Fortschritt und Verdrängung

Dort, wo Bulldozer im Namen eines angeblichen Fortschritts weiterhin in die entlegensten Regionen des Globus vordringen, trifft es vor allem die wenigen noch intakten bäuerlichen Kulturen und indigenen Gemeinschaften. In diesem Schwerpunkt gehen wir in die höchsten Bergregionen Kolumbiens und in die Pampa in Nordbrasilien. Augenfällig prallen Gegensätze aufeinander: die kolumbianischen Indigenen tragen weiße handgewebte Trachten, die sich kaum stärker von der industriell verschlissenen Jeanskleidung unterscheiden könnten, wie sie in Brasilien in Massen produziert wird. Allein an dieser textilen Differenz manifestiert sich der Verlust von Kulturenvielfalt. Was wird mit dem ‚Fortschritt‘ gewonnen? Was geht verloren? Die Arhuacos in der Sierra Nevada de Santa Marta im Norden Kolumbiens verteidigen seit Jahrhunderten ihre traditionelle Lebensweise. Sie sind nur noch wenige, aber beharren auf ihrer Kultur und Selbstbestimmung. THINKING LIKE A MOUNTAIN von Alexander Hick errichtet diesen Menschen ein filmisches Monument. PASTORALES von Ivan Boccara zeigt, was in Europa vor mehr als hundert Jahren passierte. Die Elektrizität erobert den Hochatlas in Marokko. Die dort lebenden Kleinbauern und Hirten sollen davon profitieren – doch welcher Fortschritt ist das? Gebannt verfolgen sie nun die soap … mehr

Pastorales
(PASTORALES ÉLECTRIQUES)

Ivan Boccara
Marokko 2017 | 93 Min. | OmeU
Sa, 01.06.2019 15:00
Zu Gast: Ivan Boccara
Seit Jahrhunderten leben die Berber in den Bergen des Mittleren und Hohen Atlas von Landwirtschaft und Viehzucht. Was die Umwelt ihnen bietet, reicht heute nicht mehr zum Lebensunterhalt. Bodenerosion und … mehr

Thinking like a Mountain

Alexander Hick
Deutschland, Kolumbien 2018 | 93 Min. | OmeU
Fr, 31.05.2019 15:30
Sa, 01.06.2019 22:00
In der höchsten Bergkette Kolumbiens leben die Arhuacos. Wie seit Jahrhunderten tragen sie ihre weißen Kleider, bewahren ihre Kultur und Spiritualität, die eng mit der sie umgebenden Natur verbunden ist. … mehr

Waiting for the Carnival
(Estou Me Guardando Para Quando O Carnaval Chegar)

Marcelo Gomes
Brasilien 2018 | 86 Min. | OmeU
Sa, 01.06.2019 20:00

Die Kleinstadt Toritama im kargen Nordosten Brasiliens deklariert sich selbst als „Capital do Jeans“. Millionen Jeanshosen werden dort pro Jahr produziert, meist in kleinen Manufakturen, betrieben von Familien, stolz auf ihre Selbständigkeit, die eigentlich Selbstausbeutung ist. Auf der Suche nach seinen Kindheitserinnerungen an diesen Ort findet der Regisseur das unablässige Rattern der Nähmaschinen, die nur einmal im Jahr verstummen, wenn alle zum Karneval ans Meer fahren. Früher lebten die Einwohner von Landwirtschaft und Kleinhandel. Heute verheißt der industrielle Aufschwung im Schwellenland Brasilien Wohlstand und Wohlergehen, was angesichts der Rackerei in der Jeansproduktion sichtlich in Frage steht. An den Tagen vor Karneval landet mancher Kühlschrank oder Fernseher beim Pfandleiher, um das Vergnügen am Meer möglich zu machen.

Der Film aber wertet nicht. Marcelo Gomes gibt den Menschen Raum, vor und mit der Kamera zu agieren, zeigt Arbeits- und Lebensumstände heute und gleicht sie mit seinen Erinnerungen ab. Sein essayistischer Ansatz lässt so magisch-reale Momente entstehen, die den Preis vergegenwärtigen, den diese Produktion im Namen des Fortschritts mit sich bringt.