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freiburger film forum 2001 <br>ethnologie und afrika / amerika / asien / ozeanien<br>22.- 27. Mai 2001

 

 

DIE TINDIGA - EIN JÄGER- UND SAMMLERVOLK IM ABFLUSSLOSEN GEBIET DEUTSCH-OSTAFRIKAS

Deutschland 1941 / 42 Min. / s/w / 16mm, Video
Regie: Ludwig Kohl-Larsen; Kamera: Margit & Ludwig Kohl-Larsen

Kontakt: Annette Wagner, Tübingen; Tel: 07071-360309, Fax: 07071-367438

Aufnahmen der "Deutschen Afrikaexpeditionen 1934-1936 und 1937-1939 unter Leitung von Dr. Ludwig Kohl-Larsen" zu den Jägern und Sammlern der Hadzabe nach Tanganyika. Sie wurden 1941 zu fünf Hochschulfilmen der "Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht" (RfdU) verarbeitet: Die Landschaft und ihre Bewohner; Die Tindiga als Sammler; Die Tindiga als Jäger; Feuerbereitung und handwerkliche Fähigkeiten; Spiele und Tänze.

Kohl-Larsen übernahm in seinen Expeditionsberichten und in den Titeln seiner Filme den Spottnahmen der Wildbeuter, bei dem die benachbarten ostafrikanischen Völker sie nannten: "Tindiga - die laufen" - weil sie so scheu waren und davon rannten, sobald sie andere Menschen sahen. Die Jäger und Sammler selbst nennen sich Hadzabe - das heißt: wir Menschen. "Ich wollte alle Völker des abflußlosen Gebietes Ostafrikas besuchen und sie völkerkundlich und womöglich sprachlich erforschen", notierte Kohl-Larsen damals in sein Afrika-Tagebuch. Die Filmaufnahmen sowie archäologische und ethnologische Stücke der Sammlung befinden sich im Kohl-Larsen-Archiv der Universität Tübingen.

Ludwig Kohl (1884-1969) studiert zunächst Medizin und arbeitet in München und Wiesbaden. Bei einer Antarktis-Expedition lernt er seine spätere norwegische Frau Margit Larsen (1891-1990) kennen. Nach der Heirat nennen sich beide Kohl-Larsen. Es folgen Expeditionen nach Mesopotamien und in die Südsee. 1916-1918 arbeitet Kohl-Larsen als Militärarzt im Irak, in Persien und der Türkei. Nach einer Tätigkeit als Regierungsarzt in Norwegen folgen weitere Expeditionen in die Antarktis und zum Nordpol. Die Kohl-Larsens ziehen nach Deutschland. 1931 wird Kohl-Larsen Mitglied der NSDAP. 1932 zieht die Familie nach Tansania, um dort eine Kaffeefarm zu bewirtschaften. In den nächsten Jahren folgen mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft zwei Forschungsreisen in das Hadzapi-Land am Eyasi-See. 1939 Rückkehr nach Deutschland. Kohl-Larsen wird Professor für Völkerkunde an der Universität Tübingen. 1941 bis 1944 Einberufung als Sanitätsoffizier. Nach der Einstufung als "Mitläufer" im Entnazifizierungsverfahren verliert er seine Professur, arbeitet aber ab 1949 wieder an der Sichtung und Aufarbeitung seiner afrikanischen Sammlungen und der Einrichtung eines "Afrika-Saales" am Institut für Frühgeschichte in Tübingen.

 

"DIE DA LAUFEN..." - DIE BILDER DER AHNEN KEHREN ZURÜCK NACH TANSANIA

Deutschland 2000 / 43 Min. / Video
Regie & Buch: Annette Wagner; Kamera: Christoph Feller; Ton: Sven Schapeler; Schnitt: Jutta Gutschmidt; Beratung: Nicholas Blurton-Jones; Übersetzung: Gudo Mahiya; Redaktion: Paul Schlecht; Produktion: SWR - Länder, Menschen, Abenteuer

Kontakt: Annette Wagner, Tübingen; Tel: 07071-360309, Fax: 07071-367438

Die Filmemacherin zeigt den Hadzabe, einem ostafrikanischen Nomadenvolk, die Filmaufnahmen und Fotos, die Margit und Ludwig Kohl-Larsen in den 30er Jahren von ihren Vorfahren machten. Dies ist der Ausgangspunkt für Gespräche über Familiengeschichten und den Alltag damals und heute. So erzählt der junge Jäger Salehe, warum es gut ist, dass die Kinder heute in eine Internatsschule gehen, rechnen, schreiben und Kisuaheli lernen. Warum man sich über die Besuche der Touristen freut und ärgert zugleich. Und dass es schwierig ist, heute zu überleben.

In the thirties the german couple Margit and Ludwig Kohl-Larsen portrayed the daily life of the Hadzabe, nomades in Tanzania. After these fotos and films had been rediscovered in a german archive the filmmaker shows them sixty lears later to the descendants of the Hadzabe. The cinema - night out in the bush is the starting-point for conversations about familiy issues and the life of the hunters and gatherers then and today.

Annette Wagner zur Entstehungsgeschichte des Projektes:

"Es ist im Zusammenhang mit dem Film "Die da laufen..." gefragt worden, ob ich das Fragwürdige an Ludwig Kohl-Larsen vertuschen wollte. Die Antwort lautet: Nein. Den Blick der Hadzabe für meine Filme zu wählen, war eine bewusste Entscheidung in Kenntnis der historischen Hintergründe. Eine Entscheidung, über die man diskutieren kann. Zwei Fragen hatten mich sofort beschäftigt, als ich 1997 über diese eindrucksvollen, archaischen Fotos und Filme aus den 30er Jahren stolperte. Wie leben die Jäger und Sammlerinnen heute in der Dornbuschsteppe Tansanias? Und auch das Forscher-Ehepaar Ludwig und Margit Kohl-Larsen interessierte mich anfangs sehr. Zunächst prüfte ich das aufgefundene Film- und Fotomaterial auf seinen "Blick", auf seine Haltung hin: Entscheidend für die (Wieder)Verwendung der historischen Bilder innerhalb eines gegenwärtigen Dokumentarfilm-Projektes war für mich, ob Kohl-Larsen die Hadzabe herablassend oder gar herabwürdigend zeigte. Ich kam zu dem Schluss, dass nein. Was ich sah, waren ethnologische Dokumente eines Forschers, der seinen Gegenübern mit Respekt begegnete. Kohl-Larsens Schriften indes zeigten ihn als zwiespältige Figur: Hier die offiziellen Aufsätze mit teilweise rassistischen Inhalten - dort die Expeditonsschriften und Tagebücher, in denen er mit großer Neugier und menschlichem Interesse und immer wieder staunend vor den Hadzabe stand. Der schillernde deutsche Forscher wäre ohne Zweifel ein interessanter Stoff gewesen. Aber mein Film-Projekt nahm einen anderen Verlauf: Kohl-Larsen trat in den Hintergrund, weil bei der Vorrecherchereise im Sommer 1999 klar wurde: Die alten Hadzabe erinnerten sich kaum an den "weißen Mann mit der Pfeife und dem Hut" und an "Mama Kohl-Larsen". "Er war ein guter Mann, er hat uns nicht schlecht behandelt. Er hat immer Tiere für uns geschossen, mit seinem Gewehr." Dokumentarisch zu arbeiten, heißt für mich: der Spur dessen zu folgen, was man vorfindet und auf diesem Weg die eigenen Fragestellungen zu überprüfen, gegebenenfalls zu ändern. Mein Interesse hat sich angesichts dessen, was ich in Tansania vorfand, verlagert. Ich wollte nicht mehr deutsche Geschichte und deren Fragen nach Afrika importieren, sondern ich wollte mir die afrikanischen Geschichten anhören. Wollte die Geschichte der Hadzabe erzählen. So geschehen in "Die da laufen..." - Die Bilder der Ahnen kehren zurück nach Tansania". Und ich wollte den Alltag und den Überlebenskampf der Jäger und Sammlerinnen portraitieren. So entstand "Hadzabe heißt wir Menschen. Die letzten Jäger und Sammler in Tansania."

Biofilmografie

Annette Wagner, geb. 1964, studierte Rhetorik und Volkskunde in Tübingen und arbeitet als Journalistin und Filmemacherin. Filme: UNSER SEE ERZÄHLT... DER ATITLANSEE IN GUATEMALA (1997); VOM LIEBEVOLLEN UMGANG MIT VERRÜCKTEN ALTEN (1999); DER FRÜHE DES STARKEN GESCHLECHTS (1999).


Zuletzt bearbeitet am 19.05.2001 © aptum - mailto: webmaster@aptum.de