THE ART OF REGRET

In ihrem brilliant beobachteten Dokumentarfilm untersucht die bekannte visuelle Anthropologin Judith MacDougall die digitale Revolution in China. Fotografie gilt hier als Kunst, die mit ‘Bedauern’, ‘Schmerz’ und ‘Trauer’ verbunden ist: als „art of regret“.
In Kunming, einer rasant sich verändernden Großstadt, sind sich die Leute nicht sicher, ob sie in der Fotografie ein Medium der Bewahrung und Beglaubigung sehen wollen oder eines der Veränderung und der Fantasie. Im digitalen Zeitalter kann alt in jung verwandelt werden; jeder kann sich schöner machen als er ist. Während sie in den Fotoshops der Kaufhäuser ihre computergenerierte Verschönerung genießen, schätzen die Einwohner Kunmings aber gleichzeitig auch die alten fotografischen Ansichten ihrer Stadt aus der Zeit vor deren Veränderung. Durch die Kulturrevolution wurden zahllose Fotos vernichtet: Erinnerungsmaterial, das unwiederbringlich verloren ist.
Im heutigen China entgeht niemand der Frage, wie Geschichte, Realität und materielle Kultur zu betrachten sind. THE ART OF REGRET ist eine ebenso tiefgründige wie wegweisende Meditation über den Gebrauch von Fotografie und Bildproduktion in einer Kultur, wo alles in Veränderung begriffen ist.

Judith & David MacDougall wurden in den USA geboren. Nach dem Universitätsabschluss am Beloit College und der Harvard Universität studierten sie an der Universität von Kalifornien (UCLA) in Los Angeles Film. Im Rahmen eines neu eingerichteten, ethnografisch orientierten Filmprogramms begannen sie, sich mit der Visuellen Anthropologie zu beschäftigen. Aus diesen Anfängen entwickelte sich eine über Jahrzehnte währende, sehr innovative wie produktive Auseinandersetzung mit der Visuellen Anthropologie. Beide leben heute in Australien.

Filme von Judith MacDougall: DIYA (2001), THE ART OF REGRET (2007).
Filme von David MacDougall: J. LEE THOMPSON: DIRECTOR (1967), MAN LOOKS AT THE MOON (1970), KENYA BORAN (1974), GOOD-BYE OLD MAN (1977), TO GET THAT COUNTRY (1978), LINK-UP DIARY (1987), TEMPUS DE BARISTAS (1993), DOON SCHOOL CHRONICLES (2000), WITH MORNING HEARTS (2001), KARAM IN JAIPUR (2003), THE AGE OF REASON (2004), SCHOOLSCAPES (2007), GANDHI’S CHILDREN (2008).
Filme Judith & David MacDougall: INDIANS AND CHIEFS (1967), IMBALU: RITUAL OF MANHOOD OF THE GISU OF UGANDA (1989), NAWI (1970), TO LIVE WITH HERDS (1972), UNDER THE MEN’S TREE (1974), THE WEDDING CAMELS (1977), LORANG’S WAY (1979), FAMILIAR PLACES (1980), THE HOUSE-OPENING (1980), PHOTO WALLAHS (1981), TAKEOVER (1989), A WIFE AMONG WIVES (1981), THREE HORSEMEN (1982), STOCKMAN’S STRATEGY (1984), COLLUM CALLING CANBERRA (1984), SUNNY AND THE DARK HORSE (1986), A TRANSFER OF POWER (1986).

MIMOUNE

Illegale“ Einwanderung ist nicht allein ein Problem unserer Gesellschaft. Nicht nur der Immigrant leidet an der sozialen Entwurzelung, der schwierigste Part dieses Problems ist die Trennung der Familien. Dieser Film entstand aus dem Wunsch die Familie von Mimoune Bensaada für einen kurzen Augenblick zusammenzubringen. Er lebt als Flüchtling in Spanien, seit Jahren getrennt von seiner Frau und seinen Kindern, die in Marokko zurückgeblieben sind. Ein lang gehegter Wunsch der Familie geht in Erfüllung, wenn auch nur mit Hilfe einer Kamera.

Gonzalo Ballester, 1982 in Murcia, Spanien geboren. Er behandelt in seinen Kurz-und Dokumentarfilmen vor allem soziale Fragen. Filme: MUJTAR (2002), LA CÁMARA: TESTIGO DE LA REALIDAD, LA PERSIANA (2003), LOS INVASORES (2004), LA BODA (2006), LA SERENISSIMA (2006), EL ÚLTIMO PAISAJISTA (2007), THE MOLKY WAY ( 2008).

SIFINJA, DIE EISERNE BRAUT

Hohes technisches Können, handwerklicher Stolz und kreative Energie sind die Triebkraft sudanesischer LKW-Mechaniker, die ursprünglich britische Bedford-Trucks auf die lokalen Erfordernisse des Sudan anpassen. Und ‘anpassen’ heißt hier: die Mechaniker, Schmiede und Schreiner bauen die Lastwagen zunächst mal vollkommen auseinander, 67 um sie dann in höchst unorthodoxer Weise wieder neu aufzubauen. Die von britischen Autobauern für englische Landstraßen konstruierten LKW werden so in wüstentaugliche Fahrzeuge verwandelt. Seit den 1960er Jahren entstanden so die unterschiedlichsten Modelle, aus denen im Lauf der Jahrzehnte eine für alle Werkstätten verbindliche Umbauweise entwickelt wurde. Mit großer Liebe zum Detail verfolgt der Film, wie solche Prozesse der Aneignung ablaufen: die erforderlichen Arbeitsschritte, -materialien, -werkzeuge, die sozialen Voraussetzungen und die Traditionen in denen sich dieses spezialisierte Handwerk herausgebildet hat. Wer den Sudan nicht kennt, sollte sich überraschen lassen von der Innovationskraft und der Kreativität der Mechaniker, Schmiede und Schreiner.

Valerie Hänsch studierte Sozialanthropologie, visuelle Anthropologie und Afrikastudien in München. Sie ist Doktorandin an der International Graduate School of African Studies (BIGSAS) der Universität Bayreuth. Filme: RAMADAN KARIM (2004), MANASIRLAND (2006), SHARIA DEBATES IN AFRICA (2007), SIFINJATHE IRON BRIDE (2009).
freiburger film forum 2011

REQUECHO A THOUSAND YEARS LATER

Seit mehreren tausend Jahren leben die Urus auf schwimmenden Inseln im Titicacasee. Die Vorfahren der Inkas sind heute vom Aussterben bedroht. Ein Konflikt durchzieht ihre Gemeinschaft. Auf der einen Seite diejenigen, die näher am Ufer wohnen und hauptsächlich vom Tourismus existieren. Auf der anderen Seite die, die jeden Kontakt mit der Außenwelt vermeiden, um ganz in der Tradition der Ahnen vom Jagen, Fischen und Sammeln zu leben. Inzwischen kämpfen beide Seiten gegen den peruanischen Staat, der sie als Eigentümer ihres angestammten “Landes” nicht anerkennen will. Maria ist mit ihren hundert Jahren die älteste Bewohnerin der Inseln. Sie und einige Protagonisten beider Seiten geben einen Einblick in die derzeitige Situation der Community.

REQUECHO MIL AÑOS DESPUES wurde auf zahlreichen internationalen Festivals mit Preisen ausgezeichnet, u.a. in Lima, Havanna, Bogota, Paris, Madrid, London.

Humberto Saco
, peruanischer Filmemacher, Kameramann und Produzent. Kurzspielfime: JUGADA DE LUXE, LAPSUS, DESEOS DE NIÑO; Dokumentarfilme: CAMINO A LA ESCUELA (2004), CIERTOS VACÍOS (2005), REQUECHO MIL AÑOS DESPUES (2009).

PÏRINOP, MY FIRST CONTACT

Bis 1964 lebten die Ikpeng-Indianer zurückgezogen in der Umgebung des Xinguflusses im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso. Dann kamen Goldschürfer und beanspruchten das Gebiet für sich. Die Ikpeng wurden in ein Reservat in Xingu umgesiedelt, wo sie bis heute leben. Doch sie leiden immer noch unter dem Verlust ihres angestammten Landes und kämpfen nun dafür, es zurückzubekommen. Der junge Co-Regisseur Karané Txicão ist einer von ihnen; in Workshops der NGO Vídeo Nas Aldeias (Video in den Dörfern) lernte er das Filmhandwerk. Die Geschichte wird aus der Sicht der Indianer erzählt. Vergangenheit und Gegenwart, Sorgen und Humor vermischen sich, wenn die Ikpeng Erinnerungen an ihre verlorene Heimat heraufbeschwören. So verschiebt sich die Perspektive, die Rollen werden vertauscht – und wir, die „zivilisierten Weißen“, sind auf einmal die Anderen, die Eindringlinge. Preis: DOK.FEST 2007.

Mari Corrêa, brasilianische Dokumentarfilmerin und Editorin. Sie studierte Sozialwissenschaft an der Universität in São Paolo und Film an der Sorbonne Nouvelle, Paris. Ihren ersten Film als Regisseurin drehte sie 1987 beim Atelier Varan. Von 2000 bis 2009 war sie Ko-Direktorin von Vídeo nas Aldeias. Filme: O CORPO E OS ESPÍRITOS (1996), VOIX INDIENNE (1997), AGENDA (2003), VÍDEO NAS ALDEIAS SE APRESENTA (2005), OU VAI OU RACHA (2006), PÏRINOP, MEU PRIMEIRO CONTATO (2007).

Karané Txicão, Teilnehmer vom Xingu Workshop, lebt im Xingu Indigenous Reservat in Mato Grosso. Gemeinsam mit Kumaré Ikpeng realisierte er sein erstes Video MOYNGO, THE DREAM OF MARAGAREUM. 2001 führte er Regie bei dem Film MARANGMOTXÍNGMO MÏRANG FROM THE IKPENG CHILDREN TO THE WORLD mit dem er 2002 beim Premio Anaconda Festival und 2004 beim National Geographic All Roads Festival Preise

Ritual Journeys

RITUAL JOURNEYS ist das filmische Portrait des 80 Jahre alten Lepcha Schamanen Merayk. Er lebt mit seiner Familie in Dzongu, einem Lepcha Reservat in Nord Sikkim (OstHimalaya). Merayk übt Heilungsrituale für Einzelne aus, aber ebenso Rituale für das Wohlbefinden der Hausgemeinschaft, des Clans oder des Dorfes. Mit der Kamera folgt Dawa Lepcha dem Schamanen in seinen Alltag und beobachtet ihn bei der Ausübung der Rituale. Die Filmaufnahmen entstanden zwischen 2003 und 2010.

Anna Balikci Denjongpa ist Anthropologin und Research Coordinator am Namgyal Institute of Tibetology in Indien (www.tibetology.net). Ihr Buch „Lamas, Shamans and Ancestors: Village Religion in Sikkim“ erschien 2008 im Verlag Brill Academic Pub.
freiburger film forum 2011
2011