DHRUPAD

Mani Kaul
Indien 1982-83 | 72 Min. | 35 mm
Zu Gast: Mani Kaul

Der Film ist einer Form der klassischen indischen Musik gewidmet, die auf das 15. Jahrhundert zurückgeht. Gleichzeitig benutzt DHRUPAD sein Thema aber auch als einen Vorwand zur dokumentarischen Gestaltung subtiler Rätsel, architektonischer Strukturen und stilisierter Formen der Ekstase. Mani Kaul, ein kompromissloser junger indischer Regisseur, entwickelt in seinem Film die ätherische Vision von Ruinen-Städten und höfischen Gärten, während er gleichzeitig die bemerkenswerten, trancegleichen Musikdarbietungen der Dagar-Brüder einfängt. Sie sind die Abkömmlinge einer Familie, die sich seit mehr als einem Dutzend Generationen mit der Dhrupad-Musik beschäftigt. (Produktionsmitteilung)

Dhrupad ist die Kurzform von Dhruva-Pad. Dhruva ist der Name des mächtigen und konstanten Gestirns am nördlichen Himmel und Pad bedeutet Komposition. Dhrupad ist eine konstante, mächtige und reine Form der indischen Musik.
Indien besitzt ein großes Erbe, das auf mehrere Jahrtausende zurückgeht. Musik ist immer persönlich gewesen - ein Musiker singt zu Haus oder am Hof des Königs für ein paar Auserwählte. Anders als die westliche Form der Symphonie ist die indische Musik etwas intim Vertrauliches, das man mit strenger Disziplin und absoluter Hingabe von einer Generation an die nächste weitergegeben hat. Die Musiker improvisierten die verschiedenen Ragas (eine einfache, auf fixierten Noten beruhende Melodie, die durch die Improvisation ausgearbeitet werden kann) mit großer Ausdauer und entwickelten ein Verhältnis zwischen dem Raga und der Umgebung. Manche Ragas sind nur für den Morgen gedacht und werden nie am Abend gesungen. Jeder Raga entspricht einer bestimmten Tageszeit. (14. Internationales Forum des Jungen Films, Berlin 1984)

DHRUPAD ist eine Meditation über Musik. Die Musikaufführung in Jaipur, der ‘rosa Stadt’ von Rajastan, korrespondiert mit dem Aufbruch ins Zeitalter der Aufklärung (…) Die morgendlichen und abendlichen Ragas scheinen die Zeit anzuhalten; die Instrumente scheinen den Raum zu erweitern. Kauls Films skizziert Schritt für Schritt die Konfiguration einer vergeistigten Trance.
(Elliot Stein, in: Cineme India-International, Jan-März 1984)