Cracks in the Mask

Vor mehr als 100 Jahren waren die Bewohner*innen der Torres Strait Inseln nördlich von Australien das Ziel zahlreicher anthropologischer Forschungsreisen. In Folge dessen verschwanden zahlreiche kulturelle Objekte und hinterließen eine Leerstelle in der Geschichte der Pazifikbewohner*innen. Keine ihrer einzigartigen aus Schildkrötenpanzer gefertigten Masken verblieb an ihrem Platz, ihr gesamtes materielles kulturelle Erbe verschwand in fremden Museen.
Auf der Suche nach den Exponaten bereist Ephraim Bani - ein Wissensträger der Torres Strait Inselbewohner - mit seiner Frau die großen Museen Europas. Seine Frage, ob nicht einige der Objekte zurückgegeben werden könnten, löst überall grundsätzliche Debatten über die von Konkurrenz untereinander geprägte Museumskultur und die Komplexität internationaler Politik im Umgang mit indigenen Kulturen aus. Ephraim Bani’s Tagebuchaufzeichnungen enthalten hellsichtige Reflektionen über die Verwandlung der rituellen Artefakte seiner Vorfahren in pure Ausstellungsobjekte.

TALKING BROKEN

Die Insulaner der Torres-Straße, Australiens ‘andere’ Eingeborenen-Minderheit, blieben weitgehend unbekannt, bis sie im Januar 1988 ihre Unabhängigkeit von Australien forderten, Erst jetzt beginnen einige der Insulaner die Auswirkungen von 120 Jahren Kolonialismus zu analysieren. Sie fragen, warum es den Insulanern nicht gelingt, selbst über die Fischerei und Bergbauindustrie und die vielen kleinen Unternehmen auf ihrer Insel zu bestimmen. Gleich, wie hoch ihr Bildungsstand und wie gut ihre Englischkenntnisse sind, viele Insulaner kommen einfach nicht zurecht mit der verzwickten Amtssprache der weißen Bürokraten und haben keine Chance, eine Führungsposition zu übernehmen.

Humorvoll sprechen einige Insulaner über ihre jetzige Lage und ihre Hoffnungen für die Zukunft. Dabei werden so verschiedene Themen wie Unabhängigkeit, Tourismus, Adoption, Sex und Hexerei berührt.

CRACKS IN THE MASK

»Dann kam der weiße Mann, sah… und sammelte.«
Vor einem Jahrhundert waren die Torres Strait Islands im Norden Australiens beliebte Forschungsobjekte für Expeditionen der Cambridger Kulturanthropologen. Als Resultat dieser Forschungen blieb den Inselbewohnern vom Bestand ihrer Kultgegenstände nichts als die Erinnerung an einen Verlust. Die einzigen Menschen im Pazifik, die Masken aus Schildkrötenpanzer anfertigten, besitzen heute keine einzige mehr davon; sämtliche Masken befinden sich in ausländischen Museen. Ephraim Bani, ein Wissensträger der Torres Strait Inselbewohner, fährt mit seiner Frau nach Europa, um dort sein kulturelles Erbe in den Museen aufzusuchen. Vor seiner Reise drückt eine Verkäuferin die Sehnsucht aller Inselbewohner aus: »Also werden nicht nur unsere Kinder, sondern auch die ältere Generation wird die Masken sehen, die uns vor so langer Zeit genommen wurden.« In Europa merkt Ephraim jedoch bald, daß die Kultgegenstände seiner Vorfahren sich in Ausstellungsstücke verwandelt haben.