The World is Like That

Im September 2011 kam der Film VOL SPÉCIAL in die Schweizer Kinos, ein Film über die Abschiebepraxis im Nachbarland. LE MONDE EST COMME ÇA geht dem Schicksal von fünf der abgeschobenen Protagonisten dieses Films nach. Weil sie ohne Papiere waren, wurden sie aus der Schweiz ausgewiesen. Völlig mittellos und von ihren Familien abgeschnitten landeten sie im Senegal oder im Kosovo, in Gambia oder Kamerun.

Ragip, der 3 Monate im Abschiebegefängnis Frambois verbrachte, lebt wieder im Kosovo bei seinen Eltern. Ohne Haus und getrennt von der Familie, lebt er in den Augen seines Vaters eine gescheiterte Existenz. Dia ist zurück bei seiner Schwester im Senegal, die aber nicht weiß, dass er ausgewiesen wurde. Entsprechend hoch sind ihre finanziellen Erwartungen an ihn. Am härtesten traf es Geordry. Den ausländischen Behörden wurden seine Entlassungspapiere aus Frambois zugespielt. Asyl zu beantragen gilt in Kamerun als illegal. Wegen Beschmutzung der Ehre und Landesverrat wurde Geordry festgenommen und gefoltert.

Special Flight

Sie sind seit Jahren in der Schweiz, haben eine Familie gegründet. Ihre Kinder sind schon in der Schule. Doch eines Tages werden sie verhaftet, ohne Verfahren, ohne Verurteilung. Einzig weil sie sich ohne Papiere im Land aufhalten, können sie ihrer Freiheit beraubt und für bis zu zwei Jahren eingesperrt werden, bevor ihnen die Abschiebung droht.

Nachdem er in LA FORTERESSE die Bedingungen in einem Auffanglager für Asylbewerber aufzeigte, lenkt Fernand Melgar nun den Fokus auf das Ende des Migrationsparcours - eines von 28 Abschiebezentren für Sans-Papiers und abgewiesene Asylbewerber in der Schweiz. Er konnte das Vertrauen der Gefängnisleitung und der Inhaftierten gewinnen und neun Monate lang in der geschlossenen Institution filmen.

Das Personal bemüht sich aufrichtig, den Haftalltag human zu gestalten. Die Männer werden mit Kochen und Sport beschäftigt, zu den Reggae-Sessions eines inhaftierten Musikers treffen sich nicht nur seine Leidensgenossen, sondern auch das Wachpersonal. Behutsam werden den Männern schlechte Nachrichten übermittelt. Der Film will nicht das zuständige Personal verteufeln, sondern führt das administrative System vor, das hinter diesen gnadenlosen Abläufen herrscht. Allein in der konkreten Dynamik zwischen Betreuer und Betreuten wird sichtbar, welches Unrecht dort passiert, über alle Köpfe hinweg.

Eine Querverbindung bietet der Film zum diesjährigen Schwerpunktthema: einer der Protagonisten ist ein Roma aus dem Kosovo. Auch er wird per Sonderflug nach 20 Jahren in der Schweiz dorthin „zurückverfrachtet“.