SCREENING ROOM WITH ROBERT GARDNER, JEAN ROUCH

SCREENING ROOM war eine Bostoner Fernsehsendung der 1970er Jahre. Konzipiert und präsentiert wurde sie von dem Filmemacher Robert Gardner. Fast zehn Jahre lang bot sie unabhängigen Filmemachern ein Forum, wo sie ihre Arbeiten präsentieren und diskutieren konnten. In dieser Sendung stellt Jean Rouch seine Arbeit und seine Filme vor.

Robert Gardner, geboren 1925 in Brookline, Massachusetts. Er war Dekan an der Fakultät für Visual and Environmental Studies in Harvard und Leiter des Carpenter Center for Visual Arts. Filme (Auswahl): DEAD BIRDS (1964); RIVERS OF SAND (1974); DEEP HEARTS (1981); FOREST OF BLISS (1986).

SOLLY’S STORY

Solly Luvhengo, ein junger Mann aus dem ländlichen Venda in der Northern Province, hat Armut und Marginalisierung in seinem Leben die Stirn geboten und sich für die Zukunft einiges vorgenommen. Als einziges Kind einer allein stehenden Mutter wurde Solly von seinen Großeltern und Ammen aufgezogen; seit dieser Zeit träumt er davon, ein Fußballstar zu werden. Zunächst sprang er als Trainer ein und schaffte es, Assistent des Nationaltrainers zweier südafrikanischer Mannschaften zu werden. Seit der Einführung der Demokratie in Südafrika 1994 kann Solly die Vorteile der neuen Ära genießen. In seinem Heimatdorf beginnt er mit dem Bau eines neuen Hauses für seine Freundin und deren Großfamilie. Sein Traum scheint wahr zu werden – aber dann kommt die Realität ins Spiel.

Asivhanzhi ‘Asi’ Mathaba, geboren 1976 in Johannesburg. Film- und Fernsehstudium in Kapstadt. Filme seit 1998: Werbeclips, Firmenvideos, Musikvideos, Dokumentarfilme für 15 das Fernsehen.

HOT WAX

Ivy begann ihre erfolgreiche Karriere, als es schwarzen Frauen in Südafrika noch verboten war, als Kosmetikerin für Weiße zu arbeiten. Seit Jahren besitzt sie einen festen Stamm von Kundinnen, die regelmäßig kommen und ihr die privatesten Dinge erzählen. Sie lacht, weint und tratscht mit ihnen und gibt ihnen gute Ratschläge. Sie setzt sie sogar ins Auto und betätigt den Anlasser, damit die frisch manikürten Fingernägel nicht leiden. Für ihre Kundinnen ist sie die beste Therapeutin, eine Erfrischung für Körper und Seele.

Andrea Spitz, geboren 1965 in Johannesburg. Filmemacherin und Beraterin für soziale und ökologische Fragen. Dokumentarfilme seit 2000: XENOPHOBIA; NOT ASKING MUCH; VOICES ACROSS THE FENCE; I WILL NOT GO GENTLY.

ON THE RUMBA RIVER

Von seiner Frau gedrängt, den Schatten seines Baums zu verlassen und sich nach Arbeit umzusehen, nimmt Papa Wendo wieder Kontakt zu seinen früheren Gefährten auf. Dreißig junge und weniger junge Musiker trommelt er zusammen, mit denen er die kongolesische Rumba wiederbeleben will. Gitarren, Patengué und Mukuassa sollen erneut von Kinshasa bis nach Europa zu hören sein. Im Jahr 1925 geboren und als “lebendes Denkmal” der kongolesischen Musik bekannt, verdankt Papa Wendo seinen Ruhm dem Lied “Marie-Louise”, dem man im Volk magische Kräfte zuschrieb. Da es angeblich Tote wieder zum Leben zu erwecken oder die Flussgeister zum Tanzen zu bringen vermochte, wurde sein Interpret von den belgischen Missionaren exkommuniziert. Wendos Leben gleicht einem Roman: Schon früh zum Waisen geworden, war er zehn Jahre lang Fährmann und anschließend Boxer, bevor er Sänger wurde. Jacques Sarasin zeigt nicht nur Wendos Wiedersehen mit seinen alten Musikern, sondern auch Szenen aus dem Alltag der Familie. Ein wundervoll fotografierter Musikfilm!

Jacques Sarasin wurde 1955 in Genf geboren. Seine beruflichen Erfahrungen reichen von jahrelanger Tätigkeit als Schiffsmakler zu humanitärem Engagement für Afrika und Lateinamerika bis zur Lancierung eines Exportunternehmens in Argentinien. Anfang der 90er Jahre gründete er die Productions Faire Bleu und produzierte neben kulturellen Projekten auch diverse Kurz- und Dokumentarfilme. 1999 kamen seine beiden Filme SEUL AUTOR DU MONDE und EUROPEAN DN heraus.

NAUA HUNI - INDIANERBLICK AUF DIE ANDERE WELT

Wenn das Selbstbild zum Fremdbild wird: Amazonien 1980. Man stelle sich vor, inmitten des Urwalds tauchen Bilder des deutschen Alltagslebens auf: in Bergwerken und Fabriken arbeitende Männer, die bunten Tapeten der damaligen Zeit, die klassische Familie mit zwei Kindern. Welcher Eindruck entsteht von uns? Und welche Vorstellung bekommen die Huni Kuin vom Leben der „Weißen“, den Besitzern des Metalls, den „Reichen“? Schon ihr Schöpfungsmythos setzt sich mit der Thematik des Fremden, der Kategorisierung der Menschheit und der Differenzierung in Völker auseinander. Lebhafte Vorstellungen von „uns“ und den „anderen“ sind in ihrer Kultur verankert. Nach langjährigen Feldforschungen im peruanischen Amazonas-Gebiet hat die Regisseurin Barbara Keifenheim die Indigenen mit einem Film über das deutsche Großstadtleben konfrontiert – die vielfältigen Reaktionen des peruanischen Publikums sind eine wahre Bereicherung. Sie ermöglichen einen unverstellten Blick auf unsere Kultur und lassen erahnen, warum die doppelte Bedeutung des Wortes „naua huni“ – weißer Mann und Halluzination – kein Zufall ist.

Barbara Keifenheim, Anthropologin und Filmemacherin. Feldforschungen im peruanischen Amazonasgebiet, Lehrtätigkeit in Europa und China. Sie arbeitet heute als Professorin für visuelle Anthropologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

HIMALAYA, A PATH TO THE SKY

Kenrap ist acht Jahre alt – und buddhistischer Mönch. Er lebt im Phuktal-Kloster hoch oben im Himalaja-Gebirge von Zanskar. Kenrap hat sich bewusst für ein Leben fern von der Familie entschieden: Im Alter von fünf Jahren erinnerte er sich, die Reinkarnation 55 eines 68-jährigen Mönchs zu sein, also beschloss er zurückzukehren, wo er hingehört: ins Kloster. Die Ethnologin Marianne Chaud folgt Kenraps PATH TO THE SKY. Ihre subjektive Kamera erlaubt uns, Augenblicke von großer Nähe mit dem sympathischen kleinen Mönch zu teilen und bietet zugleich einen seltenen Einblick in ein buddhistisches Klosterleben.

Marianne Chaud wurde 1976 in Puy-Saint-Vincent bei Briançon geboren. Im Alter von 17 Jahren unternimmt sie erste Reisen nach Marokko und Indien. Als Studentin der École des Hautes Études en Sciences Sociales hält sie sich sechs Monate in der Region Ladakh auf. Über die fotografische Dokumentation ihrer Reisen findet sie schließlich zum Film.

TERROR UND KEBAB

Als er zum wiederholten Mal mit seinem Anliegen scheitert, in der Kairoer Verwaltungsbehörde den zuständigen Beamten anzutreffen, rastet Ahmed aus: er nimmt die anderen Wartenden gefangen und fordert eine zügige Abwicklung seines Falles. Bald schon solidarisieren sich die Geiseln mit ihm, und gemeinsam tritt man den Kampf gegen die Institutionen des Staates an. Mangels einer klaren politischen Agenda bestellen die „Terroristen“ – ein Schuhputzer, eine Prostituierte, ein Angestellter – zunächst einmal Kebab für alle. Eine Parodie auf das Bürokratie-Unwesen in Ägypten, dessen kafkaeskes Zentrum die „Mugammaa“ ist, das größte Verwaltungsgebäude auf dem afrikanischen Kontinent. Der von der Sowjetunion finanzierte Bau liegt an der Südseite des heute weltweit bekannten Tahrir-Platzes, auf dem der Regisseur für diesen Film schon 1993 Militär und Sicherheitspolizei aufmarschieren ließ. Superstar Adel Imam in der Rolle von Ahmed machte den Film zu einem Kulthit des ägyptischen Kinos in den 1990er Jahren. (FilmInitiativ Köln e.V.)

Sherif Arafa, Studium an der Filmschule in Kairo, zählt zu den wichtigsten Filmemachern Ägyptens. 1986 drehte er seinen ersten Spielfilm ALAQZAM QADIMOUN THE DWARFS ARE COMING mit dem er zahlreiche Preise gewann. Weitere Filme (Auswahl): ESCAPING TEL AVIV WALAD ELAAM (2010), HALIM (2007), BAHEB ALCIMA I LOVE CINEMA (2005), TOYOUR EL ZALAM BIRDS OF DARKNESS (1995), AL IRHAB WAL KEBAB TERROR AND KEBAB (1993).

KENE YUXÍ, THE TWISTS OF KENE

Zezinho Yube sieht es als seine Aufgabe die Tradition seines Volkes, die zu Verschwinden droht, zu bewahren. Mit dieser Arbeit knüpft er an die Forschungstätigkeit seines Vaters, des Professors und Schriftstellers Joaquim Maná, an. In seinem Film zeigt er die Kunstfertigkeit der Hunikui Frauen, unterstützt wird er dabei von seiner Mutter.

Zezinho Yube stammt aus dem Dorf Murucipe am Ufer des TarauacáFlusses im Praia do Carapanã Reservat. Er ist Umweltund Landwirtschaftsexperte und wurde vom brasilianischen Kultusministerium zum Koordinator beim dem Projekt VÍDEO NAS ALDEIAS (Video in den Dörfern) berufen. Er nahm an mehreren Workshops teil. Hier entstanden seine ersten Filme XINA BENA NEW ERA und MANÃ BAI / MY FATHER´S STORY. Weitere Kurzfilme: UMA ESCOLA HUNIKUI (2008), KATXA NAWÁ (2008), ME TRANSFORMEI EM IMAGEM (2008), BIMI, MESTRA DE KENES (2009), TROCA DE OLHARES (2009).

CAMINO A LA ESCUELA

Der Film erzählt von den Strapazen, die Schüler und Lehrerin jeden Tag auf sich nehmen, 44 um im Hochland Perus in 4000 Metern Höhe zur Schule zu gehen. Täglich riskieren sie ihr Leben, um an diesem Schulsystem Teil haben zu können.

Trans-Cutucú - Zurück in den Urwald

Das Bergmassiv Cutucú, im Süden des Amazonasgebietes in Ecuador, war ein Schutzwall gegen die ökologische Zerstörung, für die indianische Bevölkerung aber auch ein Hindernis. Sie hatten keinen Zugang zur modernen Welt. Der Straßenbau durch das Cutucú-Massiv eröffnet nun die Mobilität, welche den Abbau fossiler Ressourcen ermöglichen, aber den UreinwohnerInnen auch den gewünschten Anschluss an die zivilisierte Welt gewähren wird. Unspektakulär vollzieht sich dieser Prozess, wo der so genannte Fortschritt Einzug hält und nicht mehr zu bremsen ist: es wird gebaggert, geschaufelt, gerodet, verkauft und gekauft, der alltägliche Wahnsinn. Ausschnitte aus dem Film «Shuar, 45 Volk der heiligen Wasserfälle» (1986) rufen uns in Erinnerung, dass in der traditionellen Shuar-Kultur die Natur beseelt war und die Mobilität im halluzinogenen Rausch keine Grenzen kannte. Heute transportieren die Ureinwohner mit Pferden Holzbretter in die Zivilisation. Holz ist das schnellste Geschäft, andere Produkte müssen erst erzeugt werden. Doch nun verschwindet der Urwald.

Lisa Faessler, geboren 1946 in Luzern. 1963-66 Ausbildung als Fachfotografin. 1966-67 Teaching Assistant an der Fotoabteilung des Carpenter Center for Visual Arts, Harvard University. Fotografin im anthropologischen Museum in Mexico City und am Kunstmuseum Basel. 1972-78 Studium an der DFFB (Berlin). Seit 1978 freie Filmschaffende. Seit 1986 lebt Faessler in Quito. Filme: SHUAR, VOLK DER HEILIGEN WASSERFÄLLE (1986), TANZ DER BLAUEN VÖGEL (1993), TUMULT IM URWALD (1998), TRANSCUTUCÚ ZURÜCK IN DEN URWALD (2009).