Strangers

Vier Fremde - gleicher Raum, gleiches Gewand, gleiche Stadt.
In dieser filmischen Versuchsanordnung begegnen sich vier Menschen, die in der indischen Stadt Kolkata völlig unterschiedliche Leben führen: Ein älterer Muslim, ein in Geldnot lebender Hindu aus der höchsten Kaste, ein Drogendealer und eine liberale Studentin. Der schwarze Raum ihrer Zusammenkunft wirkt wie ein Versuchslabor und ist das ordnende Element des Films. Ihm gegenüber stehen die Szenen, in denen wir die Protagonist*innen in ihrem individuellen Alltag begleiten.
Wer sind wir? Was teilen wir? Was wissen wir voneinander? Ein Experiment über Identität und Gesellschaft.

Violence is to charge 600 Euros - Public Land I

In den politischen Kämpfen von 2011 bis 2015 wird vor allem ein Slogan immer wieder auf die Wände Athens, Istanbuls und Madrids gesprayt: Wacht auf! Als Essay und Collage zeigt der Film Antworten im öffentlichen Raum auf eine Politik, die unter anderem zu Wohnungsmieten von 600 Euro in Betonblocks führt. Graffiti als Protestform wird dargestellt und vorgetragen wie auf einer Lesung und somit zu Reflektion und Vorwurf an die Öffentlichkeit.
Welche Öffentlichkeit und welcher öffentliche Raum -Welche Bilder, Sprache und Erzählung nutzen wir, um die Welt um uns herum zu verändern?

Violence is to charge 600 Euros - Public Land II

Schlagzeilen über die ökonomische und soziale Krise sowie den Mangel an Solidarität verkaufen sich nicht mehr: ihnen wird im öffentlichen Diskurs keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt. Der zweite Teil von Elena Friedrichs Reihe Public Land untersucht die Machtstrukturen, denen die Öffentlichkeit unterliegt, zwischen Information und Manipulation, Repräsentation und Kontrolle.
Der Film zeigt einen Mann, der Orangenkisten zur Küste transportiert und in seinem Autoradio Diskussionen zum Thema aus Athen und Madrid verfolgt. Auf der Fahrt begleitet uns die Frage, wie wir in Guy Debords „Gesellschaft des Spektakels“ alternative Erzählungen schaffen und am Leben erhalten können.

Emails to My Little Sister

Was bedeutet es “Schwarz” zu sein? In Solomon Mekonens Film EMAILS TO MY LITTLE SISTER nähern wir uns dieser Frage von verschiedensten Blickwinkeln. Durch den Film leitet uns die Geschichte des Regisseurs: Beunruhigt durch den Wunsch seiner jüngeren Schwester, auch nach Deutschland zu kommen, beschreibt dieser, wie er sich durch den „weißen Blick“ wahrgenommen fühlt. Eine theoretisch geleitete Annäherung und zugleich ein sehr persönlicher Einblick in die Erfahrungen, die Solomon als Schwarzer in Berlin macht – wenn gleich der Film selbst in Äthiopien spielt: Der Film kombiniert die Reflexionen Mekonens mit visuellen Eindrücken aus dem Leben seiner Schwester in Äthiopien. Durch diesen originellen Zugang gelingt es Mekonen, den Auswirkungen kolonialer Strukturen auf ihrer beiden Leben nachzugehen.

Demian

Nach seinem Abschluss als Jahrgangsbester in Metalltechnik wird Demian Fobasso in Handschellen nach Kamerun abgeschoben. Dort hat er keine Familie und keine Kontakte mehr und versucht sich durch den Verkauf von gebrauchten Armbanduhren über Wasser zu halten. Was soll er nun aus den vier Jahren Deutschland machen? Was passiert, wenn der Ausweis bestimmt, wo man zu leben hat?

Menschen im Busch

Alltag und Arbeit in einem afrikanischen Dorf: Scheinbar unberührt von kolonialen Einflüssen, ist das Leben seiner Bewohner*innen ganz auf Selbstversorgung ausgerichtet. Gefunden haben diesen Ort die Ethnologin Gulla Pfeffer und der Kameramann Friedrich Dalsheim beim Volk der Ewe im Inneren Togos, das bis 1916 deutsche Kolonie war. Arbeit auf den Feldern, Jagd und Essenszubereitung, Weben und Töpfern, Tanz und religiöse Riten bestimmen das Leben der Gemeinschaft, in der die modernste Errungenschaft ein Blechbüchsentelefon ist. Originalsprachige Aufnahmen, Alltagsgeräusche und Orchestermusik verdichten sich zu einer ethnografisch-dokumentarischen Studie, in der Trommeln, Gesänge sowie ekstatische Tänze schließlich in ein »Finale furioso« münden -

»MENSCHEN IM BUSCH gilt als einer der poetischsten Filme seiner Zeit. Zum ersten Mal nehmen deutsche Filmemacher konsequent die Perspektive der Gefilmten ein. Ohne Off-Kommentar erzählen die togolesischen Ewe aus der einstigen deutschen Kolonie über ihren Alltag und das Leben im Dorf Chelekpe. Alle Sprachaufnahmen wurden in Berlin nachsynchronisiert, auch dies ein Novum in der Geschichte des Kolonial- und Expeditionsfilms.« (Gerlinde Waz)

Cracks in the Mask

Vor mehr als 100 Jahren waren die Bewohner*innen der Torres Strait Inseln nördlich von Australien das Ziel zahlreicher anthropologischer Forschungsreisen. In Folge dessen verschwanden zahlreiche kulturelle Objekte und hinterließen eine Leerstelle in der Geschichte der Pazifikbewohner*innen. Keine ihrer einzigartigen aus Schildkrötenpanzer gefertigten Masken verblieb an ihrem Platz, ihr gesamtes materielles kulturelle Erbe verschwand in fremden Museen.
Auf der Suche nach den Exponaten bereist Ephraim Bani - ein Wissensträger der Torres Strait Inselbewohner - mit seiner Frau die großen Museen Europas. Seine Frage, ob nicht einige der Objekte zurückgegeben werden könnten, löst überall grundsätzliche Debatten über die von Konkurrenz untereinander geprägte Museumskultur und die Komplexität internationaler Politik im Umgang mit indigenen Kulturen aus. Ephraim Bani’s Tagebuchaufzeichnungen enthalten hellsichtige Reflektionen über die Verwandlung der rituellen Artefakte seiner Vorfahren in pure Ausstellungsobjekte.

Gilda Brasileiro - Against Oblivion

Eigentlich ist Gilda Brasileiro eine Zugereiste in ihrem Dorf im atlantischen Regenwald. Umso empörender findet die Afrobrasilianerin, dass sich niemand für die Geschichte des Ortes interessiert, durch den im 19. Jahrhundert eine geheime Sklavenroute verlief. Es existiert sogar noch ein intaktes Sklavenhaus, welches als kleines Museum genutzt wird. In der Erzählung des Besitzers kommen die Sklaven allerdings nicht vor. Da sich kaum jemand erinnern mag, sucht Gilda nach Beweisen. Im Archiv von São Paulo stößt sie auf Belege, dass, 50 Jahre nach dem Ausstieg Brasiliens aus dem transatlantischen Sklavenhandel 1831, ein katholischer Pater einen Weg durch das Dickicht schlagen ließ und mit dem Verkauf illegaler Arbeitskräfte an die Kaffeeplantagenbesitzer gute Geschäfte machte. Da auch das niemand weiter aufregt, beginnt Gilda filmisch festzuhalten, was nicht in Vergessenheit geraten soll. Im Unterholz suchen sie und ihr Kameramann nach den Spuren der kriminellen Vergangenheit.

Angesteckt von der Hartnäckigkeit ihrer Protagonistin beginnen die zwei Regisseure ihre eigene Erinnerungsarbeit und stoßen auf historische Fotografien von Marc Ferrez, der einzigartige Dokumente von den brasilianischen Kaffeeplantagen im 19. Jahrhundert schuf.

Thinking like a Mountain

In der höchsten Bergkette Kolumbiens leben die Arhuacos. Wie seit Jahrhunderten tragen sie ihre weißen Kleider, bewahren ihre Kultur und Spiritualität, die eng mit der sie umgebenden Natur verbunden ist. Alexander Hick nähert sich ihnen über diese Landschaft und gestaltet überzeugende Bilder der rituellen Einheit zwischen Menschen, Seen, Eis und Felsen. Zugleich rekapituliert der Film die jahrhundertlange, kaum bekannte Geschichte der Arhuacos, indem er sie sprechen lässt. Christliche Missionare versuchten sie umzukrempeln, auf ihrem Land wurden Plantagen angelegt, wo sie Sklavenarbeit leisten mussten. Im Bürgerkrieg gerieten sie zwischen die Fronten der Gewalt, manche unter ihnen kämpften für die FARC.

Wie der Klimawandel die Landschaft verändert, bröckelt jedoch das Selbstverständnis und die Widerstandskraft auch dieser indigenen Gemeinschaft, die nur noch in entlegenen Bergwinkeln in tradierter Weise ungestört leben kann. Zu weit ist die moderne Welt vorgedrungen. Welche Zukunft werden die Arhuacos haben?

YAYLA

Die Nomaden der Südtürkei ziehen in die Steinwüsten des mittleren Taurus auf die Sommerweide: YAYLA.
Arbeit und Alltag scheinen nach traditionellen Gesetzen und Gewohnheiten geregelt zu sein. Archaisch schön für den außenstehenden Beobachter.

Doch die Verführungen der westlichen Kultur, im Gefolge von Tourismusindustrie und Militärhilfe, bestimmen inzwischen das Leben selbst im Taurus. Die jungen Leute werden Saisonarbeiter in den neuen Hotelanlagen an der Küste, oder industrielle Nomaden, Wanderarbeiter, die nach Mitteleuropa, nach Deutschland ziehen.

Wenn wir einen ethnographischen Film über Nomaden machen, ist das Verhältnis der Länder, der Kulturen, also der Abhängigkeit BRD/Türkei bereits enthalten. Wir wollen unseren Rohschnitt als “work in progress” vorstellen.