CANADIAN ARCTIC EXPEDITION

In diesem frühen “First Contact”-Dokument des ethnographischen Films nahm Wilkins bei einer Expedition in die Arktis Nordkanadas Bilder aus dem Alltagsleben der Inuit auf. Die Mitglieder des Expeditionsteams sind mit ihren Arbeiten in die Montage des Films mit einbezogen. Männer werden beim Beladen eines Hundeschlittens, beim Anbinden der Schlittenhunde, beim Aufbau eines Zeltes und bei der Jagd gezeigt. Aufnahmen von Arbeiten im Haushalt und der alltägliche Umgang mit den Kindern geben Einblick in das Leben der Frauen.

MOANA: A ROMANCE OF THE GOLDEN AGE

MOANA zählt zu den Stummfilmklassikern und ist in der Kultur Somoas angesiedelt, wie sie im Jahre 1923 auf der Insel Savai’i von Robert J. Flaherty vorgefunden wurde. Obwohl der Regisseur keine ethnologische Untersuchung intendierte, ist der Film aus ethnographischer Sicht doch ein authentisches Werk, wenngleich die Vision des edlen Wilden häufig durchschimmert. Der Film ist das Ergebnis eines zweijährigen Aufenthaltes in der Südsee und bevor mit den eigentlichen Dreharbeiten begonnen wurde, hatte Flaherty ein Jahr mit den Protagonisten des Filmes zusammengelebt.

MOANA ist die Geschichte des jungen Polynesiers Moana, seiner Familie, seinen Freunden und ihres Alltages. Der Film beginnt mit Szenen der Nahrungsbeschaffung: das Einsammeln von Tarowurzeln und Früchten. Der Zuschauer erfährt, wie Moana mit der Schlinge ein Wildschwein fängt und mit dem Speer fischt und wie seine Mutter Ta’ungaita aus der Rinde des Maulbeerbaumes ein Kleidungsstück herstellt, färbt und verziehrt. All dies sind Vorbereitungen auf ein großes Fest. Fa’angase ölt Moana für den ’siva’-Tanz ein. Höhepunkt des Festes ist ein Mannbarkeitsritus, eine schmerzhafte Prozedur - die Tatauierung - die Moana zu bestehen hat. Zum Schluß tanzen die Dorfbewohner vor der Tatauierungshütte und Moana und Fa’angase gemeinsam den ’siva’- Tanz.

MOANA ist ein schlichter Film, der die handelnden Charaktere nie als primitive Einfaltspinsel erscheinen läßt. Der gemächliche Lauf des Lebens der somoanischen Kultur wird in technisch faszinierenden Bildern eingefangen, und der Blick des Films bleibt immer bei den Menschen und verliert sich nie in die idyllisch und paradiesisch anmutende Südseelandschaft. (Festival Katalog 1989)

TABU

Die Geschichte einer verbotenen Liebe. Matahi entführt seine tabuisierte Geliebte Reri und flüchtet mit ihr auf eine Insel des Perlenhandels. Matahi, der bei chinesischen Händlern verschuldet ist taucht an einer gefährlichen Stelle im Meer nach Perlen. Zwischenzeitlich wird Reri ihm geraubt. Bei der Verfolgung seiner Geliebten versinkt er schweigend im Meer.

Murnaus Südsee-Film, gemeinsam mit dem von ihm bewunderten Dokumentarfilmer Robert Flaherty konzipiert und nach einer langen Kreuzfahrt durch die polynesische Inselwelt auf Tahiti gedreht. Mit Flaherty kommt es zu Auseinander -Setzungen; die Zusammenarbeit wird schließlich aufgegeben. “Inzwischen hatte Flaherty die Zusammenarbeit mit Murnau aufgegeben und kehrte desillusioniert zurück. Murnaus Briefe hatten uns auf den Bruch, der uns nicht überraschte, vorbereitet. Flahertys Erzählungen entnahmen wird, daß Murnau anfangs überzeugt gewesen sei, daß er die selben Ansichten über den Film habe wie Flaherty, den er ja doch bewunderte, aber sein ‘Meisterkomplex’ war stärker gewesen als seine Einsicht. Er war ein visueller, vom deutschen Expressionismus beeinflußter Regisseur und verwendete theatralische Effekte. Flaherty hingegen war Anthropologe und Forscher, der in epischer Breite die Einzelheiten des Lebens, der Bräuche und Kämpfe der Volksstämme schilderte, die er liebte.”

Murnau selbst wollte Regie führen. So blieb für Flaherty nur das Sujet übrig. Flaherty wollte eine Art von Dokumentarfilm im Sinne von NANOOK und MOANA, Murnau aber einen Spielfilm. Damit begannen die Schwierigkeiten. (…) Flaherty hat berichtet, Murnau habe nicht nur die polynesischen Sitten und Traditionen ‘romantisieren’ wollen, er habe auch ihre Psychologie und Beweggründe ‘europäisiert’. Auch die Ausleuchtung und die Photographie seien mehr europäisch, man spüre nicht die Südsee.” (Lotte H. Eisner)
(Festival Katalog 1989)