Südkurier, 24. Mai 2003
Interkultureller Dialog
Freiburger film forum
Wenn am kommenden Dienstag im Kinosaal Freiburgs die Lichter ausgehen, können sich die Zuschauer auf eine abenteuerliche Reise in fremde Kulturen freuen. Vom 27. Mai bis 1. Juni lädt das Kommunale Kino im alten Wiehrebahnhof zum zehnten mal Cineasten und Ethnologen aus aller Welt ein, um im Rahmen eines Forums Dokumentarfilme aus ihren Heimatländern zu präsentieren
Die Veranstaltung zählt zu den bedeutendsten Filmtreffen dieser Art, innerhalb Europas und ist dennoch ein Geheimtipp. Das Besondere ist, dass Film- oder Ethnologie-Begeisterte die Chance haben, außergewöhnliche Filme zu genießen und anschließend mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen Auch im Rahmen von Podiumsdiskussionen entsteht ein interkultureller Dialog zwischen Filmschaffen den, Ethnologen und Publikum.
Die Grundidee des Forums ist es, die individuelle, persönliche Sicht der Filmemacher auf ihre eigene Kultur vorzustellen. Werner Kobe, Mitbegründer und Programmgestalter des Forums, ist überzeugt: "Das Spannende am Kino ist, dass er als Vermittler von Lebensweisen wirkt, indem es einen an deren Blick als den eigenen bietet." Der thematische Zugang ist die Gegenüberstellung der Perspektiven: wir sehen die Fremden. Fremde sehen uns So lebt die Veranstaltung vor der Spannung zwischen den unterschiedlichen Blicken auf eine bestimmte Kultur. Man kann kontrastieren, thematische oder ästhetische "Brücken" zwischen den unterschiedlichsten Filmen und Realitäten bauen.
Das Programm enthält aktuelle Filme etwa aus dem Iran, Afghanistan, Vietnam, Tunesien, Papua-Neuguinea, Südkorea oder Kuba. Vorgestellt wird u.a. die erste Inuit "Docu Soap" Nunavut (Our Land). Die beeindruckende Fernsehserie erzählt von ihrem Leben im ewigen Eis der kanadischen Arktis. Die von Inuit geführte Produktionsfirma gewährt erstmals einen Einblick in ihren Alltag und ihre Kultur aus deren eigener Perspektive.
Außerdem stellt das Bildarchiv der Basler Mission im Internet bisher unzugängliche Fotografien vor, die im Rahmen des Workshops "BildERÖFFNUNG" im postkolonialen Diskurs interpretiert werden. Gezeigt werden auch ausgewählte Werke des belgischen Dokumentarfilmers Thierry Michel u.a. sein neuer Film "Iran, Veiled Appearances" oder die Reihe "Grenzgänge - Palästina / Israel".
Titel wie "Pushing Boundaries - wenn Traditionen brechen" oder "Rückkehr in die Fremde - Begegnungen mit dem Herkunftsland" lassen bereits vermuten, dass kulturelle Grenzen zwischen Vertrautem und Fremdem allmählich zu verschwimmen beginnen...
JONE KARRES