28. Mai - 2. Juni 2019

freiburger film forum - Festival of Transcultural Cinema, unter einem neuen Label startet das Filmforum in diesem Jahr in seine internationale Filmwoche. Der Begriff Transcultural Cinema wurde vom australischen Ethnologen und Filmemacher David MacDougall geprägt. Als einer der Wegbereiter der Visuellen Anthropologie war er mehrfach Gast unseres Festivals. Mit dem neuen Untertitel wird das mit der Gründung formulierte Anliegen, einseitige Perspektiven und Grenzziehungen aufzuheben, sichtbarer gemacht. Ein transkulturelles Kino unterstreicht die Dynamik und Fluidität von Kulturen und deren Eigenschaft, Grenzen als Konstruktionen zu betrachten und in alle Richtungen zu überschreiten.

In diesem Sinn eröffnen wir am 28. Mai mit TANZANIA TRANSIT, einer Zugreise durch die ostafrikanische Gegenwart, das Festivalprogramm. 30 Kurz- und Langfilme aus 22 Ländern warten an den folgenden Tagen auf das international interessierte Publikum. 25 Regisseur*innen aus Indien, dem Kongo, Nord- und Zentraleuropa werden anreisen, um ihre aktuellen Filme vorzustellen und freuen sich auf viele engagierte Gespräche mit den Zuschauer*innen. Für eine Woche wird das Kommunale Kino wieder einmal Zentrum internationalen Filmschaffens sein.

Als Ehrengast begrüßen wir in diesem Jahr die Ethnologin und Filmemacherin Lisbet Holtedahl aus Tromsø. Seit 1982 forscht sie u.a. im Norden Kameruns. Zwei ihrer dort entstandenen Filme wird sie vorstellen und eine Masterclass zu ihrer Forschung und filmischen Arbeit geben. WIVES zeigt seltene Einblicke in die sensiblen Beziehungen einer polygamen Familie. THE CHÂTEAU überrascht mit dem ungewöhnlichen Porträt eines superreichen Kameruner Industriellen. Die Strahlkraft dieser Filmwerke liegt in der Unmittelbarkeit und großen Nähe zu den Protagonisten, die nur in solchen Langzeitprozessen entstehen kann.

Mit THINKING LIKE A MOUNTAIN zeigen wir ein zweites Mal einen Film von Alexander Hick. Sein mit großem Ausdruck gestalteter Film über die Arhuacos, einem von expandierender Industrialisierung bedrohten Bergvolk in Kolumbien, eröffnet die Reihe Fortschritt und Verdrängung, die sich mit der voranschreitenden Erschließung ländlicher Räume befasst. Ein weiterer Film beobachtet erstaunt den Wandel eines verschlafenen Ortes in Brasilien zur ‚Capital do Jeans‘.

Nicht verpassen sollte man das in beiden Fällen mit Preisen ausgezeichnete Double Feature Köhlerei. Während im Kongo ein Mann allein in einem unglaublichen Kraftakt einen Baum schlägt, zu Kohle verarbeitet und diese dann verkauft, pflegen Köhler in der Schweiz ihr familiär tradiertes Handwerk, um der steigenden Nachfrage der BBQ-Kultur nachzukommen. Eindrücklicher lässt sich der Gap zwischen den Kontinenten kaum darstellen.

Aus Anlass der aktuellen Debatte um die Restitution musealer Objekte in ihre Herkunftsländer, stellen wir uns die Frage nach den kolonialen Anteilen, die sich in historischen aber auch heutigen Filmen wiederfinden lassen. Während MENSCHEN IM BUSCH, ein hochgelobter Klassiker des ethnografischen Films, mit einer sehr rassistisch konnotierten Einführung überrascht, hält uns Mischa Hedinger in seinem aktuellen Film AFRICAN MIRROR die Afrikabilder vor, mit denen die Nachkriegsgeneration aufgewachsen ist. CRACKS IN THE MASK schlussendlich leitet über zu einer Paneldebatte, die den Verbleib der Artefakte in westlichen Museen grundsätzlich in Frage stellt.

Zum dritten Mal bietet die students‘ platform eine aus hunderten eingereichten Filmen sorgfältig ausgewählte Reihe talentierter Debuts. Von Dienstagmittag bis Mittwochabend präsentieren junge Regisseur*innen ihre Themen aus Indien, Schweden, Kamerun, Borneo, Burma, Russland, Syrien und anderen Ländern – und bieten die einmalige Gelegenheit eines aktuellen Überblicks studentischen Filmschaffens. Details hier.

Wer beim Filmkonzert SURVIVAL STRATEGIES FOR COLD COUNTRIES im letzten Jahr im Kommunalen Kino nicht dabei sein konnte, am Samstagabend bietet sich erneut die Chance im E-Werk. Das Künstlerkollektiv shortfilmlivemusic zeigt ein weiteres Mal ihr aus aktuellen und historischen Quellen, literarischen Texten, Filmen und Zeitzeugengesprächen collagiertes Projekt über das Ankommen der Einwander*innen in Ost- und Westdeutschland.

Beim 5. Fotofestival 2013 in Heidelberg wurden wir auf das von Lukas Birk und Sean Foley präsentierte AFGHAN BOX CAMERA PROJECT aufmerksam. Diese Arbeiten sind nun erstmals auch im Centre Culturel Français in Freiburg zu sehen. Die Ausstellung bietet eine Sammlung letzter Zeugnisse einer ehemals reichen analogen Fototradition in Afghanistan.