTEN UND GEBRÄUCHE DER LI-NATIONALITÄT AUF DER INSEL HAI-NAN

Insgesamt habe ich über zehn Filme gemacht. Darüberhinaus schrieb ich die Drehbücher und Kommentare der oben genannten Filme und habe das Buch “Ausgewählte Drehbücher völkerkundlicher Filme und Videos” publiziert. Weiterhin habe ich zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze in Zeitschriften veröffentlicht. Auf dem 12. internationalen Kongreß für Anthropologie und Völkerkunde schrieb ich den Aufsatz: “Die Entwicklung des völkerkundlichen Films in China”. Schließlich schrieb ich mehr als 20 Artikel, Skizzen und Reiseberichte zu Themen wie Kulturwandel, Sitten und Bräuche verschiedener Nationalitäten. (Übersetzung: Youli Feng)