SIGUI NO.1: L’ENCLUME DE YOUGO

In den Jahren 1966-1974 filmte Jean Rouch bei den Dogon in Mali das Sigui-Ritual. Es ist die rituelle Dramatisierung und damit Wiederbelebung des komplexen Schöpfungsmythos. Es findet alle 60 Jahre statt, dauert sieben Jahre, beginnt in Yougo Dogorou und wandert von Dorf zu Dorf, von der Höhe der Bandiagara-Felsen in die Ebene, wobei man in jedem Dorf eine von sieben Episoden des Mythos rituell darstellt.

Rouchs Filmzyklus besteht aus acht, überwiegend kommentarlosen Teilen von unterschiedlicher Länge: Sigui AnneeZero und Sigui No.1-7. Sigui No.1 folgt zwar der Dramaturgie des Rituals, das selbst schon Theater, Inszenierung des Mythos ist, erzählt seine Geschichte jedoch mit filmischen Mitteln. Der Film ist beispielsweise symmetrisch konstruiert: Am Beginn und am Ende stehen Landschaftsaufnahmen, die auf die mythische und rituelle Bedeutung der Landschaft für die Dogon verweisen. Er hat eine geschlossene Erzählstruktur, betont Exposition (die Vorbereitungen zum Fest), Höhepunkte (Schlangentanz auf dem Dorfplatz, Durchgangsritual), Schluß (das Wandern des Sigui ins Nachbardorf). Er ‘erzählt’ mit Hilfe von Zoom, des metaphorischen Einsatzes von Bildern und Tönen.

Sigui No. 1 enthält alle für Rouch typischen Stilmittel: den schnellen Schnittrhythmus; lange Sequenz-Einstellungen mit ‘Montage in der Kamera’, bei der Einstellungsgrößen und Kamerapositionen durch Zoom, Schwenks und Gänge variiert werden; die bewegte, ja tanzende Kamera, von der Rouch sagt, daß er mit der Bewegung Bilder ‘malen’ möchte; die fragmentarischen Bildausschnitte; die subjektiven Perspektiven; die improvisierte Suche nach Bildern; die Betonung des Rätselhaften. Rouch will die geheimnisvolle Schönheit von Mythos und Ritual bewahren, will beim Zuschauer Fragen provozieren, keine einfachen Antworten geben.

AMBARA DAMA

Alle fünf Jahre organisiert die Maskengesellschaft der Dogon aus Sanga (Falaise de Bandiagara, Mali) eine großes ‘dama’ - ein Totenfest. Ein Jahr nach dem Tode Ambaras, einem der wichtigsten Informanten Marcel Griaules und einem der sieben Ältesten, werden bei diesem ‘dama’ alle alten Masken durch neue ersetzt. Die gleiche Zeremonie hatte Griaule 40 Jahre zuvor beobachtet und ausgewertet. Das ‘dama’ dauert drei Tage. Die neuen Masken defilieren, um die Seelen der Verstorbenen des Dorfes zu ehren.

Ambara Dama

Im Jahr nach dem Tod von Ambara, einem der wichtigsten Informanten der Ethnologen um Griaule bei den Dogon, organisiert die Gesellschaft der Masken (Sanga) eine große ‘Dama’, während alle alten Masken durch neue ersetzt| werden. Vor 30 Jahren hatte Griaule die gleiche Zeremonie beobachtet. Bei der Studie der Maskentänze benutzt Rouch den Zeitraffer. (Festival Katalog 1987)