Cinematografia Demartiniana

Ethnografische Dokumentarfilme aus dem Italien der 1950/60er Jahre Der Ethnologe Ernesto de Martino begann in den 50er Jahren, folkloristische Praktiken in Süditalien zu erforschen. Bahnbrechend für seine Zeit verwendete er zur Aufzeichnung von magischen Besessenheitsritualen, Totenklagen oder ekstatischer Heiligenverehrung sowohl Fotografien als auch Tonaufnahmen. Die von ihm initiierte „synchrone Fonofotografie“ gab den Anstoß für die Entstehung einer italienischen audiovisuellen Anthropologie. Heute wird seine Zusammenarbeit mit FotografInnen und FilmemacherInnen als cinematografia demartiniana bezeichnet. In dieser produktiven interdisziplinären Zusammenarbeit wurden Film und Fotografie nicht konventionell als Medien der Authentifizierung, Klassifizierung und Konservierung ‘exotischer’ magischer Praktiken und Rituale eingesetzt, sondern es entstand eine ganz eigene, stark formalisierte und innovative Ästhetik, die teils von einem geradezu aggressiven Realismus geprägt war und teils von inszenatorischen oder auch performativen Elementen Gebrauch machte. Um „Körper und Riten in Aktion“ dokumentieren zu können, waren De Martino und seine Equipe auf filmische Rekonstruktionen angewiesen. De Martino betrachtete Inszenierungen und Re-enactments als unproblematisch und betonte an mehreren Stellen, dass rekonstruierte Aufführungen wissenschaftlich ebenso wertvoll seien wie ‘authentisches’ Datenmaterial. Er hatte verstanden, dass auch ‘authentische’ Rituale Aufführungen sind. Vor allem die […] mehr

Stendali

OmeU
Die Rekonstruktion eines traditionellen Trauerrituals von Bäuerinnen der griechischsprachigen Minderheit in Apulien. Der Film zeigt die zerfurchten Gesichter der alten Frauen, ihre schwarzen Kopftücher, ihre den Takt schlagenden Füße. Sie […] mehr