FOLLEYBUSCHGEISTER TANZEN IM RAUCH

FOLLEY-BUSCHGEISTER TANZEN IM RAUCH stellt die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Krankheitsauffassungen dar, indem eine Sprechstunde dem Ritual gegenübergestellt wird. Der Film ist episch und erzählt episodisch. Ich wünsche mir für ihn ein ko-fabulierendes Publikum, welches sich bereit findet, selbst produktiv zu werden, sich selbst Dinge weiterzuerzählen. Er hat keinen Kommentar. Der Sprecher rezitiert in Auszügen die Gesänge der Geschichtserzähler und das Gespräch mit Koumba, der Priester-Heilerin. (Marlene Dittrich-Lux)

Ton und Töne

Der Film macht das Netz schöpferischer Kräfte und Prozesse deutlich, die das traditionelle Leben gestalten bzw. erhalten. Im Mittelpunkt steht der Alltag der Frauen mit ihren herkömmlichen Arbeitsbereichen, wie der Wasserversorgung, der Haushaltsführung, der Kinderbetreuung und der Töpferei. In Ton und Töne wird auf die Verbindung eingegangen, die bei der Tonverarbeitung ebenso wie bei der Verwandlung des irdenen Geschirrs oder bei der Umwandlung der Tonscherben zu Tonmehl besteht. Jeder Arbeitsvorgang ist eingebettet in einen rhythmischen Gestaltungskontext. Dieser fließt in die Klangexperimente der Kinder ebenso ein, wie in die Musik der Geschichtenerzähler. Ihre Rhythmen speichern die Töne von der Arbeit mit Ton. In langen und ruhigen Kameraeinstellungen kann sich der Zuschauer in die verschiedenen, ineinandergewobenen Schöpfungsprozesse dieser traditionellen Welt vortasten und einfühlen.

Die Materialien der modernen Zivilisation, die in Form von Emailleschüsseln, Blecheimern und Plastikgefässen aller Art die westafrikanischen Märkte überschwemmt haben, wirken auch noch in den Momenten ihrer kreativsten Verwendung wie ‘Fremdlinge1, die außerhalb der traditionellen Produktionsweisen, ohne Zugang zu dem zyklischen Austausch mit der Natur, wie bei den Ton-, Holz-, und Kalebassengefäßen hergestellt worden sind. (Festival Katalog 1987)