Fotoausstellung

23. April - 10. Juni 2009   Centre Culturel Français Freiburg

Andreas Seibert –
From Somewhere to Nowhere

WANDERARBEITER IN CHINA

Schätzungsweise 150 Millionen Chinesen haben ihre Dörfer in den armen ländlichen Regionen verlassen, um Arbeit in urbanen Zentren zu suchen. Allein in den boomenden Metropolen des Perlfluss-Deltas in der südchinesischen Provinz Guangdong leben heute 30 bis 40 Millionen Wanderarbeiter. Seit dem Beginn von Chinas Reformpolitik 1978 haben enorme ausländische Investitionen und rasant ansteigende Exporte das Wirtschaftswachstum im Perlfluss-Delta angetrieben. Eine Megastadt gigantischen Ausmaßes ist im Entstehen begriffen.

Seit 2002 arbeitet der Schweizer Fotograf Andreas Seibert an einer Dokumentation über die Lebens-und Arbeitsbedingungen der chinesischen Wanderarbeiter. Die meisten von ihnen finden als Bauarbeiter einen Job. 11 Stunden pro Tag und 26 Tage im Monat. Dabei verdienen sie ungefähr die Hälfte eines normalen chinesischen Arbeiters. Sie haben keine Sozialleistungen und müssen teilweise auf den Lohn warten, weil die Arbeitgeber -wenn man sie so nennen kann -mit ihnen machen können, was sie wollen. Die Mingong, die Volksarbeiter, wie man die Migranten nennt, gelten offiziell als illegal. Niederlassungsbewilligungen in den Städten kriegen die wandernden Bauern selten bis nie.
In seiner Arbeit ist Seibert Traditionalist. Er lässt sich Zeit für seine Protagonisten, fotografiert analog. So gelingt es ihm, die Würde der Menschen zu bewahren und sie nicht auf eine Opferrolle zu reduzieren. Rund 50 Ausschnitte aus dem Alltag dieser Menschen in Bewegung, ohne die es das chinesische Wirtschaftswunder wohl kaum gäbe, zeigt das freiburger film forum in den Räumen des Centre Culturel Français Freiburg am Münsterplatz, weitere 21 Arbeiten werden in den Galerieräumen des Alten Wiehrebahnhofs ausgestellt. Es ist das erste Mal, dass diese Ausstellung in Deutschland gezeigt wird.

Andreas Seibert, 1970 geboren, studierte deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Zürich, bevor er den Studiengang Fotografie an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) absolvierte. 2001 bis 2004 war er Mitglied der Agentur Lookat Photos. Seit 1997 lebt er mit seiner Familie in Tokio und arbeitet als freischaffender Fotograf für zahlreiche internationale Magazine. www.andreasseibert.com
Zur Ausstellung zeigt das film forum den 90 minütigen Dokumentarfilm “From Somewhere to Nowhere - Unterwegs durch China mit dem Fotografen Andreas Seibert” Regie: Villi Hermann.

Der englische Bildband von Andreas Seibert „From Somewhere to Nowhere“ ist bei Lars Müller Publishers (ISBN 978-3-03778-146-3) erschienen.