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freiburger film forum 2001 <br>ethnologie und afrika / amerika / asien / ozeanien<br>22.- 27. Mai 2001

 

 

MENSCHEN IM BUSCH - DER ERSTE DEUTSCHE AFRIKA-TONFILM

Deutschland 1930 / 1801 m; 61 Min. / 35mm s/w Ein Afrika-Tonfilm von Gulla Pfeffer & Dr. Friedrich Dahlsheim; Expeditionsleitung & Filmidee Gulla Pfeffer; Filmische Leitung und Photographie: Dr. Friedrich Dahlsheim; Musik: Wolfgang Zeller; Tonregie & Montage: Hans Oser; Tonphotographie: Adolf Jansen; Einleitender Vortrag: Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, letzter Gouverneur von Togo

Verleih: Bundesarchiv Filmarchiv Berlin

Anfang Juli 1929 bricht eine junge Frau an Bord eines Woermann - Dampfers nach Afrika auf, um eine Filmexpedition an der Golfküste zu organisieren und zu leiten. Die junge Frau - Gulla Pfeffer - will Ethnologin werden und bei den Fulbe in Nigeria forschen. Um die Reise finanzieren zu können, nimmt sie das Angebot des Filmexperten Friedrich von Dalsheim an, eine Expedition nach Togo auszurüsten und zu führen.

Ähnlich wie der Tier- und Expeditionsfilmerin Lola Kreutzberg wird dieses Ereignis in der Öffentlichkeit erstaunt und verwundert wahrgenommen. Schließlich war es zu dieser Zeit äußerst ungewöhnlich, dass eine Frau in Eigenregie fremde Erdteile erforscht und für diesen Zweck eine eigene Expedition rekrutiert.

Die Idee zu diesem Film hat Gulla Pfeffer entwickelt und das Drehbuch gemeinsam mit Friedrich von Dahlsheim geschrieben. Die ersten Aufnahmen entstanden an der Küste Togos bei den Kru-Einwohnern. Da die Küstenbewohner jedoch nicht dem Bild des "unberührten Afrikas" entsprachen, musste ein Dorf gefunden werden, das identisch mit den Vorstellungen der Europäer war. In Chelekpe, einem Dorf am Fuße des Adaklu-Berges fanden Pfeffer und Dahlsheim schließlich den idealen Drehort bei dem Ewe-Volk. Der Film wurde innerhalb von sechs Wochen abgedreht. Im Januar 1930 fuhr das Filmteam wieder zurück nach Deutschland, um die Postproduktion des gedrehten Materials fertigzustellen. Zu dieser Zeit war der Markt bereits von Afrika-Filmen überschwemmt, sodass der Film schon etwas Besonderes vorweisen musste, um auf dem Markt bestehen zu können. Der Tonfilm hatte sich zumindest beim Spielfilm endgültig durchgesetzt und begann sich im dokumentarischen Bereich ebenfalls langsam zu etablieren.

Melophon, eine Tochtergesellschaft von Tobis, unternahm den Versuch, den Film nicht nur nachträglich zu synchronisieren, sondern tondramaturgisch zu gestalten. Diese schwierige und interessante Aufgabe übernahm der damals bekannte Cutter Hans Oser, der für die Montage großer Spielfilme verantwortlich war. Er entwickelte ein erstaunliches Tonkonzept und montierte die Szenen zu einem ungewöhnlichen Film. Mit der musikalischen Aufbereitung afrikanischer Instrumente aus dem Hamburger Völkerkundemuseum sollte möglichst authentische Atmosphäre erreicht werden.

Dahlsheim und Pfeffer erzählen die Alltagsgeschichte einer Familie, die an die Erzählstruktur von Flaherty erinnert und auch einen Einfluss von André Gide erahnen läßt. Wie ein Fremdkörper wirkt dabei der 1. Akt, der weder bild- noch tondramaturgisch noch inhaltlich sich dem restlichen Film anfügt. Hier spricht mit unverwechselbarem kolonialistischen Duktus der ehemalige Gouverneur von Togo Friedrich von Mecklenburg. Kontrapunktisch zu seinen einführenden Worten spricht ein Ewe (lippensynchron!) über das Leben in seinem Dorf. Und das ist ungewöhnlich - für diese Zeit! (Gerlinde Waz)

Der Film wurde von Nitromaterial umkopiert in Zusammenhang mit dem DFG-Forschungsprojekt "Geschichte und Ästhetik des dokumentarischen Film in Deutschland 1895-1945" (Der ethnografische Film zwischen Reisebericht, Völkerkunde und Kolonialismus)


Zuletzt bearbeitet am 19.05.2001 © aptum - mailto: webmaster@aptum.de